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Augsburg

05.11.2015

Krise für Kohlenstoff-Spezialist: Was SGL Carbon bevorsteht

SGL stellt unter anderem Karbonfasern her.
Bild: SGL Carbon

Der Kohlenstoff-Spezialist SGL Carbon leidet unter der weltweiten Krise auf dem Stahlmarkt. Standortschließungen und der Abbau von Stellen könnten die Folge sein.

Fußballfans dürfte das Stadion des Bundesligisten FC Augsburg noch als SGL Arena in Erinnerung sein. Doch damit ist es seit dieser Saison vorbei. Auf der Fassade steht längst der Schriftzug einer Versicherung, das Stadion ist umgetauft. Dem Kohlenstoffspezialisten SGL Carbon geht es derzeit geschäftlich nicht gut. Die Schwäche auf dem Stahlmarkt macht dem Unternehmen zu schaffen. Ein Hauptprodukt von SGL kommt in Stahlwerken zum Einsatz. Jetzt denkt der Konzern mit Hauptsitz in Wiesbaden über Standortschließungen und einen Jobabbau nach. Der größte Standort liegt in Meitingen nördlich von Augsburg. Dort arbeiten insgesamt rund 1400 Beschäftigte.

Derzeit gibt es auf dem Weltmarkt ein Überangebot an Stahl, erklärt SGL-Sprecher Andreas Pütz. Durch das nachlassende Wachstum in China drängt billiger chinesischer Stahl auf den Weltmarkt. Die Preise für Eisenerz und Eisenschrott seien historisch niedrig. Davon ist auch SGL betroffen. Das Unternehmen stellt aus Grafit Elektroden her, die in Stahlwerken zum Einsatz kommen. Längst gibt es auf dem Weltmarkt zuviel an Grafitelektroden. Bestellungen werden verschoben, die Preise fallen. SGL steckt deswegen seit Jahren in der Krise. Dies zeigen die neuen Zahlen: Bei einem Umsatz von rund 988,3 Millionen Euro in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres weist SGL unter dem Strich einen Verlust von 105,6 Millionen Euro aus. Bereits in vergangenen Jahren machte SGL Verluste.

SGL Carbon drohen große Einschnitte

Der Konzern steht jetzt vor einem grundlegenden Umbau. Der große Konzernbereich „Performance Products“, in dem die Herstellung der Elektroden erfolgt, soll rechtlich selbstständig werden. SGL drückt jetzt noch stärker aufs Tempo. Statt bis Ende 2016 solle die Abspaltung schon Mitte 2016 erfolgen. Was mit dem Bereich dann passiert, ist noch nicht entschieden, sagt Sprecher Pütz. Die Optionen liegen auf der Hand und reichen von einem Joint Venture über den Verkauf bis zum Börsengang.

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Die Abspaltung trifft auch Meitingen: Teile der Elektroden – die sogenannten Nippel – werden dort hergestellt. In Meitingen sind im Bereich „Performance Products“ aktuell 214 Mitarbeiter tätig. Weitere Schwerpunkte des Standorts sind Forschung und Entwicklung sowie Karbonfasern. SGL ist bekannt als Zulieferer der Karbon-Karosserie des BMW-Elektroautos i3. Die Fasern stellt SGL in den USA her. Hauptaktionärin von SGL ist BMW-Miteigentümerin Susanne Klatten.

Bei SGL drohen neben der Abspaltung des Elektroden-Geschäfts weitere Einschnitte: Der weltweit tätige Kohlenstoffspezialist teilte mit, er prüfe Standortschließungen und einen weiteren Stellenabbau. Welche Werke und wie viel Mitarbeiter betroffen sind und ob sich die Kürzung auf Meitingen auswirkt, stehe nicht fest, sagt Pütz. Die Pläne sollen demnächst fertig sein. Sie würden zuerst mit den Arbeitnehmervertretern diskutiert. Im vergangenen Jahr erzielte SGL 44 Prozent seines Umsatzes im Bereich der Grafitelektroden, rund 26 Prozent mit Grafitmaterialien und über 30 Prozent mit Karbonfasern und anderen Produkten.

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