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Interview

24.12.2020

Kuka-Chef Mohnen: „Jede wegfallende Stelle schmerzt mich“

Kuka-Chef Peter Mohnen hofft, dass Kuka bald wieder wächst.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Kuka-Chef Peter Mohnen hat nach Auftragseinbrüchen über 500 Arbeitsplätze in Augsburg abgebaut. Doch schon 2021 könnte sich die Lage für Kuka verbessern.

Peter Mohnen ist seit zwei Jahren Chef des Augsburger Roboter- und Anlagenbauers Kuka. Das Unternehmen gehört zu knapp 95 Prozent dem chinesischen Haushaltsgeräte-Konzern Midea. Kuka baute angesichts massiver Auftragsrückgänge in Augsburg in den letzten zwei Jahren über 500 Arbeitsplätze ab. Nun sind noch rund 3500 Menschen an dem Standort beschäftigt. Das Gespräch mit dem 52-Jährigen findet vor Heiligabend digital statt. Der Manager sitzt im Homeoffice. Kurz schaut seine kleine Tochter im Arbeitszimmer vorbei und umarmt ihren Vater. Es ist das erste ausführliche Interview, das der Kuka-Chef in diesem Jahr gibt.

Herr Mohnen, wie hart trifft der zweite Lockdown Kuka in Augsburg?

Peter Mohnen: Wir haben als Vorsichtsmaßnahme die Roboterproduktion Anfang Dezember für nur wenige Tage geschlossen. Durch engagierte Mitarbeiter und dank unseres guten Hygiene-Konzeptes ist es uns gelungen, jeden Roboter-Auftrag in Augsburg vor Weihnachten noch abzuarbeiten. Unsere Mitarbeiter schlagen sich unter den aktuell schwierigen Bedingungen hervorragend. Ich bin stolz auf sie. Viele Teams fahren auch jetzt im Lockdown zu Kunden. Denn viele Kunden nutzen die Weihnachtszeit, um bei heruntergefahrener Produktion Umbauten vorzunehmen. Dabei helfen Kuka-Experten vor Ort. Durch den zweiten Lockdown müssen wir in der Summe die Kurzarbeit aber ausweiten.

Wie feiern Sie Weihnachten?

Mohnen: Zuhause mit meiner Familie. Ich freue mich besonders auf Weihnachten, weil das Jahr sehr arbeitsreich war. Soweit es die Corona-Regeln erlauben, werden wir draußen aktiv sein und viel mit den Kindern spielen. Dieses Jahr ist alles wohl etwas anders, aber es kann ja auch schön sein, im engsten Familienkreis zu feiern. Ich genieße es enorm, endlich mal freie Zeit zu haben. Mit anderen Freunden und Verwandten werden wir per Video-Konferenzen feiern. Da haben wir in diesem Jahr ja alle kräftig geübt.

Kuka-Roboter stellen jetzt sogar Schokolade und Pralinen her. Wie schlagen sie sich bei der süßen Arbeit?

Mohnen (lacht): Gut. Die drei weltweit ersten Schokoladen- und Pralinen-Roboter von Kuka stehen in Österreich in der Manufaktur der Firma Zotter. In der Produktion kümmern sich dort zwei unserer Roboter des Typs KR Agilus darum, die flüssige Schokolade in Formen zu bringen, während der dritte Agilus im Besuchergang die Gäste mit der fertigen Schokolade versorgt. Als ich die Bilder der Schoko-Roboter sah, hatte ich die Idee, dass wir bei Zotter als Weihnachtsgeschenk für unsere Mitarbeiter Schokolade bestellen, das haben wir gemacht. Kuka-Roboter haben nun also Schokolade für Kuka-Mitarbeiter hergestellt.

 

Das sind die süßen Seiten ihrer Tätigkeit. Doch es gab viele bittere in den letzten zwei Jahren. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Mohnen: Es ist viel passiert. Es war eine herausfordernde Zeit. Es gab Markteinbrüche, schon vor Corona. Wir mussten Einsparungen vornehmen und leider auch Arbeitsplätze abbauen. Für mich ist Kuka ein besonderes Unternehmen. Ich fühle mich den Mitarbeitern sehr verbunden. Ich bin ja schon knapp neun Jahre Kukaner und will die Firma möglichst stabil durch die Krise steuern und in eine erfolgreiche Zukunft führen. Dabei will ich die einzigartige Kuka-Kultur bewahren.

Und wie fällt dann Ihre Bilanz aus?

Mohnen: Uns ist es trotz aller Herausforderungen, also trotz der Krise der Autoindustrie und trotz der Folgen der Pandemie gelungen, Kuka auf einem stabilen Kurs zu halten. Wir mussten viel ändern, das ist manchmal schwierig. Wir sind aber auf dem richtigen Weg und das Team zieht mit. Wir haben in 2020 mit dem Scara- und dem Delta- Roboter, aber auch verschiedenen digitalen Applikationen, neue Produkte in den Markt gebracht. Gleichzeitig haben wir viele neue Produkte und Lösungen weiter vorangebracht. Wir setzten neue Schwerpunkte, die uns künftig wieder auf den Wachstumspfad zurückbringen werden.

Doch Sie mussten kräftig Jobs abbauen. Wie schwer ist Ihnen das gefallen?

Mohnen: Sehr schwer, keine Frage. Aber wir mussten handeln, haben wir doch allein in diesem Jahr in neun Monaten einen Auftragsrückgang von 440 Millionen Euro verzeichnet. Und schon davor stand unser Markt durch die Auto-Krise angeschlagen da. Wir haben zwar kräftig externe Kosten eingespart. Hier konnten wir einen hohen zweistelligen Millionen-Betrag erzielen. Im Bereich Automotive – und der steht für 50 Prozent unseres Umsatzes -– erwarten wir ein länger anhaltendes Auftragstief bei zusätzlich sehr hohem Margendruck. Das können wir nicht alleine durch Kurzarbeit und andere temporäre Maßnahmen überbrücken. Also müssen wir speziell in davon betroffenen Bereichen leider auch an die Strukturen gehen, Kapazitäten anpassen und so die Zahl der Arbeitsplätze verringern -– übrigens nicht nur in Augsburg. Dabei war es mir besonders wichtig, dass wir erst als letztes Mittel zum Abbau von Stellen greifen. Für mich sind Arbeitsplätze nämlich nicht in erster Linie ein Kostenfaktor. Ich sehe vor allem die Menschen und ihr Knowhow dahinter.

Mussten Sie wirklich so viele Stellen streichen?

Mohnen: Mir kam es bei den notwendigen Kapazitätsanpassungen darauf an, die Balance zwischen notwendigen Einsparungen und dem Aufrechterhalten von Knowhow zu wahren. Ich lehne einen Job-Rundumschlag ab, deshalb werden wir mit Augenmaß vorgehen. Jede wegfallende Stelle schmerzt mich, wir bauen anteilig viel weniger ab, als wir an Auftragsvolumen verloren haben. Denn der Markt für Robotik und Automation wird sich mittelfristig gut entwickeln. Davon bin ich fest überzeugt. Wir sparen nicht nur, wir investieren auch kräftig.

Worauf gründet sich Ihr Optimismus?

Mohnen: Unternehmen werden nach der Krise versuchen, noch effizienter zu arbeiten. Dabei sind wir als Kuka immer Teil der Lösung und nicht Teil des Problems. Und wenn als Lehre etwa aus Corona in vielen Märkten wieder mehr Produkte in den Heimatländern und nicht mehr in billigeren Standorten rund um die Welt hergestellt werden, geht das nicht ohne Automatisierung, also nicht ohne Kuka.

Dann müsste ja der Job-Abbau bei Kuka jetzt zum Stillstand kommen.

Mohnen: Dazu sage ich nur: Wir brauchen das Knowhow der Mitarbeiter für eine sicher wieder bessere Auftragslage nach Corona.

Also bauen Sie keine weiteren Arbeitsplätze ab.

Mohnen: Das muss unser Ziel sein. Das hängt natürlich vom Marktumfeld ab. Unser Auftragsvolumen bestimmt letztlich unsere Arbeitskapazität. Wenn sich unsere Märkte gut entwickeln, wächst Kuka auch wieder. Dann stellen wir wieder Leute ein, was ich mir sehr wünsche. Und ich glaube fest daran, dass sich die Märkte wieder positiv entwickeln.

Roboter des Augsburger Herstellers Kuka helfen in der Industrie, die Produktion zu automatisieren und damit Kosten einzusparen.
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Autos bauen und Bier einschenken: So vielseitig sind Kuka-Roboter
Bild: Ulrich Wagner

Wie entwickeln sich denn die Märkte für Kuka?

Mohnen: Im dritten Quartal haben wir ja mit positiven Tendenzen abgeschlossen, müssen jetzt aber durch den Lockdown wieder einen Rückschlag verkraften. Ich bin aber optimistisch, dass sich Kuka in den nächsten Jahren gut entwickelt, wenn die Märkte sich erholen und wir diese Maßnahmen diszipliniert umsetzen. Kuka konnte zuletzt auch Marktanteile gewinnen. Das macht uns zuversichtlich.

Wo spüren Sie schon jetzt Aufwind?

Mohnen: Unsere Logistiksparte spürt schon jetzt Aufwind, weil natürlich in Pandemie-Zeiten Logistik-Unternehmen, die Waren zu den Kunden bringen, zu den Profiteuren gehören. Auch im Healthcare-Bereich bieten wir für Krankenhäuser Lösungen an, mit denen etwa Medikamente schneller automatisch zu den Patienten kommen, damit das medizinische Personal mehr Zeit hat, sich um Kranke zu kümmern. So lässt sich auch die Zahl menschlicher Fehler verringern: Nach Studien gehen zehn Prozent der Sterbefälle in den USA auf menschlichen Irrtum, also auch die Ausgabe falscher Medikamente zurück. Es gibt viele neue Anwendungsfälle für Roboter. Wir glauben, dass Roboter mobil werden, sodass sie noch besser mit dem Menschen zusammenarbeiten können.

Werden Roboter zu Arbeitskollegen?

Mohnen: Ja, sie werden zu mobilen, flexiblen Assistenten für einfache Aufgaben, die häufig wiederholt werden müssen.

Bekommen Kuka-Roboter jetzt Köpfe mit niedlichen Augen und knuffigen Nasen?

Mohnen (lacht): Nein. Arme und Füße sind das wichtigste. Und Augen im Sinne von optischen Sensoren gibt es schon.

Wann räumt ein solch mobiler Kuka-Roboter die Spülmaschine ein und aus?

Mohnen: Solche Anwendungen im Haushalt beschäftigen uns auf lange Sicht. Doch erst einmal konzentrieren wir uns auf die Industrierobotik. In der jetzigen Situation ist ein Fokus auf profitable und näherliegende Bereiche wichtig.

Und wie geht es im für Kuka existenziellen Autogeschäft weiter?

Mohnen: Der Automobilbereich, der für rund 50 Prozent der Kuka-Umsätze steht, wird drei bis fünf Jahre brauchen, ehe er sich wieder erholt. Generell ist die Lage für unseren Anlagenbau schwieriger als für die Robotik.

Halten Sie am Anlagenbau fest oder verkaufen sie die Sparte irgendwann? Es gab ja immer wieder Gerüchte.

Mohnen: Kuka hält am Anlagenbau fest, das ist ein strategisch wichtiger Teil unseres Unternehmens. Wir können Kunden besser an uns binden, wenn wir ihnen eine breite Produktpalette bieten. Deswegen ist der Anlagenbau für uns sehr wichtig.

Für solche Entscheidung brauchen Sie die Rückendeckung des Midea-Konzerns. Haben die Chinesen noch Geduld mit Kuka, sie sind ja sehr auf ordentliche Gewinne erpicht, die die Kuka derzeit nicht liefert.

Mohnen: Das ist eine Frage an unseren Mehrheitsaktionär. Natürlich hat ein Investor auch finanzielle Interessen. Aber die Welt hat sich nun mal anders entwickelt, als das alle gedacht haben. Und niemand hatte erwartet, dass sich der Robotikmarkt zwei Jahre in Folge negativ gestaltet. Das strapaziert die Geduld von allen Beteiligten. Am Ende hat Midea aber das gleiche Ziel wie wir: Kuka soll erfolgreich sein.

Doch die Geduld chinesischer Eigentümer ist endlich, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Da treten sie dann oft als knallharte Kapitalisten auf und greifen durch.

Mohnen: Viele Investoren – auch Chinesen – sind sehr von wirtschaftlichen Kennzahlen getrieben. Natürlich müssen wir unsere Ergebnisse verbessern. Auch wir sind nicht zufrieden mit einer mageren Rendite. Wir wollen und wir werden auch wachsen und eine höhere Rendite erwirtschaften. Dazu machen wir im neuen Jahr schon einen Schritt nach vorne. Ich glaube, dass die Midea-Verantwortlichen sehen, dass wir bei Kuka vieles verändern und die Dinge in die richtige Richtung entwickeln.

Unter Kuka-Mitarbeitern hält sich hartnäckig die Meinung, die an sich bis 2023 laufende Investoren-Vereinbarung mit Media, die auch eine Garantie der Jobs beinhaltet, sei durch den immer neuen Arbeitsplatzabbau gebrochen worden. Stimmt das?

Mohnen: In dieser Investorenvereinbarung wird das Verhältnis vom Investor zum Vorstand in Augsburg geregelt, nicht die Ebene zwischen Vorstand und Unternehmen. Wir sind unabhängige Vorstände, die das Richtige für Kuka entscheiden müssen. Und wenn uns für das ganze Jahr rund eine halbe Milliarde Euro an Auftragsvolumen fehlt und wir auch noch länger bei der Hälfte unserer Märkte mit Rückgängen rechnen, dann müssen wir darauf reagieren. Da können wir nicht mit einer Investorenvereinbarung argumentieren. Nach der Vereinbarung darf Midea Kuka nicht anweisen, etwa Arbeitsplätze abzubauen. Und das hat Midea auch nicht getan.

Wirklich?

Mohnen: Natürlich, die Entscheidung haben wir als Vorstände in Augsburg mit den Geschäftsführern der Bereiche Robotics und Systems gefällt – und nicht Midea. Die Investorenvereinbarung gilt weiter. Das ist mir sehr wichtig. Das Herz von Kuka schlägt weiter in Augsburg. Und das wird so bleiben. Hier sitzt unser großes Knowhow. Und hier haben wir die Nähe zu den Kunden in Europa.


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26.12.2020

in spätestens 10 Jahren wird es Kuka in Augsburg nicht mehr geben ! dann kommt alles aus Fernost !! ein Paar geldgierige haben alles schnell verkauft und die Berliner Regierung war wider einmal im Tiefschlaf !! von dehnen hört man immer nur den schönen Spruch über der freiwilligen Selbstkontrolle , lach , an die sich aber niemand hält !!

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