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Augsburg

11.08.2019

Kuka holt sich als Technikvorstand einen Mann, der mit China kann

Kuka hat sich als CTO einen Mann gesucht, der viele Wünsche und Ansprüche des Unternehmens in seiner Person vereinigt.
Bild: René Lauer (Archiv)

Plus Lange wurde bei Kuka nach einem Technik-Spitzenmann gesucht. Warum sich Peter Hofmann gegen andere Kandidaten durchsetzen konnte.

Kuka kann nach unruhigen Monaten wieder eine Erfolgsmeldung vorweisen: Die Verpflichtung von Professor Peter Hofmann als Technikvorstand ab 1. November sei unter den Mitarbeitern gut angekommen, heißt es am Sonntag aus Unternehmenskreisen. Die Fahndung nach dem CTO, also Chief Technology Officer, gestaltete sich in den letzten Wochen schwierig. Denn die Verantwortlichen des Maschinenbauers setzen große Erwartungen in den neuen Manager, was die Suche für die beauftragten Headhunter erschwerte. Der künftige dritte Kuka-Vorstand musste nach Recherchen unserer Redaktion eine lange Liste an Kriterien erfüllen, sodass es in Augsburg schon scherzhaft hieß, das Unternehmen versuche mit der Personalie die Quadratur des Kreises zu erreichen.

Kuka-Chef Mohnen macht das, was sein Vorgänger versäumt hat

Demnach sollte das neue Mitglied des Führungszirkels sich bestens mit dem Vorstandsvorsitzenden Peter Mohnen, dem früheren Finanzchef des Unternehmens, und Andreas Pabst, dem Nachfolger Mohnens in der Funktion, verstehen. Ein solcher CTO war bereits lange bei Kuka im Gespräch. Nach Informationen unserer Redaktion hatten einflussreiche Kreise bei dem Roboterbauer auch Mohnens von den Chinesen geschassten Vorgänger Till Reuter immer wieder nahelegt, sich einen solch starken Experten an seine Seite zu holen. Mohnen setzt um, was der gelernte Jurist und Investmentbanker Reuter – wie Insider noch heute kritisch anmerken – versäumt habe. Der aktuelle Kuka-Chef traut sich damit, einen starken Mann wie Hofmann, also einen Experten mit technischem Sachverstand, an seine Seite zu holen. So ein Schritt setzt auch immer die Bereitschaft voraus, Macht zu teilen, also auch Verantwortung zu delegieren.

Professor Peter Hofmann ist der neue Technikvorstand bei Kuka.
Bild: Kuka

Dass Hofmann, Jahrgang 1964, zu Mohnen und Pabst zu passen scheint, hat mit einem weiteren Anforderungskriterium an ihn zu tun: Denn Kuka gilt zwar mit rund 14.200 Mitarbeitern und gut 3,2 Milliarden Euro Umsatz als Konzern, die Mentalität ist aber mittelständisch geprägt. Auf der Suche nach „Mister X“ für den Vorstand war ein Manager gefragt, der beide Welten kennt: die der Konzerne und die des Mittelstands. Dabei sollte der Technik-Chef auf ausdrücklichen Wunsch der Arbeitnehmervertreter auch geerdet sein, also durchaus basisorientiert und ein wenig hemdsärmelig. Erfahrung muss er auch mitbringen und dabei lieber anpacken und auch umsetzen, als nur mit Visionen zu punkten.

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Der Kreis möglicher Kandidaten – das zeigt das ausladende Anforderungsprofil – wurde immer kleiner. Dass die Wahl unter mehreren Bewerbern in der Endrunde dann auf Hofmann fiel, hat er auch seiner Flexibilität zu verdanken. Er kann nämlich beides: Konzern und Mittelstand. Der im baden-württembergischen Tuttlingen geborene Mann hat nach seinen Studien der Luft- und Raumfahrt sowie der Informatik lange bei Daimler als Entwicklungsingenieur geschafft, wie es in Stuttgart heißt.

Kuka-CTO Hofmann hat Verbindungen nach China

Danach führte Hofmann der Weg in die Automatisierungstechnik, zunächst zum mittelständisch geprägten Familienunternehmen Bürkert. Hier war Hofmann als Technikchef für die Entwicklung von Steuerungs- und Regelungskomponenten verantwortlich. Bürkert ist mit mehr als 2800 Mitarbeitern weltweit aktiv. Das Unternehmen aus dem im Nordosten Baden-Württembergs gelegenen Ingelfingen hat eine Exportquote von 70,2 Prozent.

Bürkert ist ebenso in China tätig wie die beiden weiteren Arbeitgeber, die in Hofmanns Karriere vor seinem Sprung zu Kuka folgen sollten: Von 2010 bis 2017 war er für den Esslinger Automatisierungsspezialisten Festo tätig: Das Familienunternehmen mit mehr als 21.200 Mitarbeitern spielt in der Kuka-Klasse mit und gilt als deutsche Hightech-Perle. Danach ging es – wie berichtet – zum Hersteller von Abfüll- und Verpackungsanlagen Krones nach Neutraubling bei Regensburg. Das wie Kuka börsennotierte Unternehmen mit gut 17.100 Beschäftigten musste zuletzt einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen. Die Firma genießt als Arbeitgeber einen guten Ruf in China und wurde einst von der Bertelsmann Stiftung und der deutschen Handelskammer Shanghai für ihr soziales Engagement, insbesondere auf dem Gebiet der Qualifizierung von Mitarbeitern, in dem Riesenreich ausgezeichnet.

Hofmanns bisherige Arbeitgeber unterhalten also allesamt beste Beziehungen zu China. Auch über ihn heißt es in Industriekreisen: „Er ist der Mann, der mit China kann.“ Das ist bei dem Roboterbauer von Vorteil, stammt doch mit dem Haushaltsgerätehersteller Midea der mit 94,6 Prozent bestimmende Aktionär aus dem asiatischen Land. Doch der künftige Kuka-CTO muss noch mehr können: Es wurde nach einem Spezialisten mit wissenschaftlicher Expertise gesucht, der durchsetzungsstark ist. Hier lichten sich im Top-Management die Reihen erheblich und auch ein Mann aus der zweiten Reihe wie Hofmann bekommt eine Vorstands-Chance. Jedenfalls erfüllt der Manager nach Meinung der Verantwortlichen, die ihn zu Kuka geholt haben, beides: Forschungskompetenz und Umsetzungsfähigkeit.

Hofmann wurde 2003 von der TU Dresden als Honorarprofessor für mechatronische Systeme im Automobil berufen. Gleichermaßen eilt ihm der Ruf voraus, Tempo für die Umsetzungen von Innovationen zu machen. Daran haperte es nach Informationen aus Branchenkreisen in den vergangenen Jahren bei Kuka. Es lastet also ein hoher Erwartungsdruck auf den neuen Kuka-Vorstand. Im sozialen Netzwerk Linkedin wirbt Hofmann für sich mit dem Motto: „Verstehen, Strukturieren, Innovieren.“ Das sind alles Künste, die bei der Kuka AG gefragt sind.

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