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Lebensmittelpreise
15.05.2021

Getreidehändler beobachten "historische Preissteigerung"

Schlechtes Wetter und Fehlernten drücken laut Experten Getreidepreise gewaltig nach oben. Die Preissteigerungen könnten wir bald beim Einkauf in unserem Geldbeutel spüren.
Foto: Jens Kalaene, dpa

Schlechtes Wetter, Fehlernten, geringere Anbaumengen und gesteigerte Nachfrage lassen die Getreidepreise explodieren. Was das für unsere Lebensmittel bedeutet.

Getreideexperten beobachten "teilweise historische Preisausschläge" bei Getreide, Mais und Ölsaaten wie Raps - möglicherweise mit Folgen für die Verbraucher.

"Wenn sich die Preise noch eine Weile so halten für Pflanzenöle und für Getreide, dann wird sich das innerhalb einiger Monate sicherlich in den Lebensmittelpreisen auch im Supermarkt niederschlagen", sagte der Vorstandsvorsitzende des Vereins der Getreidehändler der Hamburger Börse, Thorsten Tiedemann, der Deutschen Presse-Agentur

Zwar haben Rohstoffpreise bei Backwaren nur einen geringen Anteil am Verkaufspreis. "Aber die Fleischproduktion wird sicherlich teurer werden durch Futter", sagte Tiedemann. Auch bei Produkten wie Mehl und Pflanzenöl dürfte der Weltmarkttrend nach seiner Einschätzung auf die Verbraucherpreise durchschlagen.

FAO-Preisindex für Nahrungsmittel liegt 31 Prozent über Vorjahreswert

Die Welternährungsorganisation FAO beobachtet seit geraumer Zeit steigende Preise bei praktisch allen Agrarrohstoffen. Unter dem Strich lag der FAO-Preisindex für Nahrungsmittel nach jüngsten Daten im April 31 Prozent über dem Vorjahreswert, nach elf monatlichen Anstiegen in Folge sei inzwischen der höchste Stand seit sieben Jahren erreicht. Besonders ausgeprägt ist der Trend bei Ölsaaten, wo das Preisniveau gegenüber April 2020 inzwischen doppelte Höhe erreicht hat. Befeuert wird diese Entwicklung aus Sicht der FAO auch von der Nachfrage der Hersteller von Biokraftstoffen. 

"Erwartet hat man schon lange, dass irgendwas passieren wird in den Preisen aufgrund der hohen Liquidität und auch teilweise aufgrund der Engpässe, die in der Wirtschaft entstehen durch Corona-Einschränkungen", sagte Tiedemann. Nach einer "ganz komfortablen Angebots- und Nachfragesituation im Getreide- und Ölsaatenmarkt" sei nun "durch ein paar schlechtere Ernten mit einhergehendem Bestandsabbau etwas aus den Fugen geraten".

Ernteausfälle drücken auf Getreidepreis

Hinzu komme, dass in Regionen mit stärkerem Wachstum nach der Corona-Rezession die Nachfrage anziehe. "Dann kommen noch ein paar Wettermeldungen hinzu, in Brasilien laufen wir auf eine relativ schlechte Ernte hinaus, und dann gehen die Märkte natürlich sehr stark nach oben." 

Besorgt äußerte sich Tiedemann darüber, dass die Selbstversorgung Deutschlands bei Agrarrohstoffen abnehme. Im Getreidewirtschaftsjahr sei Deutschland auf einen Nettoexport von rund zwei Millionen Tonnen gekommen. "Das sind nicht mal fünf Prozent der gesamten Getreideproduktion, die wir hier übrig haben." In früheren Jahren seien "auch schon mal netto sieben bis zehn Millionen Tonnen" exportiert worden. 

Der Hamburger Hafen ist die zentrale Drehscheibe für den Getreidehandel in Nordeuropa. Der Verein der Getreidehändler sieht sich seit über 150 Jahren als offizielles Sprachrohr des internationalen Handels mit Getreide, Ölsaaten, Futtermitteln, Hülsenfrüchten, Fischmehl und Speisesaaten. (dpa)

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