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Leuchtenhersteller
22.08.2019

Bieterschlacht um Osram: Wie geht es den Mitarbeitern?

AMS konkurriert mit den beiden US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle um die Übernahme des Beleuchtungsherstellers Osram.
Foto: Matthias Balk, dpa

Zwei Interessenten buhlen um Osram. Die einen wollen 35 Euro pro Aktien zahlen, die anderen 38,50 Euro. Von der Entscheidung der Aktionäre hängt viel ab.

Am Ende könnten 3,50 Euro über die Zukunft von 26.500 Menschen entscheiden. So viele Mitarbeiter beschäftigt der Münchner Licht-Konzern Osram. Und 3,50 Euro pro Aktie beträgt der Unterschied zwischen zwei Übernahmeangeboten, die für das Traditionsunternehmen vorliegen.

Auf der einen Seite stehen die US-Investoren Bain Capital und Carlyle. Sie bieten 35 Euro Aktie. Dazu Standort- und Jobgarantien. Anfang Juli waren Osram-Vorstand und die Gewerkschaft damit einverstanden. Und die Geschichte hätte erzählt sein können: US-Investoren kaufen Osram. Doch stattdessen hat sich eine Bieterschlacht um den 110 Jahre alten Konzern entsponnen.

Inzwischen mischt ein zweiter Interessent mit: der österreichische Sensorhersteller AMS – bisher ein Konkurrent von Osram. Sehr zum Missfallen der Gewerkschaft. Am Mittwochabend haben der Osram-Vorstand und die Österreicher einen Kooperationsvertrag unterschrieben. AMS will pro Aktie 38,50 Euro bieten. Also 3,50 Euro mehr die US-Investoren. Die Aktionäre hätten nun also die Wahl.

Was bedeutet die Bieterschlacht für die Osram-Beschäftigten?

Ganz so schnell geht es nicht. Bevor irgendein Aktionär sich entscheiden kann, muss die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht – kurz Bafin – dem Angebot der Österreicher zustimmen. Osram-Vorstandschef Olaf Berlien rechnet aber damit, dass das sehr schnell gehen werden. Denn die Frist für das Angebot von Bain Capital und Carlyle läuft am 5. September aus. Sollte die Bafin mit dem Angebot aus Österreich einverstanden sein, würde sich der Zeitraum auf das Ablaufdatum des AMS-Angebots verlängern. Also vermutlich bis Ende September, Anfang Oktober. Was die Lage noch spannender macht: Bain Capital und Carlyle könnten ihr Angebot jederzeit erhöhen. Anfang der Woche hatte es Berichte gegeben, die in diese Richtung deuteten. "Ich schätze, dass wir in den ersten Oktoberwochen wissen, wo wir stehen", sagt Berlien.

Die Frage ist nur: Was bedeutet die Bieterschlacht für die Osram-Beschäftigten? Die US-Investoren hatten Zugeständnisse gemacht. AMS genauso, sagt Berlien. Für mindestens fünf Jahre nach der Übernahme seien die Arbeitsplätze sicher, sagt er. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte AMS-Finanzchef Michael Wachsler-Markowitsch allerdings: "Da wird es am Ende des Tages zu einem Mitarbeiterabbau kommen müssen."

Auch darüber hinaus gibt es zwischen den Firmenspitzen Ungereimtheiten. Sie können sich etwa nicht einigen, wie es mit der Digital-Sparte der Münchner weitergehen soll. Osram hatte sie erst vor knapp einem Jahr gegründet und darin verschiedene Geschäftsbereiche gebündelt.

Auf diesem Gebiet, sagt Berlien, habe AMS wenig Erfahrung. Und die Zeit, die die Österreicher hatten, um sich tiefer in die Osram-Geschäfte einzuarbeiten, war knapp. Genau das kritisiert die IG Metall. AMS sei zu klein, um die Komplexität des Osram-Konzerns zu verstehen. "David will Goliath übernehmen und lehnt dabei belastbare Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung ab", sagt Irene Schulz, Vorstandsmitglied der IG Metall.

Osram-Mitarbeiter in Schwabmünchen "fühlen große Ungewissheit"

Wie sich die Aktionäre entscheiden werden, ist noch offen. Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung von Wertpapierbesitz, sagt: "Ich würde allen Aktionären raten, das Angebot von AMS abzuwarten und die beiden Vorschläge zu prüfen." Der größte Einzelaktionär von Osram, die Finanztochter der Allianz, Allianz Global Investors, möchte die Neuerungen noch nicht kommentieren. Sie hatte zuvor deutlich gemacht: Das Angebot von Bain Capital und Carlyle ist zu niedrig. Genauso hatte auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger argumentiert.

Daniel Bauer, Vorstandsvorsitzender der SDK, sagt: "Was die unternehmerische Strategie angeht, dürfte das AMS-Konzept überzeugender sein, da man sich noch stärker auf Zukunftsprodukte konzentrieren würde." Dennoch könne er die Bedenken der Gewerkschaft verstehen. "Daher wäre es sicher sinnvoller, anstatt ein reines Barangebot ein kombiniertes Angebot aus Aktien der AMS und einer Barzahlung zu machen."

Und was sagt die Belegschaft – etwa in Schwabmünchen? Ihnen gehe es nicht besonders gut, berichtet Angela Steinecker von der IG Metall Augsburg. "Diejenigen, die nicht in Betriebsurlaub sind, fühlen eine große Ungewissheit und sind gespannt, was die Zukunft bringt."

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