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Lufthansa
30.11.2016

Pilotenstreik geht weiter und sorgt nicht nur bei Kunden für Ärger

Der Streik geht weiter: Reisende warten vor einem Schalter der Lufthansa auf dem Flughafen in München.
Foto: Matthias Balk (dpa)

Der Dauerstreik der Lufthansa-Piloten führt nicht nur bei Kunden zu Unmut. Auch in Teilen der Belegschaft wächst der Ärger. Einige wollen gegen die Piloten demonstrieren.

Die Pilotenstreiks bei der Lufthansa gehen am Mittwoch weiter. Nach Angaben der Airline sind für diesen Tag 890 Verbindungen mit 98.000 Passagieren gestrichen. Flüge der Töchter Eurowings und Germanwings sowie der Konzerngesellschaften AUA, Swiss, Brussels und Air Dolomiti sind erneut nicht betroffen. Die Fluggesellschaft hatte am Montagabend ihren Versuch aufgegeben, die Ausstände noch vor Gericht stoppen zu wollen. 

Ob es bald zu weiteren Arbeitsniederlegungen kommt, blieb zunächst offen. Weitere Streiks sind nach Angaben des VC-Sprechers Jörg Handwerg jederzeit mit einem Vorlauf von 24 Stunden möglich.

Nach einem Bericht der Bild-Zeitung macht sich bei der Lufthansa bereits ein Buchungsrückgang bemerkbar. Unter Berufung auf Unternehmenskreise und Kreise der Vereinigung Cockpit (VC) berichtet die Bild-Zeitung über Rückmeldungen aus dem Lufthansa-Management, wonach die Buchungsrückgänge "deutlich spürbar sind". Nach Angaben des Blattes liegen die Kosten des Piloten-Streiks für die Lufthansa mittlerweile bei rund 15 Millionen Euro pro Tag. Der vergangenen Woche begonnene Ausstand habe damit schon Kosten von rund 75 Millionen Euro verursacht.

Im zugespitzten Arbeitskampf bei der Lufthansa kommt es zu einem öffentlichen Kräftemessen zwischen den streikenden Piloten und Teilen der übrigen Belegschaft. Für diesen Mittwoch haben sowohl die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) als auch der Betriebsrat des Frankfurter Bodenpersonals zu entgegengesetzten Demonstrationen vor der Lufthansa-Unternehmenszentrale aufgerufen.

Der Boden-Betriebsrat will den Streik schnell beenden

Der Boden-Betriebsrat Frankfurt fordert in seinem Aufruf ein schnelles Ende des "zerstörerischen Streits" und verlangt von der VC, in eine Schlichtung einzuwilligen. Die Durchsetzung von Partikularinteressen gehe auf Kosten aller anderen Kollegen. "Vielmehr muss es darum gehen, den notwendigen Konzernumbau im Sinne aller Lufthanseaten konstruktiv und in die Zukunft gerichtet zu begleiten. Tarifforderungen müssen sich den realen Marktbedingungen stellen", heißt es in dem nicht namentlich unterzeichneten Aufruf. 

Der Streik der Piloten wird von Teilen der Lufthansa-Belegschaft als zunehmende Bedrohung für das Unternehmen wahrgenommen. "Was immer die Piloten herausholen, muss am Ende des Tages an anderen Stellen im Unternehmen gegenfinanziert werden", sagte das Mitglied des Lufthansa-Betriebsrates Frankfurt Boden, Ruediger Fell, der Deutschen Presse-Agentur. 

"Es herrscht große Angst um die Unternehmenszukunft am Boden, bei der Technik und der Cargo", sagte das Betriebsratsmitglied, das sich der nicht-gewerkschaftlichen "Vereinigung Boden" zugehörig fühlt. Die Piloten nähmen mit ihren fortgesetzten Streiks die Lufthansa- Mitarbeiter ebenso in Geiselhaft wie die Passagiere. Bei Lufthansa gebe es eine schweigende Mehrheit, die von den Streiks die Nase voll hätten. 

Die Kabinengewerkschaft Ufo distanzierte sich ausdrücklich von der Demonstration gegen die Piloten. Der Aufruf sei ein "bitteres Armutszeugnis" für das Gremium, erklärte Ufo-Tarifvorstand Nicoley Baublies. Verdi distanzierte sich ebenfalls. "Wir halten die Demonstration für falsch und haben unsere Mitglieder aufgefordert, daran nicht teilzunehmen", sagte Bundesvorstandsmitglied Christine Behle der Deutschen Presse-Agentur. Die Verdi-Vertreter im Betriebsrat hätten sich ausdrücklich gegen die Aktion gewendet.   

Die VC hat auch für den Mittwoch ihre Mitglieder zu Arbeitsniederlegungen auf allen Lufthansa-Strecken aufgerufen. Erneut hat die Lufthansa in einem Sonderflugplan 890 Verbindungen mit 98 000 betroffenen Passagieren gestrichen. Weitere Streiks sind nach Angaben des VC-Sprechers Jörg Handwerg jederzeit mit einem Vorlauf von 24 Stunden möglich. Bislang sind laut Lufthansa an den sechs Streiktagen seit vergangenem Mittwoch mehr als 525 000 Passagiere von insgesamt 4461 Flugausfällen betroffen.

Streik bei der Lufthansa: Streit um Gehälter von 5400 Piloten

Lufthansa und Cockpit streiten im Moment um die Gehälter von rund 5400 Piloten der Lufthansa, Lufthansa Cargo und der Tochter Germanwings. Die VC verlangt für einen Zeitraum von fünf Jahren Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent bis April 2017. Lufthansa hatte für einen noch längeren Zeitraum 2,5 Prozent angeboten. Bei der Lösung weiterer offener Tariffragen lautete die Offerte 4,4 Prozent plus einer Einmalzahlung von 1,8 Monatsgehältern. 

VC-Sprecher Jörg Handwerg lehnte eine Vermengung der verschiedenen Tarifthemen ab. Zur Frage der Übergangsversorgung habe man mit der Lufthansa erste Verhandlungstermine vereinbart. Scheitern auch diese Gespräche, wären für dieses Thema neue Streiks möglich, weil bereits eine Urabstimmung der VC-Mitglieder dazu vorliegt. Es sei auch falsch, dass die VC Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen des Konzerns im Zusammenhang mit dem Ausbau des Billigangebots nehmen wolle. "Wir wollen die Eurowings nicht verhindern", sagte Handwerg. 

Am Montagabend war Lufthansa erneut damit gescheitert, die Streiks vor Gericht stoppen zu lassen. Am Dienstag fielen dann erneut 816 Kurzstreckenverbindungen wegen des Streiks aus.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) forderte zusätzliche Regeln für den öffentlichen Luftverkehr. Dem letzten Mittel des Streiks müsse zwingend eine Schlichtung vorgeschaltet werden, erklärte der Verband in Berlin. "Nur so lässt sich im Luftverkehr die friedensstiftende Kraft der Tarifautonomie wieder zurückgewinnen", sagt BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow. Man halte zudem längere Ankündigungsfristen, die Vereinbarung einer Notversorgung sowie die Verpflichtung zur Urabstimmung für erforderlich. 

Auch der Flughafenverband ADV verlangte neue Regeln für Arbeitskämpfe an unverzichtbaren Verkehrsinfrastrukturen. "Klientelgewerkschaften haben durch Ihre Maßlosigkeit jegliche Bodenhaftung verloren. Der Schaden geht weit über Airlines und Flughäfen hinaus und trifft mittlerweile die gesamte Volkswirtschaft. Das Vertrauen in den deutschen Luftverkehrsstandort wird zunehmend beeinträchtigt", erklärte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. dpa/AZ

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