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11.03.2009

Lufthansa tritt auf die Kostenbremse

Lufthansa tritt auf die Kostenbremse
Bild: DPA

Frankfurt (dpa) - Die Lufthansa tritt angesichts der weltwirtschaftlichen "Rüttelstrecke" kräftig auf die Kostenbremse. Nach am Mittwoch in Frankfurt vorgestellten Plänen will die Fluggesellschaft mit einem geringeren Angebot von Plätzen und Frachträumen auf die weltweit sinkende Nachfrage reagieren.

Die Lufthansa hat nach eigenen Angaben bereits 24 Maschinen stillgelegt, plant weitere Kurzarbeit und will im Einkauf dreistellige Millionenbeträge einsparen. Der stark gesunkene Ölpreis und die geringeren Strecken sollen den Treibstoffaufwand im laufenden Jahr um 2,2 Milliarden auf 3,2 Milliarden Euro senken, kündigte Finanzvorstand Stephan Gemkow an. Auch mittelfristig sei mit niedrigen Treibstoffpreisen zu rechnen.

Für das laufende, äußerst schwierige Jahr rechnet der Konzern mit sinkenden Umsätzen und Gewinnen. Der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Mayrhuber lehnte ein konkrete Prognose wegen der weltwirtschaftlichen Unsicherheiten ab. Das Ergebnis werde zwar deutlich positiv sein, aber unter dem des Vorjahres liegen, sagte er. Der nach eigenen Angaben profitabelste Netzwerk-Carrier Europas prüfe weiterhin sinnvolle Partnerschaften und Zukäufe. "Wir sind jederzeit startbereit, wenn der Luftverkehr wieder zu wachsen beginnt."

Im Krisenjahr 2008 flog die größte deutsche Fluggesellschaft mit 1,35 Milliarden Euro den zweithöchsten operativen Gewinn ihrer Geschichte ein. Der Reingewinn ging um 63,8 Prozent auf 599 Millionen Euro zurück. Im Vorjahr hatte unter anderem der Verkauf der Beteiligung am Reiseveranstalter Thomas Cook den Gewinn kräftig nach oben getrieben.

Lufthansa tritt auf die Kostenbremse

Der Umsatz kletterte 2008 - bedingt auch durch die vollständige Übernahme der Schweizer Tochter Swiss - um 10,9 Prozent auf fast 24,9 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen im Konzern 70,5 Millionen Passagiere befördert, so viele wie nie zuvor in der Firmengeschichte. Der Frachtumsatz stieg um 6,3 Prozent. Überproportional wuchs das Passagiergeschäft nach Afrika und in den Nahen Osten. Der Vorstand schlug eine Kürzung der Dividende von zuvor 1,25 Euro auf das 2007er-Niveau von 70 Cent vor.

Der Vorstand kündigte ein weiterhin striktes Kostenmanagement und Kapazitätsanpassungen an. Der Konzerneinkauf solle neu aufgestellt werden, was erhebliche Einsparpotenziale in dreistelliger Millionenhöhe bringen werde, sagte Gemkow. Auch das Immobilienmanagement solle verbessert werden. Kurzarbeit sei für weitere Konzernbereiche möglich. Bislang ist die Arbeitszeit vor allem bei der Frachttochter Cargo und einem Callcenter in Dublin reduziert worden. Die Lufthansa lässt auch die Arbeitszeitkonten der Mitarbeiter ins Minus laufen.

Mayrhuber bestätigte die Stilllegung von bislang 20 Passagiermaschinen zusätzlich zu den bereits bekannten vier Fracht- Jets. Das Angebot solle weiterhin konsequent der Nachfrage angepasst werden. Die Planzahl lautet 0,5 Prozent weniger als 2008. Dazu gehört auch die Verkleinerung der Business-Klassen auf vielen Verbindungen. Daraus ergebe sich automatisch ein vergrößertes Angebot von Economy-Sitzplätzen. Die First Class bleibe unverändert im Angebot. Im laufenden Jahr will das Unternehmen 51 Flugzeuge neu in Dienst stellen. Nicht dabei sind die ersten beiden Großraumflieger vom Typ A 380, die wegen Produktionsproblemen bei Airbus erst 2010 abgeliefert werden können.

Neue Übernahmekandidaten nannte Mayrhuber nicht. Die aktuellen Schwierigkeiten der österreichischen AUA haben die Lufthansa bislang nicht von ihren Übernahmeplänen abhalten können. Die Bedingungen der Lufthansa könnten und müssten erfüllt werden, dann sei man dazu auch weiterhin bereit, erklärte Mayrhuber. Die AUA hatte am Mittwoch Kurzarbeit für etwa ein Drittel seiner Belegschaft angekündigt.

Der Lufthansa-Chef begrüßte die Pläne der EU, wegen der Krise nicht genutzte Start- und Landezeiten nicht sofort für Wettbewerber freizugeben. Eine sofortige Weitergabe könne zu einer Enteignung der europäischen Luftfahrtindustrie führen, warnte Mayrhuber. Er begrüße daher die Maßnahme, solange sie vorübergehend bleibe.

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