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Verkehr

12.06.2018

Magistrale von Paris nach Budapest: In Bayern hinkt die Bahn hinterher

Rund 14 Stunden dauert heute eine Bahnfahrt auf der rund 1500 Kilometer langen Strecke von Paris bis Budapest. Weitere Aus- und Neubauten sollen die Fahrzeit deutlich verkürzen.
Bild: Marcus Merk (Symbolfoto)

Städte, Regionen und Wirtschaft erhöhen den Druck für den Ausbau der europäischen Magistrale Paris–Budapest.

Sie hängen wie Perlen an einer Kette: 18 Städte zwischen Paris und Budapest. Mittendrin: Ulm und Augsburg. Das Ziel, das sie seit mehr als 25 Jahren gemeinsam verfolgen: Eine schnelle und leistungsfähige Bahnverbindung mitten in Europa. Mit einer „Augsburger Erklärung“ macht die „Initiative Magistrale für Europa“, der neben elf der Städte auch acht Regionen und fünf Wirtschaftskammern angehören, nun Druck insbesondere auf die Bahn, dass es hier nicht zu Engpässen kommt.

„China hat die Seidenstraße wieder entdeckt, wir haben unsere Magistrale“, sagt der Vorsitzende der Initiative, Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD), am Rande einer Tagung der Initiative in Augsburg. Und die soll „zügig“ ausgebaut werden, ergänzt der Präsident der IHK Schwaben, Andreas Kopton: „Wir brauchen eine schnelle Lösung.“ Mentrup betont die europäische Dimension. Die Magistrale halte Ost und West zusammen.

Günzburg soll eingebunden werden

Es klemmt aber vor allem auf bayerischem Boden. Wie etwa soll die Strecke zwischen Neu-Ulm und Augsburg neu oder ausgebaut werden, um die Fahrzeit von 44 auf 30 Minuten zu verkürzen? Was muss investiert werden, damit die Hochgeschwindigkeitsstrecke „nicht zu Lasten des Nahverkehrs“ geht, wie Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU), betont? Hier beginnen gerade mal die vorbereitenden Planungen. Immerhin will die Bahn noch vor der Sommerpause über den Ablauf des Verfahrens informieren. Im Gespräch sind zwei Varianten: Eine Modernisierung der bestehenden Strecke oder ein Neubau weitgehend parallel zur Autobahn A 8. Letztere Variante wäre in etwa vergleichbar mit der Neubaustrecke Stuttgart–Ulm, deren Bau voranschreitet und die schon 2022 fertig sein könnte. In der Augsburger Erklärung wird betont, dass bei einem Neubau der Strecke aber auch der Günzburger Bahnhof eingebunden werden muss, um hier das Angebot mit Fernverkehrszügen noch zu stärken.

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Das zweite Nadelöhr in Bayern für eine Schnellstrecke zwischen Paris und Budapest liegt östlich von München. Auch hier fordert die Magistralen-Initiative den vollständigen zweigleisigen Ausbau, die Elektrifizierung und Beschleunigung der Strecke über Mühldorf und Freilassing nach Salzburg.

Allein zwischen Augsburg und Ulm kostet es zwei Milliarden Euro

Aussagen über einen möglichen Zeitraum der Realisierung der beiden Milliardenprojekte – allein zwischen Ulm und Augsburg rechnet man mit Ausgaben von zwei Milliarden Euro – will keiner der Magistralen-Vertreter machen. Aber alle betonen die wirtschaftliche Bedeutung für die an der Magistrale liegenden Regionen. Das Karlsruher Verkehrsplanungsinstitut Ramboli beziffert den volkswirtschaftlichen Nutzen des Ausbaus der noch fehlenden Abschnitte zwischen Straßburg und Wien auf jährlich 720 Millionen Euro. Er resultiere vor allem aus dem Wert der Fahrzeitverkürzung sowie den ökologischen Entlastungen. Diese ergeben sich durch die geschätzte Verlagerung von 1,6 Millionen Personen-Fahrten pro Jahr von Pkw und Flugzeug in die Bahn sowie von 200.000 Lkw-Ladungen auf die Schiene. Mentrup nennt ein Beispiel, wie das funktioniert: Seitdem TGV und ICE für die 500 Kilometer von Paris nach Stuttgart nur noch drei Stunden und zehn Minuten brauchen, sei der Marktanteil der Bahn auf dieser Strecke gegenüber dem Konkurrenten Flugzeug auf 70 Prozent gestiegen.

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