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Gesundheit

29.08.2020

Materialmangel bremst Labore bei Corona-Tests

Um zigtausende Corona-Tests analysieren zu können, brauchen die Labore Reagenzien und Materialien. Doch die werden knapp.
Bild: Peter Steffen, dpa

Plus Der Nachweis von Covid-19 gelingt meist mithilfe sogenannter PCR-Tests. In Deutschland kümmern sich knapp 250 Labore darum. Doch die klagen über Probleme.

In Bayern bleiben Corona-Tests für Urlauber mindestens bis Oktober kostenfrei. Das hat Ministerpräsident Markus Söder ( CSU) nach den Beratungen der Länder mit der Bundesregierung bekannt gegeben. Doch auch im Freistaat bringen die großflächigen Tests die zuständigen Labore an die Grenzen ihrer Kapazitäten. Das liegt nicht allein an personellen Engpässen – die Probleme beginnen bereits früher.

Tageweise gibt es für Labore kein Material für Corona-Tests

Gabriele Schön, Geschäftsführerin und technische Laborleitung des Unternehmens "Labor Augsburg MVZ" sieht ihre Branche mit großen Herausforderungen konfrontiert. Sie erklärt: "Das Problem sind nicht Personal- oder Gerätekapazitäten. Es sind Materialien, die fehlen. Und zwar in großem Maßstab." Dabei gehe es um Zubehör wie sterile Plastikteile, ohne die Virusproben nicht untersucht werden könnten. Laut der Geschäftsführerin betrifft der Materialmangel nicht nur ihr Unternehmen, sondern die gesamte Branche. "Tageweise erhalten wir kein Material – ohne vorherigen Anruf." So könne man keine Corona-Proben auswerten.

Ein Test läuft, stark vereinfacht, wie folgt ab: In automatisierten Arbeitsschritten wird eine Virusprobe in ein sogenanntes PCR-Gerät geschickt. Dort wird das in der Probe enthaltene Erbmaterial vermehrt, extrahiert und durch spezielle Farbstoffe kenntlich gemacht. Das bedeutet, es wird auf die Virus-Gene getestet. Nach etwa fünf Stunden liegt ein Ergebnis vor. Für die Untersuchungen sind sterile Plastikbehältnisse unerlässlich.

Bereits in der "heißen Phase" während des Shutdowns seien diese Probleme aufgetreten, erklärt Schön. Nun erlebe man es seit etwa zwei Wochen erneut. Ihr Labor arbeite werktags in drei Schichten und auch am Wochenende, so habe MVZ vergangene Woche 25.000 Virusproben pro Tag auswerten können, allein im Augsburger Labor.

Die großflächigen Tests, wie hier an einem Corona-Testzentrum an der Autobahn 8 (A8) an der Rastanlage Hochfelln-Nord, bringen die Labore an ihre Kapazitätsgrenzen.
Bild: Sven Hoppe, dpa

Verband klagt über Rückstau bei Corona-Tests: Große Zahl an Laboren ist überlastet

Die Fertigungsstraßen für die sterilen Test-Materialien liegen laut Schön heutzutage meist in "Übersee". Eine solche hierzulande aufzubauen wäre "höchst zeitintensiv". Schön sagt, Verzögerungen bei Auswertungen aufgrund des Materialmangels ließen sich so nicht mehr vermeiden, das sei der Politik auch bekannt. "Konkrete Lösungsansätze sind derzeit aber nicht absehbar."

Auch der Verbund der Akkreditierten Labore für Medizin (AML) mahnt. Seine Mitglieder führen nach eigenen Angaben rund 85 Prozent aller Corona-Tests in der Bundesrepublik durch. Eine Anfrage unserer Redaktion bei ALM konnte bis Freitagnachmittag nicht beantwortet werden. Gegenüber dem NDR äußerte sich Labormediziner und ALM-Vorstandsmitglied Jan Kramer in dieser Woche wie folgt: "Wir haben inzwischen eine große Zahl an Laboren, die überlastet sind, und mir graust davor aus ärztlicher Sicht." Wenn man die Zahl der Tests nicht wieder "auf ein vernünftiges Maß" herunterfahre, werde man im Herbst Probleme bekommen.

Nach Angaben von Kramer gebe es derzeit bereits einen "Rückstau" von Corona-Tests, die nicht schnell genug bearbeitet werden können. Zu Wochenbeginn seien 25.000 Tests noch nicht analysiert gewesen, die eigentlich am Sonntagabend hätten fertig sein müssen. Das sei ein Anstieg gegenüber der Vorwoche um 93 Prozent gewesen.

Labore berichten von Lieferschwierigkeiten für Reagenzien

Bundesweit werden die Corona-Tests laut einer Mitteilung des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom 26. August in 252 Laboren ausgewertet – Stand Kalenderwoche 34. Lokal gibt es Unterschiede, ob genügend Corona-Tests gemacht werden können oder nicht. Je mehr Infektionen in einer Region vorliegen, desto eher kann es dort zu Engpässen kommen. Laut RKI hat der Rückstau an PCR-Proben in letzter Zeit stark zugenommen. Vergangene Woche gaben 70 Labore einen Rückstau von insgesamt 27.828 abzuarbeitenden Proben an. Fünfzig Labore nannten als Grund Lieferschwierigkeiten für Reagenzien.

Im deutschen Synlab-Netzwerk werden laut Unternehmen derzeit 80.000 Corona-Tests pro Woche ausgewertet, viele davon am Augsburger Standort. Ein Sprecher erklärt: "Mögliche Verzögerungen können entstehen, wenn es Engpässe bei der Verfügbarkeit der Reagenzien und Verbrauchsmaterialien gibt." Meist könne man die Auswertung in 24 bis 48 Stunden zur Verfügung stellen, bei dem "aktuell sehr hohen Testaufkommen" könne man Verzögerungen jedoch nicht gänzlich ausschließen.

Labor Augsburg MVZ und Synlab sind bedeutende Vertreter der Branche. Labor Augsburg MVZ beschäftigt mehr als 1400 Mitarbeiter. Seit einigen Jahren gehört das Unternehmen zu dem australischen Medizinkonzern Sonic Healthcare, für den weltweit circa 35.000 Mitarbeiter arbeiten. Synlab gehört zu den führenden Anbietern von Labordienstleistungen in Europa, allein in Augsburg arbeiten rund 400 der insgesamt 19.000 Mitarbeiter.

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