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Afrika-Reise

06.02.2020

Merkel sieht große Chancen für deutsche Wirtschaft in Südafrika

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Cyril Ramaphosa, Präsident von Südafrika, unterhalten sich mit Auszubildenden beim Besuch des BMW-Werks bei Pretoria.
Bild: Kay Nietfeld, dpa

Angela Merkel setzt in Südafrika einiges in Bewegung, vor allem für die deutsche Ökostrom-Branche.

Etwa 8500 Kilometer liegen zwischen Erfurt und Pretoria. Eine große Entfernung, doch was im fernen Thüringen passierte, löste auch in Südafrika Wellen aus. Kanzlerin Angela Merkel landete dort in der Nacht zu Donnerstag, es war die erste Station ihrer Afrika-Reise, die sie am Freitag auch nach Angola führt. Die Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum thüringischen Ministerpräsidenten mithilfe der Stimmen der AfD überschattete den Auftakt der Reise. Dabei hat diese genügend eigenes Potenzial.

Merkels Besuch war in Pretoria mit großen Erwartungen verbunden. Die südafrikanische Regierung hatte sich akribisch vorbereitet. Hinter den Kulissen wurde mit der deutschen Botschaft selbst um Kleinigkeiten gerungen, alles sollte perfekt sein. Diese Spannung entlud sich in 19 Böllerschüssen, die beim Empfang mit militärischen Ehren abgefeuert wurden. Merkel nahm die Darbietungen sitzend entgegen, der Gang über den roten Teppich durch den imposanten Hof der Union Buildings – dem offiziellen Regierungssitz, an dem Nelson Mandela 1994 zum ersten demokratisch gewählten Präsidenten Südafrikas vereidigt wurde – fiel kurz aus.

Angela Merkel verbringt sieben Stunden mit Präsident Ramaphosa

Sieben Stunden sollte Merkel am Donnerstag mit dem südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa verbringen. Mit ihm ist die Hoffnung verbunden, er könne das Land wieder nach vorne bringen. Südafrika ist zwar die größte Volkswirtschaft des Kontinents, aber der Motor ist während der Amtszeit des umstrittenen Staatschefs Jacob Zuma heftig ins Stottern geraten. In diesem Jahr wird die Wirtschaft Südafrikas zum sechsten Mal in Folge mit unter einem Prozent langsamer wachsen als die Bevölkerung. Merkels Besuch soll eine Anerkennung des Reformkurses von Ramaphosa sein, der eine deutlich wirtschaftsfreundlichere Politik betreibt als sein Vorgänger. Ein neuer Privatisierungskurs eröffnet Chancen für Investoren auch aus Deutschland.

In diesem Treffen ist Schwung drin: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Cyril Ramaphosa, Präsident von Südafrika.
Bild: Kay Nietfeld, dpa

Vor allem der Energiesektor ist ein Feld, auf dem deutsche Unternehmen ernten können. Kohle werde mit einem Anteil von 89 Prozent noch länger eine wichtige Rolle in der südafrikanischen Wirtschaft spielen, sagte Ramaphosa, „aber die erneuerbaren Energien werden wichtiger“. Private Unternehmen, Städte und Dörfer dürften in Abkehr von der staatlichen Monopolisierung ihren Strom selbst produzieren, das werde zu einem Anstieg der Erneuerbaren führen. Merkel habe ihm die deutschen Erfahrungen mit dem Kohleausstieg erläutert, „und wir haben daraus gelernt, was so ein Wandel für uns bedeutet“.

Angela Merkel in Südafrika: Viele der südafrikanischen Kohle-Meiler sind marode

In der Tat könnte Deutschland im Grunde genommen vom fossilen und vom erneuerbaren Strang profitieren, denn viele Kohlemeiler in Südafrika sind marode. Eine Modernisierung plus der Ausbau von Solar- und Windenergie würde den CO2-Ausstoß des Landes, das der größte Emittent auf dem Kontinent ist, spürbar senken. Deutschland allerdings will kein Geld und keine Bürgschaften für die Modernisierung von Kohlekraftwerken geben. Die letzte Hermes-Bürgschaft ist zwölf Jahre alt und läuft gerade aus. Deutschland ist nicht nur wegen des Energiethemas der zweitgrößte Handelspartner Südafrikas und einer der Hauptinvestoren, auch andere Branchen laufen gut.

So besuchte Merkel am Nachmittag in Rosslyn nordwestlich von Pretoria das den Angaben zufolge erste internationale BMW-Werk. Im Jahr 1973 gegründet, bietet der Standort eine Trainingsakademie mit rund 300 Ausbildungs- und Fortbildungsplätzen.

Funken spritzen bei der vollautomatischen Fertigung des BMW X3 in einem BMW-Werk bei Pretoria. Bundeskanzlerin Merkel und der Präsident von Südafrika haben die Produktionsstätte besichtigt.
Bild: Kay Nietfeld, dpa

Förderung der Berufsausbildung soll  Jugendarbeitslosigkeit senken

Und so freute sich Präsident Ramaphosa nicht nur „sehr darüber, dass wir die Ehre haben, dass Kanzlerin Merkel nach Südafrika gekommen ist“. Seine Freude galt auch der in Pretoria unterzeichneten Initiative über die Förderung der Berufsausbildung. Diese soll helfen, die Jugendarbeitslosigkeit zu senken. Der Präsident schwärmte vom deutschen System der dualen Ausbildung in Betrieb und Berufsschule als einem „der bewundernswertesten Ausbildungssysteme der Welt“.

Merkel sparte ihrerseits nicht mit Lob. Es habe im Land ein paar Schwierigkeiten gegeben, aber jetzt sei die Entwicklung gut. „Deutschland möchte ein guter Partner an der Seite Südafrikas sein“, betonte die CDU-Politikerin, die auch den Blick auf die Sicherheitslage im Land lenkte: „Wir alle wissen: Entwicklung kann nur gelingen, wenn es Sicherheit gibt, aber Sicherheit wird es auch nur geben, wenn es Entwicklung gibt.“

Der Schwung, den Merkels Besuch in die Beziehungen gebracht hat, wird so schnell nicht verpuffen. Die im Jahr 2011 eingerichtete binationale Kommission soll im März unter der Leitung der Außenminister beider Länder tagen.

Lesen Sie dazu auch: Zwischen Moral und Moneten: Warum Angela Merkel so oft nach Afrika reist

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