Newsticker

Auswärtiges Amt warnt vor Reisen nach Madrid und ins Baskenland
  1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Nie auf den Philippinen gelandet: Wo ist Wirecard-Manager Marsalek?

Bilanzskandal

05.07.2020

Nie auf den Philippinen gelandet: Wo ist Wirecard-Manager Marsalek?

Von ihm verliert sich gerade jede Spur: Jan Marsalek.
Bild: Wirecard

Jan Marsalek soll über die Philippinen geflohen sein. Doch nun wird die Geschichte mysteriös: Die Einreisedokumente waren gefälscht, von ihm fehlt jede Spur.

Die Geschichte rund um die Insolvenz des Aschheimer Finanzdienstleisters Wirecard wird immer geheimnisvoller. Der frühere Vorstandschef Markus Braun hatte sich nach dem Vorwurf der Bilanzmanipulation der deutschen Polizei gestellt und ist inzwischen nach Zahlung einer Millionen-Kaution wieder auf freiem Fuß. Als Schlüsselfigur im Bilanzskandal gilt neben Braun aber immer mehr der bisher im Wirecard-Vorstand für das Tagesgeschäft zuständige Manager Jan Marsalek. Und dessen Spuren verlieren sich gerade.

Der Österreicher Marsalek, 40, war bereits mit 30 Jahren in den Vorstand von Wirecard aufgerückt. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, ist zu vermuten, dass er es war, der erheblich zum Aufbau eines Netzes aus Tochter- und Partnerfirmen in Asien beigetragen hat. Auf diese Weise ist Wirecard immer größer geworden und schließlich in den deutschen Aktienindex Dax aufgerückt. Das Netz an Partnerfirmen in Asien war aber nicht nur undurchschaubar. Große Teile von Verträgen mit angeblichen Kunden sollen frei erfunden gewesen sein. Im Juni kollabierte das Wirecard-Imperium, als sich herausstellte, dass es rund zwei Milliarden Euro, die auf philippinischen Konten liegen sollten, gar nicht gab.

Jan Marsalek ist nicht einmal auf den Überwachungskameras zu sehen

Auf der Suche nach Marsalek kommen nun schon wieder die Philippinen ins Spiel: Vermutet wurde bislang, dass Marasalek über die Philippinen nach China geflohen sein könnten. Jetzt aber hat sich herausgestellt, dass Marsalek womöglich doch nicht über die Philippinen weitergereist ist.

Denn die Daten, die seine Einreise und Ausreise Ende Juni dokumentieren sollen, seien gefälscht, sagte der philippinische Justizminister Menardo Guevarra am Samstag. Dies habe eine Untersuchung der Passagierlisten und anderen Materials ergeben. Nicht einmal auf den Überwachungskameras am Flughafen von Manila soll Marsalek zu sehen gewesen sein.  „Die Beamten der Einwanderungsbehörde, die diese fiktiven Einträge vorgenommen haben, wurden von ihren Aufgaben entbunden und müssen nun mit verwaltungsrechtlichen Strafen rechnen“, sagte Guevarra, nannte aber keine genaue Zahl der Mitarbeiter. Er habe allerdings weitere Ermittlungen in dem Fall angeordnet.

Verbindungen zu Geheimdiensten?

Marsalek könnte dem Bericht zufolge ein Millionen–Vermögen zur Seite geschafft haben, auf das er nun bei seiner Flucht zurückgreifen kann. Zudem wird über Gerüchte berichtet, dass er Verbindungen zu Geheimdiensten aus Israel oder Russland gehabt haben könnte. Spekuliert wird, dass der Österreicher damit auf seiner Flucht mit fremder Hilfe rechnen könnte. Die Bundesregierung will indes Lehren aus dem Bilanz-Skandal bei Wirecard ziehen.

Finanzminister Olaf Scholz will Finanzaufsicht der Bafin stärken

Finanzminister Olaf Scholz will die deutsche Finanzaufsicht stärken. Angesichts des Wirecard-Skandals sei es Aufgabe des Gesetzgebers, „die Schutzmechanismen zu überprüfen und zu verbessern“, sagte der SPD-Politiker der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) müsse mehr Durchgriffsrechte bei der Kontrolle von Bilanzen bekommen, „unabhängig davon, ob der Konzern eine Banksparte hat oder nicht“.

Die BaFin brauche „die Möglichkeit, jederzeit Sonderprüfungen in großem Umfang durchführen zu können“, sagte Scholz. Große Zahlungsdienstleister sollten generell der Finanzaufsicht unterliegen. Die Behörde soll zudem mehr Personal bekommen. (mke, dpa)

Lesen Sie dazu auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren