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Porträt

15.05.2019

Olaf Heinrich: Ist der Doc-Morris-Chef ein Verbraucherfreund?

Viele Apotheker sehen Doc Morris kritisch.
Bild: Marcel Mettelsiefen, dpa (Archiv)

Olaf Heinrich ist Chef des Versandhändlers Doc Morris und alleine damit schon eine Provokation für viele Pharmazeuten. Er treibt seine Vision konsequent voran.

Olaf Heinrich hat ein klares Ziel: Er will die Apotheke ins digitale Zeitalter bringen. Wobei – eigentlich nicht nur die Apotheke, sondern das ganze Gesundheitssystem. Der 49-Jährige ist Chef der deutsch-niederländischen Versandapotheke Doc Morris. Das macht ihn sozusagen zum Feind Nummer eins der gesamten deutschen Apothekerschaft.

Die regt sich über Heinrichs Vision ziemlich auf. Sie befürchtet, dass Versandapotheken – und da ist Doc Morris Marktführer in Europa – ihr das Geschäftsmodell ruinieren. Das liegt aus Sicht der Apotheker vor allem an den Rabatten, die der On-linehändler seinen deutschen Kunden einräumen darf. Deutsche Apotheker müssen sich bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln an einen festen Preis halten. Ausländische Versandhändler nicht.

Olaf Heinrich wirbt für Preiskampf zwischen Apotheken und Doc Morris

Doch der gebürtige Hamburger sieht sich nicht als Apothekenvernichter. Er findet viel mehr, er sei Verbraucherschützer. Viele seiner Kunden seien chronisch krank, sagt Heinrich. Wenn sie beim Medikamente-Einkauf sparen können, sei das nur patientenfreundlich, findet er und wirbt immer wieder offensiv für mehr Preiskampf im Apothekenmarkt. Doch der Versandhandel von Medikamenten ist für Heinrich eben nur der erste Schritt.

Sein langfristiges Vorhaben erklärt der Manager so: Kunden sollen nicht nur ihre Medikamente im Netz bestellen, sie sollen sich dort auch von einem Arzt beraten lassen können, der das Rezept dann an Doc Morris schickt. Um seine Arznei zu bekommen, müsste der Kranke nicht einmal mehr die Wohnung verlassen, sagt Heinrich. Und er hat noch mehr Ideen, plant Gesundheitsapps und einen Apotheken-Automaten, über den am Mittwoch wieder das Oberlandesgericht Karlsruhe verhandelt. Genau dieses Verhalten ist es, das die Apotheker gegen Doc Morris und Heinrich aufbringen.

Olaf Heinrich, Chef von Doc Morris, wirbt für mehr Wettbewerb unter Apotheken.
Bild: Doc Morris

Versandhandel war immer das Thema von Doc-Morris-Chef Olaf Heinrich

Der gebürtige Hamburger arbeitet seit 2008 bei dem deutsch-niederländischen Versandhändler und wohnt mit seiner Familie ganz in der Nähe des Firmenstammsitzes in Aachen. Erst war er als Vorstandsmitglied für die Bereiche Logistik und Marketing zuständig. Als dann ein knappes Jahr später Doc-Morris-Gründer Ralf Däinghaus aus dem Unternehmen ausschied, wurde Heinrich neuer Chef und ist es seitdem. Viel Privates ist über ihn nicht bekannt, nur dass er in Berlin und London Wirtschaftsingenieurwesen studiert hat. Danach arbeitete er für die Otto Gruppe und Karstadt-Quelle, Versandhandel war immer sein Thema.

Olaf Heinrich ist keiner, der provokant auftritt. Selbst wenn er Sätze sagt wie: „Wir glauben an das The-Winner-Takes-It-All-Prinzip“, also das Prinzip, dass am Ende nur ein Sieger vom Platz geht, spricht er fast monoton. Und dennoch ist er einer, der nicht aufgibt. Gegen Doc Morris laufen immer wieder Gerichtsprozesse, wie jetzt eben der am Oberlandesgericht. Und Heinrich kämpft sich immer wieder durch.

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