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Wohnungsbau

21.06.2017

Patrizia-Chef: "Wir müssen dichter, höher und mehr bauen"

Patrizia-Chef Wolfgang Egger sagt: „Wir brauchen mehr Wohnraum.“ Dass Wohnungen knapp sind, dafür macht er auch die Politik verantwortlich.
Bild: Fred Schöllhorn

Patrizia-Chef Wolfgang Egger erklärt im Interview, warum er noch keine Immobilienblase sieht und was er mit 700 Millionen Euro Kapital anfangen will.

Der Commerzbank-Turm in Frankfurt, das Wachsfiguren-Kabinett „Madame Tussauds“ in London, Wohnungen in Kopenhagen. Wolfgang Egger könnte zufrieden sein. Die Liste europäischer Gebäude ist lang, die das Augsburger Immobilienunternehmen Patrizia bereits erworben hat. Doch Egger hat weitere Pläne. Lange kaufte Patrizia ausschließlich Wohnungen und verkaufte sie später hauptsächlich an Privatleute oder die Mieter selbst. „Wir haben in Europa 50.000 Mieter zu Wohnungseigentümern gemacht, darauf können wir stolz sein“, meint Egger. Inzwischen hat die Firma die Strategie weiterentwickelt.

Weltweites Unternehmen: Wo Patrizia Immobilien besitzt

Seit mehreren Jahren erwirbt Patrizia Immobilien im Auftrag großer Investoren. Für Banken oder Versicherungen gute Immobilien zu finden, ist heute das Geschäftsmodell. Dabei geht es um Wohn-, Büro-, Hotel- oder Handelsimmobilien in ganz Europa – sei es in Skandinavien, den Beneluxstaaten oder Großbritannien. Jetzt geht Patrizia abermals einen Schritt weiter.

Das Unternehmen will sich nicht nur um das Geld europäischer Anleger kümmern, sondern auch für Asiaten, Amerikaner, Australier offen sein. „Unsere Strategie ist es, für Anleger aus aller Welt Immobilien in Europa anzubieten“, sagt Egger in einem Gespräch mit unserer Zeitung. 2015 hat die Firma ein Büro in Melbourne eröffnet, 2016 in New York, dieses Jahr soll die Präsenz in Asien ausgebaut werden.

Zusätzlich zum Kassenbestand von 400 Millionen Euro hat sich Patrizia kürzlich 300 Millionen Euro am Kapitalmarkt beschafft. Weshalb? Egger verrät, dass er den Kauf eines Wettbewerbers nicht ausschließt: „Wir wollen unsere Präsenz in Europa ausbauen und uns den Zugang zu neuen Investoren sichern.“ Welche Firmen man sich anschaut, verrät er nicht. „Wir sind stolz, dass wir uns seit über 30 Jahren kontinuierlich weiterentwickeln – und wir werden auch in Zukunft weiter wachsen“, verspricht er. Egger weiß, dass es für Patrizia auch schwierige Zeiten gab – gerade nach der Finanzkrise 2008/09, als der Börsenkurs abrutschte. „Wir sind aber aus jeder Krise gestärkt hervorgegangen“, betont er.

Patrizia-Chef: "Wohnraummangel liegt an politischen Versäumnissen"

Zudem will Patrizia verstärkt Privatanleger überzeugen und hat Immobilienfonds aufgelegt, die zum Beispiel in Gebäude in München oder Kopenhagen investieren. „Damit können Privatanleger genauso wie große Versicherungen und Pensionskassen über uns in Immobilien investieren und so ihr Vermögen breit diversifiziert anlegen.“ Versprochene Rendite: jährlich vier bis fünf Prozent. Wie riskant ist das? Geschlossene Immobilienfonds zeichnet aus, dass die Anleger am Ende das Geld zurückbekommen, das beim Verkauf der Immobilie erlöst wird. Steigt der Wert, kann es mehr sein als der Einsatz. Sinkt er, ist es weniger. Egger argumentiert, dass sich das Risiko heute für die Anleger mehr in Grenzen hält – dank strikter staatlicher Finanzregulierung. Aber befeuert Patrizia mit jedem neuen Investor zusammen mit anderen nicht eine Blase am Immobilienmarkt?

Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret warnte kürzlich, dass die „Ampel auf Gelb steht“ und die Preise rasant gestiegen sind. Egger sieht dagegen keine Blasen-Gefahr: „Im Wohnungsbau gibt es zu wenig Angebot“, sagt er. „Solange die Nachfrage da ist und der Druck auf die Ballungsräume anhält, ist das Ende nicht erzielt – nicht nur in Augsburg, sondern weltweit.“

Dass in Deutschland Wohnraum knapp wird, liegt dem Unternehmer zufolge an politischen Versäumnissen. „Wir müssten dichter bauen, höher und mehr“, fordert Egger. „Wir brauchen mehr Wohnraum.“ Dafür müsste mehr Bauland ausgewiesen werden. Um auch preiswerter bauen zu können, müsste die Politik „Bauprozesse und Standards entschlacken“. Den Wohnungsbau anzuschieben, das sei versäumt worden. Egger betont stets, dass er selbst nicht im Rampenlicht stehen will. Interviews gibt er selten. Den Erfolg verdanke das Unternehmen allen Mitarbeitern. Zum Standort Augsburg steht er fest: „Wir fühlen uns in Augsburg wohl. Es ist gut, dass wir hier entstanden sind – die schwäbische Prägung, die Bodenständigkeit hilft uns.“

Kritik wegen GBW-Wohnungen perlt an Patrizia-Chef Egger ab

Dass Patrizia wegen des Kaufs der 32.000 Wohnungen der Landesbank-Tochter GBW immer wieder in die Schlagzeilen gerät, lässt Egger inzwischen an sich abperlen. Der BR berichtete im Herbst, dass die Wohnungen über ein undurchsichtiges Firmengeflecht verwaltet werden, das bis nach Luxemburg reicht. Egger hält dem entgegen, dass es sich mit Pensionskassen und Sparkassen um seriöse Investoren handelt. Auch der Schutz der Mieter war oft Bestandteil der Diskussion. Hier sagt Egger, der Ombudsmann für die GBW-Mieter – Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein – könne bestätigen, dass die vereinbarte Sozialcharta zum Schutz der Mieter stets eingehalten wurde und auch keine Luxussanierungen stattgefunden haben. „Wir haben nachprüfbare Fakten, dass hier alles rechtens abgelaufen war und ist“, verteidigt sich der Patrizia-Chef.

Für Diskussionen könnte auf der Hauptversammlung am Donnerstag noch ein anderer Punkt sorgen: Seit Jahren schüttet Patrizia keine Bardividende aus. Die Anleger erhalten Gratisaktien. Egger ist überzeugt, dass es angesichts der Wachstumschancen besser sei, das Geld in der Firma zu belassen.

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