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Corona-Krise

19.03.2020

Personalmangel: Welche Branchen jetzt Mitarbeiter suchen

Anfang April beginnt eigentlich die Spargelernte. Doch noch fehlen der Landwirtschaft die Saisonarbeiter.
Bild: Alexander Heinle

Die Landwirtschaft fürchtet, nicht genug Helfer zu finden. Auch die Logistikbranche erwartet mehr Arbeit. Doch es gibt Pläne die Lücken zu füllen.

Das Coronavirus ist eine riesige Herausforderung für die Wirtschaft und damit auch für viele Arbeitnehmer. Denn während manche Branchen auf Homeoffice umstellen, stellen andere die Produktion vorübergehend ein - zum Beispiel die Autoindustrie. Wieder andere suchen dagegen dringend nach Personal: Testlabore, Supermärkte und die Landwirtschaft. Ein Überblick:

Wie ist momentan der Stand in der Landwirtschaft?

Tatsächlich haben viele Bauern gerade ein Problem. Normalerweise würden etwa zur jetzigen Zeit relativ viele Saisonarbeiter nach Deutschland einreisen, um bei verschiedenen Tätigkeiten zu helfen. Jedes Jahr wird die deutsche Landwirtschaft von etwa knapp 300.000 Saisonkräften unterstützt. Nach Bayern kommen jährlich rund 37.400 Saisonarbeiter aus anderen Ländern, teilt der bayerische Bauernverband mit. Wegen der Corona-Pandemie herrschen aber strenge Einreisevorgaben. Nun fürchten viele Landwirte, dass deshalb die Saisonarbeitskräfte fehlen werden.

Personalmangel: Welche Branchen jetzt Mitarbeiter suchen

Eigentlich haben das Bundeslandwirtschaftsministerium und das bayerische Wirtschaftsministerium klargestellt, dass für Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft kein Einreiseverbot gilt. Wie der bayerische Bauernverband mitteilt, haben dennoch Personen Schwierigkeiten bei der Einreise. Zwar könne man mit einer Bescheinigung des Arbeitgebers problemlos durch Österreich reisen, Ungarn habe aber die Grenzen komplett gesperrt, was es vor allem für Rumänen schwer mache, nach Deutschland zu kommen, sagt Markus Drexler, Pressesprecher des bayerischen Bauernverbandes.

Wozu braucht die Landwirtschaft gerade Arbeitskräfte?

Momentan stehen verschiedene Aufgaben an, erläutert Drexler: "Das jetzt wohl drängendste Problem ist, dass Hopfengärten vorbereitet werden müssen." Außerdem müssten Sämereien und kleine Pflanzen wie Salat oder Brokkoli angeliefert und gepflanzt werden. Das stehe jetzt schon in Gärtnerei mit Gewächshäusern an und solchen ohne Gewächshäuser bald bevor. Ab Anfang April beginne dann die Spargelernte, im Mai und Juni folge die Erdbeerernte. "Ohne die Saisonarbeitskräfte könnte das regionale Obst und Gemüse nicht in vollem Maße geliefert werden, es drohen Versorgungsengpässe", sagt Drexler.

Um das zu verhindern, forderte der Bauernverband zum einen das Arbeitszeitschutzgesetz zu lockern, damit Angestellte länger arbeiten können. Zum anderen fordert er, die Hinzuverdienstmöglichkeiten von Hartz-IV-Empfängern oder Menschen, die Kurzarbeitergeld beziehen, zu verbessern. Sie dürfen nur in einem bestimmten Maße Geld hinzverdienen, sonst werden ihnen staatliche Gelder gekürzt. Und tatsächlich gibt es Überlegungen der bayerischen Staatsregierung, die in diese Richtung gehen.

Wie weit ist die "Vermittlungsplattform", die die Staatsregierung und die Arbeitsagenturen planen?

Bei einer Pressekonferenz zum Umgang mit dem Coronavirus kündigte der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger am Dienstag an, zusammen mit den Arbeitsagenturen eine Vermittlungsplattform schaffen zu wollen. Der Gedanke dahinter: Menschen, die in Branchen arbeiten, in denen gerade wegen der Krise Arbeit wegbricht, sollen in Branchen, die wegen der Krise mehr arbeiten müssen, aushelfen. Zum Beispiel in der Landwirtschaft oder im Gesundheitswesen. Bisher ist das allerdings erst in Planung. Wie lang es dauert, die Überlegung umzusetzen, ist ungewiss. Zwar laufen Vorbereitungen, doch Bayern kann das Projekt nicht alleine umsetzen. Das müsste bundesweit geschehen, teilt eine Sprecherin der Regionaldirektion Bayern der Arbeitsagentur mit.

Das bayerische Wirtschaftsministerium teilt zudem auf Anfrage mit, dass sich "Wirtschaftsminister Aiwanger stark macht, dass sich Nebentätigkeiten bei Arbeitnehmern, die Kurzarbeitergeld beziehen, mehr lohnen als bisher". Aiwanger will also den Forderungen, die unter anderem die bayerischen Landwirte geäußert haben, nachkommen. "Dazu müsse der Bund stärkere Anreize setzen", heißt es aus dem Wirtschaftsministerium.

Logistikbranche: Brauchen Paketdienste jetzt mehr Mitarbeiter?

Weil viele Geschäfte schließen müssen, könnte in den nächsten Wochen der Online-Handel einen Boom erleben. Doch die Paketzusteller wie Deutsche Post, Hermes oder DPD sind überzeugt, auf eine mögliche Paketflut vorbereitet zu sein. Der Marktführer Deutsche Post DHL spürt momentan noch keinen Anstieg des Paketvolumens. Man sei es aber gewohnt, mit starken Schwankungen im Paketaufkommen umzugehen. Selbst wenn einzelne Brief- und Paketzentren zeitweise geschlossen werden müssten, sei die Post in der Lage, einen solchen Ausfall durch die Umleitung auf andere Standorte auszugleichen.

Wie kommt während der Corona-Krise die Zeitung ins Haus?

Gerade wenn der Bedarf nach sicheren und qualifizierten Informationen besonders groß ist, wie jetzt in der Corona-Krise, freuen sich viele Abonnenten über die pünktliche Lieferung ihrer Tageszeitung. Kay Helmecke, der in der Geschätsführung der pd.Medienlogistik unter anderem genau dafür sorgt, sieht große Chancen für Interessenten im Bereich der Zustellung: „Die Einlernphase ist recht kurz und wir sind sehr flexibel, was die täglichen Arbeitszeiten und Einsatzorte angeht.“ Zeitungszusteller müssten zwar früh aufstehen. Aber gerade in Ballungszentren gebe es auch flexible Einsatzmöglichkeiten in der Briefzustellung.

Wie verändert sich die Arbeit von Journalisten in Zeiten des Coronavirus? In einer neuen Folge unseres Podcasts geben wir einen Einblick.

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