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Pizza
02.10.2020

Schmeckt wie beim Italiener? Tiefkühlpizza wird 50 Jahre alt

Der Hunger der Deutschen auf Tiefkühlpizza ist groß.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Dr. Oetker brachte 1970 die erste Tiefkühlpizza auf den deutschen Markt. Seitdem ist viel passiert. Inzwischen gibt es sogar eine mit Weißwurst-Belag.

Deutschland ist ein Land der Vereine und Verbände, und so verwundert es nicht, dass es ein Deutsches Tiefkühlinstitut in Berlin gibt. Das ist – na, klar – der Branchenverband der Tiefkühlindustrie. Und die ist ein Corona-Gewinner. "Der Absatz von Tiefkühlpizza wird dieses Jahr einen neuen Höhepunkt erreichen", teilte das Tiefkühlinstitut nun mit. Und dass jeder Bundesbürger durchschnittlich 13 Tiefkühlpizzen pro Jahr esse – Tendenz steigend. Vor zehn Jahren seien es zehn, vor 20 Jahren fünf und vor 30 Jahren nur drei gewesen. Und vor 50 Jahren? Gewiss weitaus weniger.

Wegen Corona: Tiefkühlpizza-Absatz auf Rekord-Niveau

Damals aber, vor 50 Jahren, kam die erste Tiefkühlpizza auf den deutschen Markt. Was die Deutschen einem Doktor zu verdanken haben, "Dr. Oetker". Aus Bielefeld. Der ostwestfälische Lebensmittelhersteller machte den Deutschen eine "Pizza alla Romana" schmackhaft ("backofenfertig im praktischen Alu-Teller") – "belegt mit echt italienischem Mozzarella- und Provolone-Käse, Mortadella, Tomaten und Paprika". "Für zwei Personen sollte sie reichen und war mit 2,95 DM nicht gerade günstig in einer Zeit, in der der durchschnittliche Arbeitnehmer 1100 DM im Monat verdiente", erklärt das Unternehmen. Wie die Pizza schmeckte, ist nicht überliefert.

Die "Pizza alla Romana" von Dr. Oetker kam 1970 auf den deutschen Markt.
Foto: Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG

Dafür die schöne Geschichte von Nicolino di Camillo aus den Abruzzen, oft erzählt, aber einfach wunderbar. Die Kurzfassung: Der Italiener brachte die Pizza nach Deutschland, und zwar in die Elefantengasse 1 in Würzburg. Dort eröffnete er am 24. März 1952 sein Lokal "Sabbie di Capri", Deutschlands erste Pizzeria. Seine Pizza: dünner Teig, viel drauf. Wie es die in Würzburg stationierten US-Soldaten und später die Deutschen mochten. Leider kann man ihn nicht mehr nach seiner Meinung zu den Bielefelder Pizzen ("Schmeckt immer wie beim Italiener") oder dem Tiefkühlpizza-Boom fragen – er starb 2015 im Alter von 93 Jahren. Interessant wäre auch, was er über die Pizzaketten zu sagen hätte, die Millionenumsätze machen.

Vor fast 70 Jahren machte auch die erste Pizzeria in Deutschland auf - in Würzburg

Pizza, Pizza, Pizza – eine Geschmackssache. Und in Corona- und Lockdown-Zeiten ein (Über-)Lebensmittel. In den Worten des Deutschen Tiefkühlinstituts: "Die Verbraucher versorgen sich mit Tiefkühlkost einerseits zum sofortigen Verzehr, aber auch zur Bevorratung." Die Warengruppe Tiefkühlpizza habe im ersten Halbjahr 2020 den Umsatz um sieben Prozent gesteigert.

Auch für "Dr. Oetker" ist die Pizza eine Erfolgsgeschichte, auf seiner Internetseite feiert sich das Unternehmen selbst in schönster Werbe-Prosa: "1985. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Mit den Sorten Salami und Schinken führt Dr. Oetker das neue Sortiment ’Ristorante’ ein"... Heute, und das wäre wieder so eine Frage an Nicolino di Camillo, wird ja alles Mögliche auf den Pizzateig geschmissen. Aber nicht alles lassen sich die Deutschen gefallen, zumindest fragte kürzlich Focus online aufgeregt: ",Ist das legal?’: Lidl sorgt mit Weißwurst-Pizza für Entsetzen". Auch ein Fernsehkoch wurde für eine Verkostung bemüht und mit dem Satz zitiert: "Du kannst es nicht essen!"

Ach, Nicolino di Camillo! Hätten Sie Verständnis für eine Weißwurst-Tiefkühlpizza gehabt?

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