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"Plastikatlas"
06.06.2019

Plastik vermüllt die Welt: Was tun gegen Kunststoffabfälle?

Yeo Bee Yin, Umweltministerin von Malaysia, neben einem Container voller Kunststoffmüll. Das Land hat damit begonnen, nicht recycelbaren Kunststoffschrott in die Herkunftsländer wie die USA, Großbritannien, Kanada und Australien zurückzuschicken.
Foto: Vincent Thian, AP/dpa

Kunststoffabfall bedroht unsere Erde zunehmend, zeigt eine Studie der Heinrich-Böll-Stiftung und des Bund für Umwelt- und Naturschutz. Doch es gibt Lösungen.

Plastik ist eine Erfolgsgeschichte, ökonomisch betrachtet. Für Mensch und Tier ist Kunststoff oftmals eine Katastrophe – Vögel, Fische und Wale verenden daran, selbst im Menschen ist Mikroplastik schon zu finden. Der am Donnerstag veröffentlichte „Plastikatlas“ der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung und des Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (Bund) beschäftigt sich mit den Auswirkungen des globalen Plastikkonsums.

Hersteller und Industrie von Plastik sollen in die Pflicht genommen werden

Bund und Heinrich-Böll-Stiftung fordern im Plastikatlas von der Politik wirksame Maßnahmen zur weltweiten Lösung der „Plastikkrise“ – die Autoren setzen auf eine Reduktion von Produktion und Konsum von Plastik. Neben Gesetzen zum Endverbrauch müssten jetzt insbesondere die Hersteller und die petrochemische Industrie als Hauptverursacher in die Pflicht genommen werden. „Alle Welt redet über Plastik. Das ist gut so. Doch wir haben ein unvollständiges und verzerrtes Bild davon, wer und was die globale Plastikkrise verursacht und wie wir sie anpacken müssten“, sagt Barbara Unmüßig, Chefin der Heinrich-Böll-Stiftung. Verbote von Strohhalmen, Einwegbechern und Tüten seien ein erster Schritt, jedoch bei weitem nicht ausreichend. Den Plastikatlas zum Download finden Sie hier.

Der Plastikatlas sammelt Fakten über die Umweltschädlichkeit von Kunststoff. Laut des Berichts wurden zwischen den Jahren 1950 und 2015 global 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert. Zu größten Teilen besteht der Müll aus Einwegprodukten und Verpackungen. Hubert Weiger, Bund-Vorsitzender, sagt, sein Verband „fordert einen Dreiklang für eine Plastikwende: Verbote von Schadstoffen und Mikroplastik sowie die Bekämpfung von Plastikmüll.“ Deutschland ist einer der größten Standorte für Kunstoffproduzenten und Kunstoffverarbeiter in Europa. Verglichen mit seiner Größe trägt Deutschland laut Studie eine beträchtliche Verantwortung für die weltweite Plastikverschmutzung. Die Wiederverwertung von Müll sei global und in Deutschland Wunschdenken.

In Deutschland wird nicht einmal die Hälfte des Plastikmülls recycelt

Über 60 Prozent des in Deutschland gesammelten Verpackungsmülls würden verbrannt werden. Weiger erklärt, „lange haben wir uns in Deutschland als Recyclingweltmeister gerühmt, doch die Realität sieht anders aus: Nur knapp 38 Prozent unseres Plastikmülls werden tatsächlich dem Recycling zugeführt.“ Plastik gelte bereits als recycelt, wenn es ins Ausland exportiert werde. Vor Ort, zum Beispiel in den Ländern Asiens, habe diese Wegwerfmentalität des Westens erschreckende ökologische, soziale und gesundheitliche Auswirkungen. „Die notwendige Infrastruktur zur Bewältigung unserer Müllberge gibt es in diesen Ländern nicht. Der Müll wird häufig unkontrolliert verbrannt oder landet auf Deponien und in der Umwelt“, sagt der Bund-Vorsitzende.

Der Atlas zitiert eine Berechnung des Zentrums für Internationales Umweltrecht, wonach die Produktion von Kunststoffen bis 2050 bei den aktuellen und vorausgesagten Wachstumsraten einen Ausstoß von 52,5 Gigatonnen Kohlendioxid verursachen könnte. Kunststoffe allein könnten somit zwischen zehn und 13 Prozent des gesamten berechneten Kohlenstoffbudgets verbrauchen, welches vorhanden ist, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Ohne weltweite Regulierung ist das Plastikproblem nicht zu lösen

„Von der Produktion bis zur Entsorgung entstehen im Laufe des Lebenszyklus von Plastik gewaltige Mengen an Treibhausgasen. Hinzu kommen die gesundheitlichen Risiken, die vor allem durch Mikroplastik und giftige Zusatzstoffe in den Kunststoffen bestehen“, sagt die Unmüßig von der Heinrich-Böll-Stiftung.

Die Umweltschützer betonen in ihrer Studie, dass es keinen anderen Weg als die globale Drosselung der Einwegplastikproduktion gibt, will die Menschheit ihre Umwelt bewahren. Ohne eine weltweite staatliche Regulierung sei das Plastikproblem nicht zu lösen. Und die Autoren erwähnen weitere Beiträge zur Bekämpfung der Plastikflut – zum Beispiel die „Zero Waste“(Null Abfall) Bewegung. Mehr als 400 Städte und Gemeinden in Europa setzen bereits Strategien um, die am Anfang der Problemkette ansetzen: Sie wenden Systeme und Verfahren an, die keinen Abfall erzeugen.

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