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Plastikmüll
22.07.2019

"Einkauf Aktuell": Klage gegen Werbebroschüre der Deutschen Post

Wöchentlich steckt die in Plastik verpackte Gratis-Werbezeitung "Einkauf Aktuell" der Post in deutschen Briefkasten. Eine Bürgerintiative will nun dagegen klagen.
Foto: Oliver Berg, dpa

Einmal in der Woche landet die in Plastik verpackte Werbesendung "Einkauf aktuell" der Deutschen Post in den Briefkästen. Eine Initiative will nun den Konzern verklagen.

Das Geschäft mit der eingeschweißten Werbebroschüre "Einkauf Aktuell" ist für die Deutsche Post lukrativ. Bis zu 20 Millionen Haushalte wöchentlich erreicht "Einkauf Aktuell" nach Angaben der Post. Doch vielen Verbrauchern ist die unerwünschte Werbung ein Dorn im Auge. Die Bürgerinitiative Letzte Werbung will diese Umweltsünde nicht mehr durchgehen lassen. Sie plant mehrere Klagen gegen die Post.

Bürgerinitiative Letzte Werbung verklagt die Deutsche Post

Laut der Bürgerinitiative Letzte Werbung landen jährlich 33 Kilogramm Werbung in jedem Briefkasten. Das Werbeblatt der Post sei für große Mengen Plastikmüll und Altpapier verantwortlich - pro Jahr etwa rund eine Milliarde Plastikverpackungen. Die Initiative bereite nun Klagen gegen den Dax-Konzern vor.

Letzte Werbung argumentiert vor allem damit, dass Haushalte die "Einkauf aktuell" auch dann bekommen, wenn sie dem Erhalt schriftlich widersprochen haben. Eine Sprecherin der Initiative erhebt schwere Vorwürfe. Die Post habe keinen Widerspruch akzeptiert, schrieb Katharina Wallmann der Deutschen Presse-Agentur in einer E-Mail. "Sie bietet auch keinen alternativen Weg, um sich einfach von der unerwünschten Plastikpost abzumelden." Das Unternehmen sei nicht an einer ergebnisoffenen Diskussion interessiert. "Wir sehen uns daher gezwungen, den rechtlichen Weg zu gehen."

Deutsche Post: Vorwürfe der Initiative Letzte Werbung seien haltlos

Bei der Post ist man anderer Meinung. Die Annahme, dass die meisten Haushalte solche Werbesendungen nicht erhalten wollten, sei "schlicht falsch", teilte ein Post-Sprecher der dpa mit. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach habe vielmehr ergeben, dass eine Mehrheit diese Werbeform positiv oder neutral beurteile. "Viele Haushalte sehen in den Prospekten in erster Linie eine wichtige Orientierungshilfe im aktuellen Angebot des örtlichen Einzelhandels."

Der WamS teilte der Dax-Konzern mit, er ermögliche Kunden bisher nicht die schriftliche Kündigung, weil es in einem Massengeschäft nicht möglich sei, "einzelne Empfänger über Namenslisten auszunehmen". Die Plastikfolie sei notwendig, damit die Hefte "vollständig und nicht verdreckt oder nass" ankämen. Der Post-Sprecher ergänzte: Ein Aufkleber wie etwa "Keine Werbung" auf dem Briefkasten reiche aus, dass die "Einkauf aktuell" nicht mehr zugestellt werde. "Ein schriftlicher Widerspruch ist nicht nötig."

Auch das Argument der Umweltschädlichkeit wird vom Konzern dementiert. Die Post sei sich "der Verantwortung gegenüber der Umwelt bewusst" und versuche kontinuierlich, "unser Produkt so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten." Das Unternehmen versuche konsequent die Umweltfreundlichkeit der Zeitschrift zu verbessern. Das verwendete Papier sei immer leichter geworden und werde emissionsarm gedruckt. Und die Folie sei immer dünner geworden.

"Einkauf Aktuell": Auch andere Zeitschriften sind in Plastik eingepackt

Die Post stützt sich dafür auf die Einschätzung des Papierherstellers Ingede. "Die Perforation der Folien ermöglicht es tatsächlich, dass die Umhüllung im Recyclingprozess aufbricht und nahezu 100 Prozent des Papiers verwertet werden kann", verspricht Ingede. Das Unternehmen schränkt allerdings ein: "Es bleibt allerdings das Problem, dass die Papierfabrik neben anderen im Altpapier enthaltenen Abfällen auch die Folien entsorgen muss."

Bei "Einkauf Aktuell" handelt es sich bei weitem nicht um die einzige folienverpackte Zeitschrift, deren Recycling Papierfabriken und Entsorgungsbranche vor Herausforderungen stellt. So enthalten Computerzeitschriften in Folie verpackte DVDs, Kindermagazine kommen selten ohne eingeschweißtes Spielzeug aus und Erotikhefte sind häufig in diskreter Plastikhülle zu kaufen. Vor allem die nicht ausgepackten Rückläufer sorgen bei der Entsorgung in der Papierfabrik für Probleme.

Klage gegen Werbebroschüre der Deutschen Post kein neues Thema

Der Ärger um die in Plastik verpackte Werbung ist nicht neu. Bereits vor rund fünf Jahren hatte ein 19-jähriger Mann der Post knapp 140.000 gesammelte Unterschriften gegen die Plastikfolie übergeben. Die damalige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) stärkte dem Aktivisten damals den Rücken. Die Deutsche Post kündigte daraufhin an, die Verpackung der Werbebroschüre "Einkauf Aktuell" zu überdenken.

Nun will die Bürgerinitiative Letzte Werbung aus mehr als 100 klagebereiten Personen bis zu zehn auswählen. Die Voraussetzung hierfür ist, dass diese Haushälte trotz Widerspruchs die "Einkauf Aktuell" in ihrem Briefkasten vorfinden. "Sobald das passiert ist, können die Betroffenen Klage einreichen. Wir rechnen damit, dass das Mitte August passieren wird", so Initiative-Sprecherin Wallmann.

Der WamS zufolge, geht es der Initiative um ein Grundsatzurteil. Ein Sieg der Intitiative könnte letztlich das Geschäftsmodell der Post bedrohen. So gibt die Post für diesen Geschäftsbereich zwar keine Finanzzahlen bekannt. Laut dem Zeitungsbericht der WamS soll sich der Erlös aber auf 300 Millionen Euro im Jahr belaufen. Mit Blick auf die angekündigten Klagen kritisiert die Post, die Initiative meine, "einen geeigneten öffentlichkeitswirksamen Präzedenzfall gefunden zu haben". (dpa)

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