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Augsburg

22.11.2011

Pornografie-Vorwürfe: Kirche verkauft Weltbild-Gruppe

Der Weltbild-Konzern steht zum Verkauf. Die Kirche trennt sich von dem Unternehmen.
Bild: Ulrich Wagner

Die katholische Kirche trennt sich von Weltbild in Augsburg. Nach massiver Kritik an pornografischen und esoterischen Titeln in seinem Sortiment steht der Konzern zum Verkauf.

Das Unternehmen solle "ohne jeden Verzug entschlossen" veräußert werden, teilte Weltbild am Dienstag in Augsburg mit. Die Gesellschafter hätten die Geschäftsführung mit entsprechenden Maßnahmen beauftragt.

Die Augsburger Weltbild GmbH  steht in der Kritik, weil sie auch erotische und esoterische Literatur vertreibt. Über 2500 Treffer zeigte das Internetportal weltbild.de zuletzt zum Suchbegriff Erotik an, darunter auch deftige Titel wie „Zur Hure erzogen“ oder „Schlampeninternat“. Seit das Branchenmagazin buchreport das Thema im Oktober öffentlich machte, wurde die Verlagsgruppe scharf angeprangert.

Das Unternehmen selbst hatte unter anderem mit dem Argument gekontert, der Umsatz, der mit dieser Literatur gemacht werde, sei nur minimal. Bücher, die über das Stichwort Erotik zu finden waren, hätten in diesem Jahr bislang weniger als 0,017 Prozent des Gesamtumsatzes der Verlagsgruppe ausgemacht. Dieser lag zuletzt bei 1,65 Milliarden Euro. Echte Pornografie habe man noch nie im Angebot geführt.

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Auch Kardinal Meisner forderte Trennung von Weltbild

Trotzdem hielt die Kritik an. Auch der Kölner Kardinal Joachim Meisner hatte am Wochenende gefordert, die Kirche müsse sich von dem Unternehmen "radikal trennen". Das soll nun geschehen.

Das Unternehmen mit seinen rund 6400 Mitarbeitern gehört zwölf katholischen Diözesen, dem Verband der Diözesen Deutschlands und der Soldatenseelsorge Berlin. Es zählt zu den größten Buchhändlern Deutschlands und ist unter anderem an Internet-Firmen und Hugendubel-Filialen beteiligt.

Die Gesellschafter von Weltbild hatten am Montagabend zugleich personelle Veränderungen im Aufsichtsrat beschlossen. Wie das Unternehmen in Augsburg mitteilte, scheiden die früheren Finanzdirektoren Sebastian Anneser  (München und Freising), Adolf Bauer (Diözese Würzburg) und Klaus  Donaubauer (Diözese Augsburg) aus dem Aufsichtsrat aus. An ihre  Stelle treten die Generalvikare Peter Beer (Erzbistum München und  Freising), Michael Fuchs (Bistum Regensburg) und Georg Holkenbrink  (Bistum Trier).

Die Gewerkschaft ver.di bezeichnete den Verkauf als "unschön". Bei  einem neuen Eigentümer werde es immer Synergieeffekte geben, die die  Beschäftigten zu tragen hätten, sagte der zuständige  Gewerkschaftsvertreter Thomas Gürlebeck der Katholischen  Nachrichten-Agentur (KNA) in Augsburg. Ziel sei es nun, die  Interessen der Beschäftigten über einen Sozial- oder  Zukunftssicherungsvertrag zu sichern, etwa den Erhalt von  tarifvertraglichen Leistungen.    AZ, dpa, dapd, KNA

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