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17.06.2009

Porsche rechnet fest mit Finanzhilfe aus Katar

Porsche rechnet fest mit Finanzhilfe aus Katar
Bild: DPA

Stuttgart (dpa) - Der hochverschuldete Sportwagenbauer Porsche rechnet unverändert mit schneller Finanzhilfe aus Katar. "Die Familie steht geschlossen hinter den Gesprächen mit einem Investor", sagte ein Porsche-Sprecher am Mittwoch in Stuttgart.

Die Verhandlungen mit dem Golf-Emirat liefen weiter in einer guten und konstruktiven Atmosphäre. Medienberichte, Großaktionär Ferdinand Piëch habe bei einem Treffen der Eigentümerfamilien einen raschen Einstieg von Katar verhindert, seien falsch und "ein durchsichtiges Störmanöver". Ein solches Treffen habe es nicht gegeben.

Porsche hatte sich bei der geplanten Übernahme von Europas größtem Autobauer VW verhoben. Die Stuttgarter kämpfen mit einem Schuldenberg von neun Milliarden Euro und suchen seit Wochen nach neuen Geldquellen. Nach bisherigen Informationen will sich der staatliche Fonds Qatar Investment Authority (QIA) rund ein Viertel der Porsche-Anteile sichern.

Die "Financial Times Deutschland" berichtete unter Berufung auf das Umfeld der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch, Katar wolle nicht nur 25 Prozent an Porsche, sondern mindestens eine Aktie zusätzlich - und damit eine Sperrminorität. Der Sportwagenbauer wollte sich dazu nicht äußern.

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Das Golf-Emirat Katar will nach Angaben seines Ministerpräsidenten Scheich Hamad bin Dschasim al-Thani innerhalb der kommenden zwei bis drei Wochen über einen möglichen Einstieg bei den Stuttgartern entscheiden. Bis dahin sollten alle Details und die Größenordnung der Beteiligung geklärt sein. Katar sei generell daran interessiert, ein "langfristiger Investor" zu sein, versicherte der Scheich am späten Dienstagabend. Grünes Licht müsste dann aber noch eine Aufsichtsratssitzung geben, die im Juli erwartet wird.

"Das Thema Katar ist eine reine Eigentümerangelegenheit und wird ausschließlich in der Porsche SE behandelt", teilte Porsche mit. "Es besteht auch Einigkeit in der Familie, dass die Forderung aus Wolfsburg, Katar müsse vor einem Einstieg zunächst mit dem Volkswagen-Management und dem Volkswagen-Betriebsrat Gespräche führen, jeglicher Grundlage entbehrt."

Der VW-Betriebsrat beharrt dagegen auf Informationen aus Stuttgart: Wenn Katar tatsächlich eine Sperrminorität bei Porsche haben wolle, würde dies bedeuten, dass bei wichtigen Entscheidungen künftig neben der Familie eine weitere Partei am Tisch sitzt, stellte der stellvertretende Betriebsratschef Bernd Wehlauer fest. "Da die Porsche SE mehr als 50 Prozent an Volkswagen hält, geht uns dies sehr wohl etwas an", erklärte er. Der Betriebsrat werde bei einem Einstieg von Katar das Verhältnis zum Großaktionär Porsche neu bewerten.

Nach Einschätzung des Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer wird der Einstieg des Emirats die Position von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking deutlich stärken und VW-Patriarch Piëch im Gegenzug entmachten. "Wenn Katar die Porsche-Anteile hat, dann werden die Intrigen innerhalb der Familie deutlich abgemildert", sagte der Professor der Universität Duisburg-Essen der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Da sich das Golf-Emirat langfristig engagieren wolle, halte er es sogar für möglich, dass sich Porsche doch noch einen Anteil von 75 Prozent an VW sichert, erklärte Dudenhöffer. Derzeit sind es rund 51 Prozent. Außerdem hält Porsche Aktienoptionen über weitere rund 24 Prozent, die an diesem Freitag auslaufen könnten. An dem Tag will der Sportwagenbauer auch Zehnmonatszahlen für das Geschäftsjahr 2008/09 vorlegen.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) mahnte derweil im Wirtschaftsmagazin "Capital", dass es bei dem geplanten Zusammengehen von Porsche und VW "eine Lösung nur unter gleichberechtigten Partnern geben kann, nicht mit Siegern und Besiegten". Die Kritik seines Parteifreundes und niedersächsischen Amtskollegen Christian Wulff an dem Porsche-Kreditantrag bei der KfW rügte Oettinger erneut: "Die öffentlichen Äußerungen schaden allen Beteiligten, besonders wenn der Ton so befremdlich ist wie zuletzt."

Porsche verhandelt seit Monaten mit Banken über einen Kredit von 12,5 Milliarden Euro. Bisher hat der Autobauer Zusagen für 10,75 Milliarden Euro. Das zuletzt beantragte KfW-Darlehen von 1,75 Milliarden Euro würde nach Angaben des Unternehmens mit dem 1,75- fachen Wert in VW-Aktien abgesichert. Der KfW-Lenkungsausschuss wird voraussichtlich Ende des Monats über den Kredit entscheiden.

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