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Premium Aerotec
22.10.2018

Eurofighter sichert wieder Arbeitsplätze in Augsburg

Augsburg setzt weiter auf den Eurofighter.
Foto: Rainer Jensen, dpa (Archiv)

Zwischenzeitlich gab es Befürchtungen, dass die Produktion für den Eurofighter in Augsburg eingestellt werden muss. Dann kamen Aufträge aus Kuwait und Katar.

Das militärische Werk des Luftfahrtzulieferers Premium Aerotec liegt eher unscheinbar in einem bürgerlichen Augsburger Wohngebiet. Unweit von Reihen- und Einfamilienhäusern bauen rund 100 Mitarbeiter eine zentrale Bau-Gruppe für das Kampfflugzeug Eurofighter. Dass sich hier ein Zentrum des europäischen Militärflugzeugbaus befindet, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Doch wer durch die gut gesicherte Einfahrt des Geländes späht, erkennt ein militärisch anmutendes Flugzeug. Es handelt sich um einen Fiat-Trainings- und Aufklärungsflieger, für den aus Augsburg einst wesentliche Bau-Gruppen kamen. Auch an der Produktion des Tornados war der Standort beteiligt. Bis heute werden in dem Werk Teile dieses Flugzeugs gewartet und instand gesetzt.

Doch über viele Jahre hinweg sicherte zuletzt der Eurofighter rund 100 Arbeitsplätze ab. In Augsburg werden traditionell die Rumpfmittelteile gebaut. Sie schließen an das Cockpit an. In den technologisch anspruchsvollen und arbeitsintensiven Baugruppen muss auch der reichlich benötigte Treibstoff Platz finden.

Auch Saudi-Arabien hat sich mit dem Eurofighter eingedeckt

Zwischenzeitlich ging die Angst in dem Werk um, die Eurofighter-Produktion könne auslaufen. Das wäre sie wohl auch, schließlich hatten die Mitarbeiter die Aufträge für europäische Staaten und Saudi-Arabien abgearbeitet. Hätten sich nun nicht auch die Scheichs aus Kuwait und schließlich aus Katar für den Kauf des Kampfflugzeugs entschieden, wäre es eng für die Fortführung der Produktion von Eurofighter-Teilen in Augsburg geworden. Doch die umstrittenen Scheichs aus Katar gönnen sich nicht nur die Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2022, sondern sie kaufen ähnlich wie ihre derzeit massiv in der Kritik stehenden Kollegen aus Saudi-Arabien reichlich Rüstungsgüter ein. So lässt Katar – ein Land mit nur etwa 2,7 Millionen Einwohnern – umgerechnet 5,7 Milliarden Euro für 24 Eurofighter springen. Dank Öl und Erdgas ist dort das Pro-Kopf-Einkommen mit das höchste weltweit. Das Emirat Kuwait – ein Mini-Reich mit gut vier Millionen Bewohnern – hatte sich zuvor für den Erwerb von 28 Eurofightern entschieden. Insider schätzten den Wert des Auftrags auf sieben bis acht Milliarden Euro.

Die Machthaber im Nahen Osten sind heiß auf das europäische Flugzeug. So hatte schon Oman einst zwölf Flieger geordert und Saudi-Arabien schlug mit 72 Maschinen kräftig zu. Über letzteres Land hieß es, die Scheichs könnten nachbestellen. Doch daraus wird wohl so schnell nichts, hat doch Kanzlerin Angela Merkel Rüstungs-Exporten nach Saudi-Arabien zumindest vorerst eine Absage erteilt. Für das Eurofighter-Geschäft mit Riad sind innerhalb des europäischen Konsortiums die Briten verantwortlich.

In Augsburg wurde am Montag jedenfalls das erste Eurofighter-Rumpfmittelteil für Kuwait ausgeliefert. Es geht dann zu Airbus nach Manching bei Ingolstadt und wird dort in das Flugzeug integriert. Der Fertigungsstart für Katar ist für das zweite Quartal 2019 vorgesehen.

Produktion musste in Augsburg 14 Monate unterbrochen werden

Dabei musste die Produktion am Augsburger Standort für rund 14 Monate unterbrochen werden. Premium Aerotec hat die Mitarbeiter aus der Eurofighter-Sparte jedoch weiterbeschäftigt. So wechselten viele in den zivilen Bereich und bauten an Teilen für Airbus-Flugzeuge mit. Insgesamt sind für den Zulieferer in Augsburg knapp 4000 Frauen und Männer tätig. Das Werk ist einer der größten Luftfahrt-Standorte in Süddeutschland. Premium-Aerotec-Chef Thomas Ehm zeigte sich gegenüber unserer Zeitung zufrieden, „dass trotz der langen Produktionsunterbrechung die Fähigkeit, militärische Flugzeug-Teile in Augsburg zu bauen, erhalten werden konnte“. Und er gab ein klares Bekenntnis ab: „Wir wollen im militärischen Bereich bleiben.“ Ob das langfristig gelingt, hängt entscheidend von weiteren Aufträgen für den Eurofighter ab.

Hier ruhen zunächst die größten Hoffnungen auf Deutschland. Denn die Tornado-Flugzeuge der Bundeswehr sind in die Jahre gekommen. Geht es nach dem Willen von Airbus, sollen sie durch Eurofighter-Maschinen ersetzt werden. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat hier signalisiert, Berlin könne zu einem solchen Manöver bereit sein. Zugleich setzen die Verantwortlichen des Airbus-Konzerns darauf, dass die Bundesregierung alte Eurofighter-Flieger durch neue Maschinen des Typs ersetzt, weil sie mehr Funktionen bieten, etwa ein elektronisches statt eines mechanisches Radars. So könnte Deutschland in der Summe insgesamt wohl rund 110 zusätzliche Eurofighter bestellen. Damit würden in Augsburg ebenso viele weitere Rumpfmittelteile gebaut. Zudem hofft das Eurofighter-Konsortium auf zusätzliche Exportaufträge aus der Schweiz, Kanada und Finnland.

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