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Pro: Die Rückkehr zur Meisterpflicht ist der richtige Weg

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Kommentar Von Michael Kerler
11.10.2019

Unter dem Wegfall der Meisterpflicht litt die Qualität mancher Handwerksdienstleistungen. Und die Ausbildungszahlen gingen zurück.

Die Rückkehr zur Meisterpflicht für zwölf Berufe ist ein Fortschritt. Zunächst einmal für die Verbraucher. Der Meistertitel hat in Deutschland einen guten Ruf – ähnlich, wie früher der Ingenieur. Er steht für eine hohe Qualität der erbrachten Leistung. Seit der Abschaffung der Meisterpflicht für über 50 Berufe im Zuge der Agenda-2010-Reformen bedurfte es in vielen Bereichen keines Meisters mehr, um ein Gewerbe anzumelden.

Die Folge: Die Zahl der Solo-Selbstständigen stieg sprunghaft an, bei den Fliesenlegern zum Beispiel der „Deutschen Handwerkszeitung“ zufolge von rund 1000 im Jahr 1995 auf rund 28.700 im Jahr 2015. Die neuen Anbieter lieferten Dienstleistungen billiger, es häuften sich aber auch Berichte über Qualitätsprobleme. Wer weiß, was bei dem Verlegen von Fliesen alles schiefgehen kann, ahnt, worum es geht.

Bei den Fliesenlegern sanken die Ausbildungszahlen

Dazu kommt ein anderer, gewichtiger Punkt: Die Meisterpflicht sichert die Fachkräfte für morgen. Der Meistertitel ermöglicht es in Deutschland, Lehrlinge ausbilden zu können. Die duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule gilt international als Erfolgsmodell. Warum sollte man es ohne Not untergraben?

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Mit dem Wegfall der Meisterpflicht für zwölf Berufe sanken die Ausbildungszahlen. Zurück zum Beispiel des Fliesenlegers: Im Jahr 2002 sind nach Angaben des Fachverbands Fliesen und Natursteine deutschlandweit noch knapp 4500 Fliesen-, Platten- und Mosaikleger ausgebildet worden, 2016 waren es nur noch etwas mehr als 2200 – also weniger als die Hälfte.

Rückkehr zur Meisterpflicht in zwölf Berufen

Für zwölf Berufe will die Regierung jetzt zur Meisterpflicht zurückkehren: Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Betonsteinhersteller, Estrichleger, Behälter- und Apparatebauer, Parkettleger, Rollladen- und Sonnenschutztechniker, Drechsler, Böttcher, Raumausstatter, Glasveredler, Orgel- und Harmoniumbauer sowie Schilder- und Lichtreklamehersteller.

Es ist Zeit, auch Berufe wie Fotografen, Brauer oder Schuhmacher stärker zu schützen. Wer hat am Ende schon gerne unscharfe Hochzeitsfotos?

Hier lesen Sie unseren Kontra-Kommentar: Weiterbildung ist wichtiger als Meistertitel.

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