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Handel

06.12.2018

Protest bei Unilever: Die eiskalten Geschäfte des Magnum-Konzerns

Zum Unilever-Konzern gehören rund 400 Marken. Dazu zählen Magnum- und Langnese-Eis ebenso wie Knorr-Suppen und Lipton-Eistee. Trotz Milliardenumsätzen will der Konsumgüterriese noch mehr Gewinn machen. 
Bild: Daniel Bockwoldt, dpa

Unilever will bis 2020 mehr Gewinn machen. Der Betriebsrat stellt sich dagegen. Denn damit der Lebensmittelkonzern noch erfolgreicher wird, müssen Mitarbeiter gehen.

Wer im Supermarkt an den Regalen vorbeischlendert, hat keine Chance, die Produkte von Unilever zu verpassen. Knorr, Langnese, Magnum, Dove oder Lipton sind nur fünf von insgesamt 400 Marken, die Teil des Mega-Konzerns sind. Suppen, Eiscreme und Duschbäder von Unilever gehören zum Alltag der Menschen und das Unternehmen verdient Milliarden damit. Aber Unilever will mehr. Mehr Gewinn und mehr Macht. Der Preis dafür? Einsparungen und hunderte Arbeitsplätze.

Bis 2020 liegt das Gewinnziel von Unilever bei 20 Prozent. Viel zu hoch, sagt der Unilever-Gesamtbetriebsratschef Hermann Soggeberg: „Das ist maßlos. Selbst Porsche hat ein geringeres Profit-Ziel.“ Schon seit Monaten gehen die Beschäftigten unter dem Motto „Mensch vor Marge“ auf die Straße. Sie wollen, dass das Unternehmen nicht den Gewinn in den Fokus rückt, sondern die Menschen, die dort arbeiten. Dafür verbünden sie sich mit Nestlé-Mitarbeitern – der zweite große Konzern mit strengem Sparprogramm. Sie demonstrieren gegen Standortschließungen und die immer höheren Rendite-Ziele. Denn um die Vorgaben zu erreichen, sind bei beiden Konzernen Einschnitte nötig. Um Lohnkosten runterzubringen, wird unter anderem Personal abgebaut.

Unilever will sechs Milliarden Euro einsparen

Bis 2020 plant Unilever laut Soggeberg, sechs Milliarden Euro einzusparen. Der Gesamtbetriebsratschef nimmt das große Sparprogramm nicht hin. „Gesunde Unternehmen wollen höhere Gewinne erzielen und dafür verlieren Menschen ihren Job“, sagt er. Das sei nicht akzeptabel. Am Ende leide nicht nur die Qualität, sondern vor allem die Mitarbeiter. Die einen haben keine Stelle mehr, die anderen müssen mehr arbeiten. „Weil der Spardruck zu hoch ist, steigt die Belastung für die Beschäftigten.“

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Aber was steckt hinter dem großen Sparprogramm von Unilever? Mit der versuchten Übernahme durch den US-Konzern Kraft-Heinz im Jahr 2017 habe alles angefangen, sagt Soggeberg. Unilever verkaufte die Margarine-Marken Becel, Rama und Flora an Finanzinvestoren. Zu schwach sei das Geschäft in dem Segment gewesen, heißt es. Dabei begann bei dem großen Konsumgüterriesen einst alles mit den Brotaufstrichen. Aktuell läuft es gut bei Unilever. Das Unternehmen wächst. „Wir sind weiterhin auf dem Weg zu unseren 2020-Zielen“, sagt Unilever-Chef Paul Polman in einer aktuellen Pressemitteilung. Mit einem Rendite-Ziel von 20 Prozent ist Unilever Spitzenreiter in seiner Branche. Zum Vergleich: Nestlé peilt einen Gewinn von bis zu 18,5 Prozent an, 2,5 Prozent mehr als noch 2017.

Mit der Zielmarge von 20 Prozent sei keine Aussage über die Anforderung an einzelne Absatzmärkte oder  Lebensmittelkategorien getroffen worden, sagt Konstantin Bark, Pressesprecher von Unilever Deutschland. „Generell ist eine Marge in diesem Bereich für keine der Kategorien, in der wir tätig sind, die Ausnahme, sondern stellt eher den Durchschnitt dar.“ In Bezug auf die Leistung des Konzern sei die Rendite von 20 Prozent nach Ansicht des Unternehmens also durchaus angemessen.

Nirgendwo sind Lebensmittel so günstig wie in Deutschland

In den vergangenen Jahren lag die Umsatzrendite von Unilever bei rund 17 Prozent. Ein guter Wert. Doch nachdem Kraft-Heinz mit der Übernahme gescheitert war, hat Unilever seinen Aktionären versprochen, noch mehr Gewinn zu machen. Dass das auf Kosten der Beschäftigten laufen soll, ärgert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. „Wir fordern die Lebensmittelkonzerne dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und solche Strategien künftig zu unterlassen“, heißt es in einer Mitteilung.

Unternehmen wie Unilever stehen in ständigem Wettbewerb. Deshalb sei es normal, dass der Konzern stets die Kosten überprüfen müsse, sagt Unilever-Pressesprecher Bark. Eine größere Gefährdung von Arbeitsplätzen gehe aber nicht von neuen Rendite-Zielen aus. Aus Barks Sicht stehen Jobs vor allem dann auf dem Spiel, wenn ein Unternehmen nicht auf veränderte Marktanforderungen reagiert – zum Beispiel auf andere Gewohnheiten und Bedürfnisse der Konsumenten oder neue Einkaufskanäle.

In der Kritik steht der Lebensmittelriese Unilever nicht zum ersten Mal. Weil der Konzern die Lieferpreise drastisch erhöht hatte, gibt es bei der Supermarktkette Kaufland seit September weder Knorr-Suppe noch Axe-Deo. 480 Produkte verbannte Kaufland aus den Regalen. Für die Supermarkt-Kunden wird der Preiskampf im Lebensmittelhandel damit sichtbar.

Dass die Preise der Unilever-Produkte ansteigen, müssen Kunden allerdings eher nicht befürchten. Nirgendwo in Europa gibt es Lebensmittel so günstig wie in Deutschland. „Eine Preiserhöhung im Handel ist schwer umzusetzen“, sagt Soggeberg. Ist die Knorr-Suppe zu teuer, greifen Kunden zu Maggi. Steigt der Preis vom Dove-Duschgel, geht der Kunde ein Regal weiter. Zahlen müssen also nicht die Kunden, sondern die Beschäftigten.

*Dieser Text wurde aktualisiert und eine Stellungnahme von Unilever berücksichtigt

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