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Prozess
20.03.2019

Glyphosat – ein teures Risiko für Bayer

Der Unkrautvernichter Glyphosat soll Felder von ungewollten Pflanzen befreien. Der Streit darüber, ob er krebserregend ist, belastet Bayer schwer.
Foto: Patrick Pleul, dpa

Ist das Unkrautmittel von Bayers Tochterfirma Monsanto krebserregend? Ja, sagt ein US-Gericht. Anleger reagieren panisch, der Börsenwert bricht ein.

Es ist ein empfindlicher Rückschlag für Bayer: Im wichtigen US-Großprozess um angebliche Krebsrisiken von Monsantos Unkrautvernichter Roundup, der Glyphosat enthält, hat das Unternehmen den ersten Teil klar verloren. Die Jury des zuständigen Bundesbezirksgerichts in San Francisco befand am Dienstag (Ortszeit) einstimmig, dass das Produkt mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat ein wesentlicher Faktor für die Lymphdrüsenkrebs-Erkrankung des 70-jährigen Klägers Edwin Hardeman gewesen ist.

Bayer zeigte sich in einer Stellungnahme enttäuscht von der Entscheidung der Jury. Das Unternehmen sei weiterhin fest davon überzeugt, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen, dass glyphosatbasierte Herbizide keinen Krebs verursachen. „Wir haben großes Mitgefühl mit Herrn Hardeman und seiner Familie – dennoch stützen umfangreiche wissenschaftliche Erkenntnisse die Schlussfolgerung, dass Roundup nicht die Ursache seiner Krebserkrankung ist“, heißt es in dem Statement. Bayer stehe hinter diesen Produkten und werde sie entschieden verteidigen.

In den USA geht der Prozess nun mit derselben Jury in eine zweite Phase. In der sollen die Haftungsfragen geklärt werden. Dabei geht es etwa darum, ob Monsanto über Risiken hinwegtäuschte und wie hoch der mögliche Schadenersatz ausfallen könnte. Sollte Monsanto für haftbar befunden werden, könnte das Bayer viel Geld kosten. Ab jetzt gehe es für den Konzern nur noch um Schadensbegrenzung, mit Blick auf die zweite Prozessphase sei das Schlimmste zu befürchten, meint Analyst Gunther Zechmann von Bernstein Research. Bayer ist hingegen zuversichtlich, im zweiten Teil des Prozesses beweisen zu können, dass Monsantos Verhalten angemessen war und das Unternehmen nicht für Hardemans Krebserkrankung haftbar gemacht werden sollte.

Für Bayer-Chef Baumann wird es durch Monsantos Probleme brenzlig

Die Börse reagierte prompt auf das Urteil. Die Furcht vor weiteren Milliardenlasten, die Bayer entstehen könnten, lösten am Mittwoch ein Beben aus: Der Aktienkurs des Pharma- und Agrarchemiekonzerns brach im Dax am Vormittag um rund zwölf Prozent ein. Damit wurden fast acht Milliarden Euro an Börsenwert vernichtet. Die Wahrscheinlichkeit steige, dass Bayer eine große Zahl der vielen tausend Glyphosat-Klagen in den USA verlieren könnte, warnte Michael Leacock vom Investmenthaus Mainfirst. Er rechnet aktuell mit rund elf Milliarden Euro an Rechtskosten für den Konzern.

Für Bayer und Konzernchef Baumann ist der Fall Hardeman hochbrisant, da es sich um einen richtungsweisenden „Bellwether Case“ handelt. Damit ist im US-Recht eine Art Musterfall in einem Massenverfahren gemeint. Mehrere dieser repräsentativen Fälle sind angesetzt. Sie sollen den Streitparteien helfen, das Ausmaß von Schäden und die Höhe denkbarer Vergleichszahlungen besser abschätzen zu können. Insgesamt sind bei dem zuständigen US-Richter Vince Chhabria mehrere hundert Klagen von Landwirten, Gärtnern und Verbrauchern gebündelt. Bis Ende Januar wurden Monsanto in den USA glyphosatbezogene Klagen von etwa 11.200 Klägern zugestellt. Am 28. März soll bereits ein weiterer Prozess bei einem Landgericht im kalifornischen Oakland starten, weitere folgen.

Für Bayer-Chef Baumann, der als treibende Kraft der Rekordübernahme gilt, wird es durch Monsantos Probleme brenzlig. „Mit dieser Transaktion schaffen wir erheblichen Wert für die Aktionäre, unsere Kunden, Mitarbeiter und für die Gesellschaft insgesamt“, hatte er versprochen, als er den Deal 2016 besiegelte. Doch stattdessen litt der Aktienkurs und es hagelt Kritik von allen Seiten. Angesichts der Schwäche an der Börse könnte Bayer nach Einschätzung von Experte Markus Mayer von der Baader Bank sogar selbst zum Übernahmeziel werden, sollte der Kurs sich wieder der Tiefstände von 2018 nähern.

Die Glyphosat-Klagen kosten viel Geld

Die US-Klagewelle gegen Bayer war so richtig ins Rollen gekommen, nachdem eine Geschworenenjury dem Krebspatienten Dewayne Johnson in einem anderen Verfahren im August insgesamt 289 Millionen Dollar an Schmerzensgeld und Entschädigung zugesprochen hatte. Die Richterin senkte zwar die Strafe gegen den im vergangenen Jahr von Bayer übernommenen US-Saatgutkonzern Monsanto später auf gut 78 Millionen Dollar (69 Mill. Euro), im Grundsatz änderte sie am Urteil aber nichts.

Der Bayer-Aktienkurs war nach dem Urteil im August eingebrochen. Anleger und Analysten warfen bereits damals die Frage auf, ob die Leverkusener die Risiken des rund 63 Milliarden Dollar teuren Monsanto-Kaufs unterschätzt hätten. Bayer gab sich zuletzt noch betont optimistisch: Bislang sah das Unternehmen keinen Grund, für Schadenersatzzahlungen Vorsorge zu leisten. Viel Geld kosten die Glyphosat-Klagen aber dennoch schon: Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten stiegen im vergangenen Jahr um rund 660 Millionen Euro. „Wir stellen hier im Wesentlichen für drei Jahre Verteidigungskosten zurück“, erklärte Finanzchef Wolfgang Nickl während einer Bilanzpressekonferenz Ende Februar.

Nickl wird sich mit Bayer-Chef Baumann auf der Hauptversammlung am 26. April harscher Aktionärskritik stellen müssen. So bezeichnete Christian Strenger, Gründungsmitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, den Monsanto-Kauf in einem dem Manager Magazin vorliegenden Brief als „den größten und schnellsten Wertvernichter der Dax-Geschichte“. Er fordert, dem Bayer-Vorstand die Entlastung zu verweigern. (Hannes Breustedt und Michael Schilling, dpa)

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Die Diskussion ist geschlossen.

22.03.2019

"Bayer zeigte sich in einer Stellungnahme enttäuscht von der Entscheidung der Jury. Das Unternehmen sei weiterhin fest davon überzeugt, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen, dass glyphosatbasierte Herbizide keinen Krebs verursachen."

Wer hätte das gedacht, dass dieser Dreck Krebs erzeugt? Am allerwenigsten Bayer, sonst hätte man das Produkt ja nie und nimmer übernommen. Was jetzt? Einzige Möglichkeit, hier in Europa, Afrika und Asien, bzw. in vermeintlichen Gebieten halt, wo man glaubt es wird sich wenig Sorgen um die Gesundheit der Menschen gemacht, dort verstärkt mit der Harmlosigkeit zu werben. Letztlich macht man sich viel mehr Gedanken um fallende Aktienkurse und Gewinneinbrüche als um die Gesundheit der Menschen.

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