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Industrie

23.02.2020

Regierung ist ratlos über die Leiharbeit

Montagemitarbeiter arbeiten im Mercedes-Benz-Werk in der Aggregateaufrüstung an Antriebssträngen für die S-Klasse.
Bild: Sebastian Gollnow, dpa

Die Bundesregierung weiß nicht, wie viel Menschen in der Autoindustrie in Leiharbeit oder mit Werkverträgen arbeiten. Und das mitten in einem großen Umbruch.

In der Krise müssen sie zuerst gehen: Leiharbeiter oder Beschäftigte mit Werkverträgen. In der erfolgsverwöhnten Autoindustrie stellt der langsame Abschied von Diesel und Benziner Gewissheiten auf die Probe. In den vergangenen Jahren hatte die Branche immer mehr Personal eingestellt, jetzt werden zehntausende Stellen gestrichen.

Die Bundesregierung lädt Hersteller und Gewerkschaften regelmäßig zu Gesprächen auf höchster Ebene, wie der wichtigste Industriezweig des Landes den Wandel meistern kann. Doch sie hat keine Ahnung davon, wie viele Leiharbeiter oder Werkverträgler gehen mussten. Das hat eine Anfrage der Linken an die Regierung ergeben.

Linken-Chef Bernd Riexinger: „Schockierendes Maß an Desinteresse“

„Der Bundesregierung liegen hierzu keine statistischen Erkenntnisse vor“, lautete die Antwort. Linken-Chef Bernd Riexinger hält das für sträfliche Ignoranz.

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„Dass die Bundesregierung in einem so zentralen Bereich keine Daten über das Schicksal dieser Beschäftigten erhebt, offenbart ein schockierendes Maß an Desinteresse“, sagte er unserer Redaktion. Die Leiharbeiter dürften nicht vergessen werden. „In unsicheren Zeiten leiden immer zuerst die Menschen in unsicheren Arbeitsverhältnissen“. Nach der Schätzung der IG Metall sind derzeit noch 53000 Leiharbeiter bei Herstellern und Zulieferern eingesetzt. Wegen neuer Einsparungen wie zuletzt bei Daimler sind ihre Stellen besonders bedroht.

In den Tarifverhandlungen geht es um Jobsicherung

Der Absatz in China, dem wichtigsten Automarkt der Welt, ist im Januar um 20 Prozent eingebrochen. So oder so werden in den nächsten Jahren weitere Arbeitsplätze gekürzt werden, wenn die Experten mit ihren Prognosen recht behalten. Für den Bau von Elektromotoren braucht es weniger Hände als für Verbrennermaschinen. Ein Extremszenario sorgte jüngst für Schlagzeilen, als von über 400.000 wegfallenden Stellen die Rede war. Die Autoindustrie selbst hält eine mildere Entwicklung für realistisch. Demnach muss bis 2030 mit einem Verlust von 79.000 bis 88.000 Stellen gerechnet werden. Das sind immerhin zehn Prozent der festen Stellen in der Autobranche.

In den anstehenden Tarifgesprächen steht für die Gewerkschaft die Sicherung von Beschäftigung an erster Stelle, nicht die Lohnsteigerung. Die IG Metall hat den Arbeitgebern ein Zukunftspaket vorgeschlagen. Die Unternehmen sollen auf Personalabbau und Standortschließungen verzichten, für einzelne Fabriken sollen Zusagen für Investitionen festgeschrieben werden. Die Bundesregierung hat Gewerkschaften und Unternehmen zugesichert, sie im schwierigen Umbruch zu unterstützen. Das Kurzarbeitergeld soll leichter als bisher von 12 auf 24 Monate verlängert werden, wenn es nötig ist. Die Arbeitsämter sollen außerdem die Weiterbildung von Mitarbeitern stärker fördern können.

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