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Porträt

11.11.2018

René Benko: Dieser Mann hat Großes mit Karstadt und Kaufhof vor

René Benko hat Karstadt und Kaufhof gekauft.
Bild: Hans Klaus Techt, dpa

Einst schmiss der Österreicher René Benko die Schule. Heute ist er einer der erfolgreichsten Unternehmer seines Landes – und hat Großes mit Kaufhof und Karstadt vor.

Die Geschichte vom Aufstieg des René Benko lässt sich auf zwei Arten erzählen. Für die einen ist der österreichische Unternehmer, der aus den beiden Warenhäusern Karstadt und Kaufhof einen neuen Großkonzern formen will, der Inbegriff eines Selfmade-Milliardärs. Eines Mannes also, der es ganz nach oben geschafft hat – und zwar aus eigener Kraft, gegen alle Widerstände.

Die anderen trauen dem 41-Jährigen nicht über den Weg. Benko hat einen zweifelhaften Ruf. Er gilt als schillernder Unternehmer, der zwar nicht mit Worten, dafür aber mit Negativschlagzeilen und Statussymbolen auffällt. Der österreichische Falter zitierte vor einigen Jahren Klassenkameraden, die berichteten, dass Benko schon in jungen Jahren in Goldkettchen auftrat und sich einen Ferrari leistete.

René Benko wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteílt

Der Sohn einer Erzieherin schmiss mit 17 kurz vor der Matura die Schule, baute lieber dunkle Dachböden zu luxuriösen Wohnungen aus. Mit 22 Jahren gründete er eine eigene Immobilienfirma, heute ist seine Signa Holding der größte Immobilienhändler des Landes. Das österreichische Magazin Trend schätzt Benkos Vermögen auf 3,2 Milliarden Euro.

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Dem Unternehmer hängt jedoch der Ruf an, dass es nicht bei allen seinen Geschäften mit rechten Dingen zugeht. 2012 verurteilte das Landesgericht Wien ihn zu zwölf Monaten auf Bewährung. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Benko dem früheren kroatischen Premierminister Ivo Sanader über einen Mittelsmann 150.000 Euro geboten hat, damit der ein Steuerverfahren in Italien zugunsten der Signa Holding beeinflusst.

Dass Benko seitdem vorbestraft ist, hat ihm seine Geschäfte nicht verhagelt. Im Gegenteil: Fast alles, was der Österreicher anfasst, gelingt ihm auch. Umso überraschter waren viele Beobachter, als der Unternehmer 2013 die angeschlagene deutsche Warenhauskette Karstadt von Investor Nicolas Berggruen übernahm. Viele hatten nicht erwartet, dass der Konzern noch zu retten ist. Benko bewies ihnen das Gegenteil. Er machte den Chefkontrolleur Stephan Fanderl zum Vorstandsvorsitzenden. Der Manager, der aus einer alteingesessenen Ingolstädter Handelsfamilie stammt, warf viele Marken aus den Karstadt-Regalen und baute das Online-Geschäft aus. In diesem Jahr machte Karstadt erstmals wieder Gewinn, Ende Oktober eröffnete der Konzern in Berlin gar eine neue Filiale – die erste seit rund 30 Jahren.

René Benko will Kaufhof und Karstadt fusionieren

Lange hatte Benko zudem versucht, auch den Konkurrenten Kaufhof zu übernehmen. Schon als kaum jemand einen solchen Schritt überhaupt für möglich hielt, träumte er öffentlich von einer Deutschen Warenhaus AG, einem Konzern also, der Karstadt und Kaufhof unter einem Dach vereint.

Jetzt ist der umtriebige Milliardär am Ziel. Die eigentliche Arbeit – die Sanierung der angeschlagenen Kaufhof-Filialen – dürfte nun aber erst beginnen.

Früher einmal waren Kaufhäuser verbunden mit dem Traum von einem besseren Leben. Heute ist in der Warenhaus-Welt nichts mehr, wie es einmal war. Wie kleine Häuser versuchen, sich gegen diesen Trend zu stemmen, lesen Sie in dieser Reportage aus dem Kaufhaus Woha in Donauwörth.

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