1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Roboter-Tankwart für die Garage: Das ist die neue Kuka-Erfindung

Technik

11.07.2019

Roboter-Tankwart für die Garage: Das ist die neue Kuka-Erfindung

Kuka will neue Produkte auf den Markt bringen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Immer wieder musste sich Kuka den Vorwurf anhören, der Konzern sei zu wenig innovativ. Nun stellt der Roboterbauer seine neusten Produkte vor.

Die Kuka-Ingenieure wirken erleichtert. Endlich können sie wieder die Innovationen des Augsburger Roboter- und Anlagenbauers hervorheben. Monatelang dominierten immer neue Nachrichten über geschasste Top-Manager, nicht so gut wie erwartet gelaufene Geschäfte und einen erneuten Stellenabbau die Berichte. Das soll sich nun ändern. Roboter-Spezialisten sind am Mittwoch und Donnerstag nach Augsburg zu Kuka gekommen.

Kuka war dieses Jahr nicht auf der Hannover Messe

Dort konnten Geschäftspartner, Kunden und Fachjournalisten in die Labors schauen und mit den Entwicklern sprechen. Das Unternehmen hat sich in diesem Jahr dafür entschieden, nicht an der Hannover Messe teilzunehmen und dafür Experten aus aller Welt nach Augsburg einzuladen. Das Interesse war groß. Rund 400 Interessierte kamen allein am Donnerstag. Sie konnten von Halle zu Halle gehen. Kuka-Chef Peter Mohnen, der auch Kritik für seine Entscheidung, in diesem Jahr die weltgrößte Industrieschau zu meiden, einstecken musste, sagte: „Augsburg ist das bessere Hannover.“ Kuka wolle am Stammsitz – „der Herzkammer des Unternehmens“ – zeigen, was der Konzern alles könne.

Dabei bestätigte Kuka auf Anfrage unserer Redaktion, auch 2020 nicht auf der Hannover Messe vertreten sein zu wollen. Das haben Kenner des Unternehmens erwartet, findet im nächsten Jahr in München doch wieder die Automatica, also die Leitmesse für Robotik und Automation, statt. In solchen Jahren lassen die Augsburger meist die Hannover Messe ausfallen. Wie zu erfahren ist, prüft der Konzern für 2021 aber eine Rückkehr zur Industrieschau in Niedersachsen. Dort waren schon Spitzenpolitiker wie Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama am Kuka-Stand zu Gast. Die Augsburger konnten über viele Jahre hinweg den Namen des Roboterbauers immer bekannter machen.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

In Augsburg stellt Kuka einen Tankroboter vor

Ob Augsburg das bessere Hannover ist, muss sich indes noch erweisen. Bei dem Rundgang durch die Werkshallen wird aber deutlich: Über Kuka gibt es reichlich Geschichten zu erzählen, die nicht von Problemen und Stellenabbau handeln. So haben Augsburger Experten einen Tankroboter für Elektrofahrzeuge erfunden. Das Forschungsprojekt mit Volkswagen führte zu einer Lösung, die schon ab nächstem Jahr Kunden finden könnte. Der Besitzer eines strombetriebenen Fahrzeugs fährt in seine Garage, verschließt das Tor. Alles Weitere übernimmt der Roboter. Wie von Zauberhand öffnet sich der Tankdeckel. Der vergleichbar platzsparend ausgefallene Roboterarm fährt aus und setzt den Stecker auf. So wird das Auto aufgetankt, ohne dass der Besitzer nur einen Gedanken daran verschwenden muss. Dank einer Kamera findet der Tankwart des Elektrozeitalters sein Ziel. Kuka-Experte Günther Schulze sagte: „Der Kunde muss dieses Gerät nicht programmieren.“

Kuka-Tankroboter könnten künftig Elektroautos wieder mit Energie versorgen. Die Technik wurde gemeinsam mit dem VW-Konzern erforscht.
Bild: Kuka

Die Technik ist also einfach. Und die Kuka-Ingenieure, die für diese Innovation Auszeichnungen einsammelten, achten darauf, dass am Ende ein Preis steht, der sich am Markt durchsetzen lässt. Noch steht nicht fest, wie viel der Tank-Assistent kosten soll. Denkbar ist, dass Kuka-Roboter auch an Tankstellen zum Einsatz kommen und E-Autos wieder mit Energie versorgen. Das wäre sozusagen die Wiedergeburt des Tankwarts, wenn auch in Form einer Maschine. Der Fahrer stellt dann einfach sein Auto ab, geht auf die Toilette, trinkt einen Kaffee und liest etwas. Kommt er zurück, ist sein Stromer vollgetankt.

Auch in der Medizintechnik ist Kuka aktiv

Kuka-Produkte – auch das zeigt der Rundgang – werden auch immer mehr von Ärzten eingesetzt. In einem Forschungsprojekt mit Partnern aus der Wissenschaft, der Medizin und Siemens entwickeln Augsburger Experten einen Roboter, der den Brustbereich einer Frau untersuchen kann, um so Krebs leichter diagnostizieren zu können. Die dafür erforderliche Entnahme von Gewebe mittels einer Biopsie-Nadel ist dadurch deutlich einfacher und verursacht weniger Schmerzen.

Das von der EU geförderte Projekt steckt noch in der Entwicklungsphase. Konzernchef Mohnen sagte jedenfalls bei der Hausmesse: „Wir investieren weiter stark in den Standort Augsburg.“ So zeigten die Forscher dort auch einen Roboter, der sich dank Kameratechnologie und dem Einsatz Künstlicher Intelligenz in Logistikzentren beibringen kann, unterschiedliche Produkte rasch zu greifen und entsprechend zu sortieren.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren