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Roboterbauer
31.05.2017

Kuka will 100 Millionen Euro in Standort Augsburg investieren

Kuka baut den Augsburger Standort weiter aus. Die Beschäftigten können sich etwa auf neue Hallen freuen.
Foto: Ulrich Wagner

Nach der Übernahme durch Midea gab es Zweifel, ob die Chinesen den deutschen Standort ausbauen. Es bleibt aber offen, wie es 2024 nach dem Ende der Jobgarantie weitergeht.

Sie stehen unter besonderer Beobachtung. Jede Äußerung eines Spitzenmanagers des chinesischen Haushaltsgeräte-Riesen Midea wird von vielen der in Augsburg rund 3500 Beschäftigten des Kuka-Konzerns auf mögliche negative Folgen für den Hauptsitz des bayerischen Roboterbauers abgeklopft. Zwar hat das Management des Unternehmens eine in dieser Form wohl weltweit einmalige mitarbeiterfreundliche Vereinbarung mit den Investoren aus Fernost geschlossen. So wurden bis Ende 2023, also ungewöhnlich lange, weitreichende Standort- und Jobgarantien festgeschrieben. Auch sollen die verbliebenen Aktionäre nicht aus der Firma gedrängt werden. Midea hält 94,6 Prozent der Aktien.

Aber man weiß ja nie. In Aktiengesellschaften geht es mitunter rüde zu. So werfen Kleinaktionäre auf der Kuka-Hauptversammlung am Mittwoch in Augsburg die Frage auf, wie es 2024 weitergeht, ob die Schwüre der Chinesen dann noch gelten. Der neue Kuka-Aufsichtsratschef und Midea-Mann Andy Gu will, auch wenn ihn Anteilseigner dazu auffordern, keine über den Vertrag hinausgehende Standort- und Arbeitsplatzversprechen abgeben.

Kuka-Chef: "Das Unternehmen will weiter in den Standort Augsburg investieren"

Kuka-Chef Till Reuter wirkt jedenfalls zufrieden mit dem neuen, starken Anteilseigner. In seiner Rede vor den Aktionären sagt er zwei Mal, das Unternehmen wolle weiter in den Standort Augsburg investieren. Ins Detail geht er nicht. Im Gespräch mit unserer Zeitung am Rande der Hauptversammlung wird der Manager dann konkreter. Nachdem die Firma bereits rund 60 Millionen Euro in ein neues Technologie- und Forschungszentrum in Augsburg gepumpt hat, soll unter chinesischer Regie das Investitionstempo erhöht werden. Reuter macht die spektakuläre Ankündigung: „Wir werden in den nächsten drei Jahren mehr als 100 Millionen Euro in den Standort Augsburg stecken.“ Es sollen Produktionshallen ersetzt und Büros gebaut werden. Weitere Einzelheiten nennt er nicht.

 

Gut 100 Millionen Euro sind selbst für ein Unternehmen wie Kuka eine enorme Summe. Nach Steuern hat der Roboterbauer im vergangenen Jahr rund 86 Millionen Euro verdient. Der unter besonderer bayerischer Beobachtung stehende Midea-Manager Gu hält also erst einmal Wort, schließlich hatte er im Interview mit unserer Zeitung im Januar versprochen: „Wir sind als langfristige Investoren gekommen, die Arbeitsplätze in Augsburg heute und morgen sichern wollen.“

Damit haben sich Ängste von Beschäftigten zerstreut, dass im Midea-Zeitalter das Geld vor allem in chinesische Kuka-Werke fließt. Natürlich expandiert das Unternehmen auch kräftig in Asien. Insbesondere in China ist die Nachfrage nach Robotern besonders groß. Kuka profitiert davon und hofft, dass Midea den Augsburgern dort weitere Aufträge bringende Türen aufreißt. Es läuft derzeit also vieles gut für die Automatisierungs-Spezialisten.

Trotz aller Erfolge bleiben die Kleinaktionäre skeptisch

Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel hält Kuka die Treue, obwohl es nach wie vor auch von Kleinaktionären reichlich Kritik gibt, dass ausgerechnet eine deutsche Technologieperle in asiatische Hände gefallen ist. Reuter sagt zur Anhänglichkeit der CDU-Chefin: „Sie hat es wieder getan und uns zum dritten Mal die Ehre erwiesen.“ Merkel besuchte Kuka auf der Hannover Messe. Dazu gesellt sich ein weiteres Erfolgserlebnis. Den Kuka-Verantwortlichen ist es gelungen, mit Henning Kagermann einen der renommiertesten deutschen Manager für den Aufsichtsrat zu gewinnen. Der Ex-SAP-Chef ist Physiker und ein Technik-Visionär.

Trotz aller Erfolge bleiben Kleinaktionäre skeptisch. Einer von ihnen ist Wolfgang Linder. Der 66-Jährige hat nichts dagegen, dass Chinesen bei Kuka eingestiegen sind. Ihm missfällt aber die Dominanz der Asiaten. Der Anleger hätte sich neben Midea auch ein bis zwei deutsche Großinvestoren für Kuka gewünscht. Linder wirft früheren heimischen Kuka-Mitbesitzern – also Voith und der Loh-Gruppe – „Versagen“ vor. Beide Investoren hatten Kasse gemacht und ihre Aktienpakete versilbert. Linder bemängelt, „dass sich die beiden deutschen Unternehmen nicht um das langfristige Wohl der Beschäftigten in Augsburg gekümmert haben“. Das hätte sich für anständige Unternehmer gehört.

Kleinaktionäre wie Wolfgang Linder wollen ihre Kuka-Papiere behalten, steht der Börsenkurs doch immerhin noch bei rund 106 Euro. Auch gibt es für 2016 pro Aktie eine Dividende von 50 Cent, so viel wie im Vorjahr.

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