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30.09.2019

Ruku aus Illertissen: Hier wurde die Bierbank für die Wiesn erfunden

Vertriebsleiter Felix Zettl posiert mit der charakteristischen Ruku-Bierbank (links) und dem platzsparenden Modell, das auf dem Oktoberfest zum Einsatz kommt.
Bild: Franziska Wolfinger

Plus Ohne die Biergarnitur wäre das Oktoberfest in München kaum denkbar. Erfunden wurde das Möbelstück für alle Fälle von der Illertisser Firma Ruku.

Die Bierzelte auf der Münchner Theresienwiese sind voll: Dort drängen sich derzeit Einheimische und Touristen in Feierlaune. Genau das Gegenteil ist dieser Tage in der Illertisser Firma Ruku Event zu beobachten. Fast ein bisschen ausgestorben wirkt es dort, wo sonst fleißig gearbeitet wird. Man begegnet nur vereinzelt einem Angestellten. Der Grund dafür ist ebenfalls das Oktoberfest in München.

Nein, die Illertisser Ruku-Mitarbeiter machen keinen zweiwöchigen Betriebsausflug auf die Wiesn. Aber nachdem in den vergangenen Monaten bei Ruku Hochbetrieb herrschte, ist jetzt Ruhe eingekehrt. Denn auch in Illertissen wurde fleißig auf Deutschlands größtes Volksfest hingearbeitet: Denn die Mitarbeiter stellen etwas her, ohne das viele Feste gar nicht denkbar wären: die Biergarnitur.

1951 meldete Rudolf Kurz das Patent für das Klappmöbelschloss an

1951 wurde das Klappmöbel in Illertissen erfunden. Rudolf Kurz, Chef und Namensgeber des Unternehmens Ruku, meldete damals das Patent für ein neuartiges Klappmöbelschloss an. Der Schnapper, der die Tischbeine an der Tischplatte fixiert, wenn die Garnitur zusammengeklappt wird, sei die große Innovation gewesen, erklärt Felix Zettl, der heute als Vertriebsleiter und stellvertretender Geschäftsführer bei Ruku Event arbeitet.

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Zettl kennt sich bestens aus mit der mehr als 150-jährigen Geschichte von Ruku. Ein Markenname, den die Meisten vermutlich eher mit Garagentoren als mit Biertischen verbinden. Der 1852 gegründete Betrieb, damals eine Säge- und Gipsmühle, hat sich stetig weiterentwickelt und immer neue Produkte in sein Programm aufgenommen. 1900 kamen Holz- und Kofferleisten dazu, 1930 produzierte die Firma hölzerne Flaschenkisten. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte der Einstieg in den Bausektor. Kurz darauf begann Ruku, Garagentore herzustellen. Ab 1965 begann die serienmäßige Produktion des Ruku-Kipptores als Federzugtor. Zum Ende dieses Jahrzehnts kam mit der Saunaproduktion ein weiteres Standbein dazu.

Doch trotz aller Neuerungen: 2009 folgte der große Knall. Das Unternehmen geriet in Schieflage, musste Insolvenz anmelden. Die einzelnen Sparten wurden verkauft, wodurch Arbeitsplätze in Illertissen erhalten werden konnten. Drei Firmen führen heute die alten Geschäftszweige weiter. Die Biergarnituren sind bei Ruku Event gelandet. Die Firma fertigt Faltpavillons, Klappmöbel, mobile Bierstände und aufblasbare Werbeträger.

Auch wenn die Biergarnitur in Illertissen erfunden wurde – Konkurrenz gibt es für den Hersteller des Originals inzwischen mehr als genug. Wer dieser Tage auf dem Oktoberfest unterwegs ist und sich fragt, ob er wohl auf einer „echten“ Ruku-Garnitur sitzt, kann das leicht feststellen. Schmerzen die Knie, weil sich der Wiesn-Besucher beim Setzen an den Tischbeinen gestoßen hat, ist es vermutlich ein Konkurrenzprodukt. Die Ruku-Tische, die auf der Theresienwiese stehen, unterscheiden sich vom altbekannten Standardmodell. Und zwar durch ihr x-förmiges Untergestell. Dass sich die Wiesnwirte für die Tische mit mehr Beinfreiheit entscheiden, hat allerdings nicht nur mit höherem Komfort für die Gäste zu tun. Vertriebsleiter Felix Zettl erläutert: „Da stecken wirtschaftliche Interessen dahinter.“ Diese Garnituren können enger gestellt werden – und mehr Platz für die Wiesnbesucher bedeutet mehr Umsatz.

Ruku-Garnituren gelten als besonders langlebig

Zum Oktoberfest sagt Zettl: „Für uns ist das heute noch eine schöne Prestigesache“. Doch inzwischen machen die Münchner Brauereien nicht mehr den Löwenanteil am Gesamtvolumen des Geschäfts aus. Von den etwa 70.000 bis 80.000 jährlich produzierten Garnituren gehen nur rund 4000 auf das größte Volksfest der Welt. Und zwar jedes Jahr aufs Neue. Alte, verschrammte Tische haben auf dem Oktoberfest schließlich nichts zu suchen.

Ganz generell gelten Ruku-Garnituren als besonders langlebig. Die Bänke und Tische werden einerseits mit moderner Technik auf ihre Stabilität getestet. Andererseits aber auch auf die altmodische Art – indem man sie auf das Firmendach stellt und dort mehrere Monate bis Jahre der Witterung preisgibt. Bisher wurde die Widerstandsfähigkeit der Garnituren immer wieder unter Beweis gestellt. Und so landen die ausrangierten Oktoberfest-Garnituren nicht im Sperrmüll, sondern werden weiter verkauft. Mit dem Label „Oktoberfest“ finden die Klappmöbel insbesondere in den USA reisenden Absatz, verrät Vertriebsleiter Zettl.

Am Ende bleibt nur noch eine Frage offen: Wie kam die Bierbank zur ihrer orangenen Farbe? Bei Ruku kursiert eine Geschichte dazu. „Ob da was dran ist oder das alles ins Reich der Legenden gehört – keine Ahnung“, sagt Felix Zettl und erzählt sie dennoch. Kurz nachdem Rudolf Kurz das Patent angemeldet hatte, feierte seine Erfindung ihren ersten großen Einsatz auf dem Illertisser Weinfest. Die Bedienungen schmückten die noch unlackierten Tische mit orangenen Wachstüchern. Bei strahlendem Sonnenschein sah das Bier durch die Reflexion auf den organgenen Tischen angeblich besonders gut aus. Auf dem Weinfest wurde mehr Bier als Wein getrunken und bei Ruku habe man sich entschieden, der Garnitur die womöglich umsatzsteigernde, grelle Farbe zu geben.

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