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Augsburg

24.04.2019

Scheuer und Dobrindt sollen Jobs bei Premium Aerotec retten

Bei der Augsburger Firma Premium Aerotec sind 1100 Jobs in Gefahr. Nun sollen Politiker helfen.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Plus Die CSU will Druck auf den Luftfahrt-Konzern Airbus ausüben, um die Streichung von 1100 Jobs am Augsburger Standort zu verhindern.

Die Bayerische Staatsregierung ruft nun die CSU-Spitzenvertreter in Berlin für den kriselnden Augsburger Luftfahrt-Standort von Premium Aerotec zur Hilfe. Um zu verhindern, dass im schlimmsten Fall bei dem zum europäischen Airbus-Konzern gehörenden Werk 1100 von noch rund 3600 Arbeitsplätzen gestrichen werden, hat Bayerns Arbeitsministerin Kerstin Schreyer einen Schlachtplan entworfen.

Nachdem die CSU-Politikerin zunächst gegenüber unserer Redaktion Kritik an dem möglichen Job-Abbau geübt hatte, will sie den Druck auf Airbus erhöhen, das Tochter-Unternehmen mit ausreichend Arbeit auszulasten.

Premium Aerotec leidet unter dem Aus des Airbus A380

Die Premium-Geschäftsführung befürchtet, nicht in ausreichendem Maße an neu von Airbus vergebenen Flugzeugteilen beteiligt zu werden, weil diese zunehmend an Fabriken in kostengünstigeren Ländern wie die Türkei vergeben werden. Schon heute leidet das Werk unter dem von Airbus verkündeten Aus für das Großraumflugzeug A380. Augsburg ist an dem Programm mit großen Teilen wie Flügelvorderkanten beteiligt.

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CSU-Politikerin Schreyer sieht jedenfalls den Bund in der Pflicht und wendet sich deshalb an ihre Parteikollegen, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Landesgruppenchef Alexander Dobrindt. Sie habe bereits beide Politiker gebeten, „sich für eine beständige Auftragslage bei Premium Aerotec in Augsburg einzusetzen“.

Dabei besitzt Deutschland ein Faustpfand gegenüber dem Luftfahrtriesen. Denn wie Frankreich ist das Land mit elf Prozent an dem Konzern beteiligt. Zudem hat der Bund auch den Rang eines wichtigen Kunden des Unternehmens, werden doch etwa Hubschrauber wie die Modelle Tiger oder NH90 und das Kampfflugzeug Eurofighter von Airbus abgenommen. Davon profitieren wiederum Standorte in der Region wie Donauwörth (Hubschrauber) und Augsburg sowie Manching bei Ingolstadt als Eurofighter-Werke.

In der Vergangenheit ist es immer wieder gelungen, über die politische Karte Druck auf Airbus und den europäischen Vorgängerkonzern EADS auszuüben, Werke mit Aufträgen entsprechend auszulasten. Das kam auch Luftfahrtstandorten in der Region zugute. Dabei werden Schreiben deutscher Abgeordneter von Airbus-Verantwortlichen in Toulouse genau studiert, schließlich ist Deutschland, wie es in der Aktiensprache heißt, ein wichtiger Shareholder, also Anteilseigner des Unternehmens.

Schreyer jedenfalls redet weiter den Premium- und Airbus-Managern ins Gewissen: „Die Menschen in einem Unternehmen sind dessen größtes Kapital. Sie sind maßgeblicher Teil des Unternehmenserfolgs.“ Dazu bräuchten die Beschäftigten aber Zukunftsperspektiven.

Hinter den Kulissen macht die Politik Druck auf Airbus

Schreyer, die aus Stadtbergen bei Augsburg kommende Arbeitsstaatssekretärin Carolina Trautner (CSU) und Augsburgs zweite Bürgermeisterin Eva Weber (CSU) hatten sich jetzt mit Vertretern des Betriebsrats von Premium Aerotec und der Gewerkschaft IG Metall zu einem Gespräch anlässlich der drohenden Stellenabbaupläne bei Premium Aerotec getroffen.

Auch der Augsburger Bundestagsabgeordnete Volker Ullrich (CSU) macht hinter den Kulissen Druck auf die Bundesregierung, sich gegenüber Airbus stark zu machen, sodass Premium Aerotec mehr Aufträge als bisher bekommt. In einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der unserer Redaktion vorliegt, schreibt der bayerische Abgeordnete: „Ich würde Dich daher bitten, Deinen Einfluss über die Bundesrepublik Deutschland als Anteilseigner des Airbus-Konzerns geltend zu machen, dass konzernintern eine gesicherte Auslastung der deutschen Standorte, insbesondere des Standorts Augsburg, gewährleistet werden kann.“ Dazu seien entsprechende Aufträge für Augsburg notwendig. Damit spielt auch Ullrich ganz bewusst die Shareholder-Karte.

Nun hoffen die Premium-Mitarbeiter in Augsburg, dass der neue französische Airbus-Chef Guillaume Faury das Werk besucht und sich für die Interessen der Beschäftigten einsetzt. Der Manager spricht gut deutsch und kennt die Airbus-Standorte in unserer Region. Von 2013 bis 2018 war Faury Chef der Hubschraubersparte Airbus Helicopters und damit auch für das große Werk in Donauwörth zuständig. Hinter den Kulissen wird erwartet, dass der neue Mann auf dem Airbus-Spitzenposten, den er vom Deutschen Thomas Enders übernommen hat, seine Tätigkeit nicht gleich mit einem Job-Kahlschlag in Deutschland bei Premium Aerotec in Augsburg beginnt.

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