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Lehrstellenoffensive

28.03.2018

Schleifen, sägen, bohren - wie Zimmerleute heute arbeiten

Schleifen, sägen, bohren, nageln – Holzverarbeitung ist für Jannes Krauter Alltag. Er macht eine Ausbildung bei der Zimmerei Möst in Nesselwang.
Bild: Martina Diemand

Nach dem Abi ging es für Jannes Krauter ins Handwerk. Statt Uni-Stoff zu pauken, baut er nun mit seinen Kollegen von der Zimmerei Möst Holzhäuser.

Der Rohbau steht und der Bauherr ist zufrieden – das ist der Moment, in dem Jannes Krauter immer wieder klar wird, dass sich seine harte Arbeit gelohnt hat.

Der 20-Jährige macht gerade eine Ausbildung als Zimmerer bei der Firma Möst in Nesselwang (Landkreis Ostallgäu). Was der Betrieb macht, geht über die traditionelle Aufgabe der Zimmerleute, das Errichten von Dachstühlen, hinaus. Inhaber Hans Möst hat sich mit seiner Firma auf den Aufbau von Holzhäusern spezialisiert. Das ist eine Aufgabe, die Krauter besonders spannend findet und einer der Hauptgründe, warum er sich für die Ausbildung im Betrieb von Hans Möst entschieden hat.

Wie Zimmerer heute ausgebildet werden

Rund zwei Wochen dauert es, bis der Rohbau eines Holzwohnhauses fertig ist. Azubi Jannes Krauter erklärt die Vorgehensweise: In Woche eins arbeitet er mit seinen Kollegen in der Halle des Betriebs. Die sogenannte Abbundmaschine sägt Bretter und Balken zurecht und bereitet sie für die weitere Verwendung vor. Die Zimmerer fügen die Holzbauteile dann zu Wänden zusammen. Auch die Dämmung kommt gleich dazu. Die fertigen Wände laden die Zimmerleute dann auf einen Lastwagen, der sie zur Baustelle bringt. In Woche zwei sind dann auch die Zimmerer dort und fügen die Wände zusammen. Wenn das Haus dann Form annimmt und der fertige Rohbau dasteht, sei das auch für ihn ein Erfolg, sagt Krauter. Vor allem, wenn auch die künftigen Bewohner zufrieden sind mit dem Ergebnis und der Arbeit der Zimmerer. Außerdem schätzt er gerade die Abwechslung von der Arbeit im Betrieb und draußen auf den Baustellen.

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Zimmerer sollten schwindelfrei sein - schließlich sind sie oft damit beschäftigt, Dachstühle aufzubauen. Welche Eigenschaften man für den Job noch mitbringen sollte und wie man einen Ausbildungsplatz bekommt, erklärt Lehrling Jannes Krauter im Video.
Video: Franziska Wolfinger

Chef Hans Möst bildet schon seit mehr als drei Jahrzehnten aus. Mit einem gewissen Stolz berichtet er von ehemaligen Lehrlingen und deren Karrieren nach der Ausbildung in seinem Betrieb. Einer arbeitet inzwischen in New York für das renommierte Architekturbüro von Daniel Libeskind, von dem unter anderem der Entwurf für das Jüdische Museum in Berlin stammt. Möst hat festgestellt, dass bei ihm immer mehr Lehrlinge mit einem höheren Schulabschluss anfangen, die die Ausbildung als gute Basis für ein Studium betrachten. So wie Jannes Krauter. 2016 hat er sein Abi gemacht. Irgendwann will er auch studieren, Bauingenieurwesen oder vielleicht Architektur. Egal, was es letztlich wird, Krauter will auf keinen Fall ein bloßer Theoretiker bleiben und hat sich deshalb für eine Ausbildung als Basis für ein späteres Studium entschieden. Er sagt: „Es gibt Architekten, die sich nicht so gut in die Handwerker hineinversetzen können.“ Das sei aber wichtig für eine gute Zusammenarbeit und um Pläne zu erstellen, die die Zimmerer und Mitarbeiter der übrigen Gewerke gut umsetzen können.

Ganz ungefährlich ist die Arbeit der Zimmerer nicht. Die großen Kreissägen schneiden durchs Holz wie Messer durch Butter. Jeder, der sich schon mal mit einer Handsäge und einem Ast abgemüht hat, kann sich leicht vorstellen, welche Kraft in den Maschinen steckt. Doch Angst um seine Finger hat Lehrling Krauter nicht. Die Auszubildenden werden gut auf die Arbeit mit den schweren Maschinen vorbereitet. Auch in der Berufsschule ist der richtige Umgang mit den Geräten Unterrichtsstoff. Konzentration gehöre bei der Arbeit einfach dazu, sagte der Azubi. Etwa beim Aufstellen der Holzhäuser. Die Wände, die da mit dem Kran vom Lastwagen gehoben werden, hätten schon ein ordentliches Gewicht, sagt Krauter.

Wie moderne Technik die Arbeit erleichtert

Die diversen Maschinen erleichtern den Zimmerleuten auch ihre Arbeit. Der technische Fortschritt kennt auch in diesem Gewerbe keine Pause. Für Hans Möst bedeutet das, immer mit der Zeit zu gehen, um den Anschluss nicht zu verlieren. So setzt er inzwischen auch die Technik des digitalen Aufmessens ein. Dabei wird ein bestehendes Gebäude quasi eingescannt und als maßstabgetreues dreidimensionales Computermodell angezeigt. Der Vorteil: Die Vermesser können sich nicht verschreiben. Zahlendreher oder auch nur Abweichungen um wenige Zentimeter können auf dem Bau gravierende Folgen haben.

Seine Ausbildung würde Jannes Krauter jederzeit weiterempfehlen. Zumindest denjenigen, die Spaß an und Begabung für handwerkliches Arbeiten sowie keine Höhenangst haben. Letzteres sei ein Ausschlusskriterium, findet der 20-Jährige. Schließlich sind Zimmerer regelmäßig auf den Dächern von Rohbauten anzutreffen, wo sie über die Balken balancieren.

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