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Wirtschaft

14.01.2019

Schwaben-Check: Wie stark ist unsere Region wirklich?

Im Werk Emden werden Teile eines VW-Passat zusammengefügt. Im Einsatz: Kuka-Roboter aus Augsburg.
Bild: Jörg Sarbach, dpa

Ledvance, Audi, Kuka: Viele Unternehmen kämpfen derzeit mit Problemen. Deshalb fragen wir: Wo liegen die Schwächen, aber auch die Stärken der Region?

Nun kann man gleich zu Beginn fragen: Was genau soll das eigentlich sein, Zukunft? Wer Unternehmern diese Frage stellt, bekommt viele Stichworte zu hören. Digitalisierung zum Beispiel oder künstliche Intelligenz, 3D-Druck und Industrie 4.0. Es geht um die Frage, welche neuen Werkstoffe sich entwickeln lassen und wie Menschen und Maschinen zusammenarbeiten können. All das seien zentrale Themen, wenn es um die Zukunft gehe, heißt es immer wieder. Und immer wieder recht vage. Also: Wie weit ist Schwaben bei der Umsetzung?

Glaubt man dem Forschungsinstitut Prognos, steht die Region ganz gut da. Im Zukunftsatlas analysiert das Institut, wie gut die Perspektiven aller deutschen Landkreise sind. Anhand von 29 Indikatoren bewerten die Forscher zum Beispiel, wie der Arbeitsmarkt sich entwickelt, wie viel Geld die ansässigen Unternehmen für Forschung und Entwicklung ausgeben, ob mehr junge oder mehr alte Menschen in einer Region leben. Die schwäbischen Landkreise landen dabei zwischen dem 59. und dem 190. Platz – von insgesamt über 400. Das heißt laut Prognos, dass „die Region sehr gut aufgestellt ist und eine gute Zukunftsfähigkeit aufweist“.

Ein Blick an die Hochschulen bestätigt dieses Bild. Innovation und Forschung sind ihnen wichtig – egal ob in Kempten, wo Computerspiele-Entwickler ausgebildet werden; in Ulm oder Neu-Ulm, wo Studenten lernen, große Datenmengen für die medizinische Forschung auszuwerten; oder eben in Augsburg. "Wir werden uns immer mehr dahin entwickeln, dass wir Unternehmen ansiedeln, die in der Wissenswelt unterwegs sind", glaubt Augsburgs Wirtschaftsreferentin Eva Weber. Gemeint seien hochspezielle Anwendungen im Anlagenbau oder bei Produktionstechniken.

Aber war es das schon? Ist Schwaben nur in Augsburg, Kempten und um Ulm herum innovativ? Nein. Auch in ländlicheren Gebieten tut sich was. In Leipheim zum Beispiel, einer Stadt mit etwas mehr als 7100 Einwohnern im Landkreis Günzburg. Dort sitzt die Firma Xcyde von Kai Thomas. Ihre Büroräume sehen aus, als würde gleich ein Film-Team vorbeikommen, um eine Start-up-Serie zu drehen: Ein alter Golf dient als Rückzugsort für Telefonate, ein begehbarer Dschungel bietet die Möglichkeit, drinnen und im Grünen zu arbeiten – und natürlich gibt es einen Tischkicker.

In dieser Umgebung entwickeln zwölf Mitarbeiter ein Programm, das mithilfe von künstlicher Intelligenz zweidimensionale Baupläne in virtuelle, dreidimensionale Modelle verwandelt. So können zum Beispiel Immobilienmakler ihre Kunden schon durch eine Wohnung gehen lassen, die noch nicht gebaut wurde. Bauherren können auf ihrem Grundstück gucken, wie ihr Haus aussieht, wenn es steht. Und Maschinenbauer können prüfen, ob das Teil, das sie entwickeln, passt.

Mit dem Unternehmen Xcyde lässt Kai Thomas (Mitte) zweidimensionale, platte Pläne in virtuellen Modellen auferstehen und macht sie begehbar.
Bild: Bernhard Weizenegger

 

Xcyde konzentriert sich auf Kunden aus der Maschinenbau-, Bau- und Immobilienbranche. Weil gerade da bei der Digitalisierung noch Luft nach oben sei, sagt Thomas. Er sagt aber auch: Zwar sei das Interesse vieler Unternehmen an den digitalen Angeboten gewachsen. Dennoch tun sich viele auch in der Region schwer, die nächsten Schritte wirklich anzugehen. Oder sie behandeln digitale Projekte eher stiefmütterlich. „Die Unternehmen verschlafen das Thema“, warnt Thomas. Woran das liegt? Seiner Meinung nach gerade daran, dass es der Region so gut geht. „Viele glauben an das Motto: Never change a winning team – also ändere kein erfolgreiches Konzept“, sagt er. Und das macht es in einer Zeit der Hochkonjunktur schwer, Veränderungen vorzunehmen. „Ein Problem ist auch, dass ein Umbau Fachkräfte binden würde, die dann an anderer Stelle fehlen. Und die sind gerade nicht so leicht zu ersetzen“, sagt er.

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04.11.2018

Ach wie gut, dass man alles SCHÖNREDEN kann, genau so wie man es braucht und die Menschen hören möchten. Weitermachen bis zum nächsten Crash eines Unternehmens. Wieder kurz SCHÖNREDEN und weiter geht's! Die Digitalisierung, Automatisierung und Kostenreduzierung wird in den nächsten Jahren Arbeitsplätz ohne Ende freistellen. Doch darüber schweigt man lieber.

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