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Wegen Tierquälerei-Vorwürfen

15.09.2011

Schweizer Supermärkte boykottieren deutschen Geflügelkonzern Wiesenhof

Anklage wegen massenhaften Betrugs mit Bio-Geflügel
3 Bilder
Bei Wiesenhof geht es offenbar nicht allen Tieren gut: Schweizer Supermärkte wollen deshalb keine Wiesenhof-Produkte mehr verkaufen.
Bild: DPA

Drei Schweizer Supermarktketten nehmen Wiesenhof-Produkte aus ihrem Angebot. Auslöser: Bilder von Mitarbeitern, die Tiere quälen. Wiesenhof steht nicht zum ersten Mal in der Kritik

Die Bilder von Wiesenhof-Mitarbeitern, die Tiere quälen, haben nun auch die Schweiz erreicht. Neben Empörung und Kritik erfährt der Geflügelkonzern nun auch wirtschaftliche Konsequenzen: Schweizer Supermärkte boykottieren den deutschen Geflügelproduzenten. Die Produkte von Wiesenhof werden in den drei Unternehmen Migros, Coop und Denner nicht mehr zum Kauf angeboten. Die größten Schweizer Ketten bestätigten am Mittwoch einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung taz. Dies ist eine Reaktion auf eine ARD-Reportage, die am 31. August gesendet wurde. Der Titel lautete "Das System Wiesenhof. Wie ein Geflügelkonzern Tiere, Menschen und die Umwelt ausbeutet".

Mitarbeiter treten Puten

Das Unternehmen aus Visbek in Niedersachsen hatte gegen die Ausstrahlung erfolglos Beschwerde eingereicht. Gezeigt wurden unter anderem Videoaufnahmen, auf denen von Wiesenhof beauftragte Mitarbeiter Puten treten, durch die Luft schleudern und in Käfige auf einem Lastwagen werfen. Das Schweizer Fernsehen zeigte die Aufnahmen am Dienstagabend. Wiesenhof nahm zunächst keine Stellung.

Bei Coop hieß es, das Unternehmen sei vom Filmmaterial "sehr betroffen" und bedauere zutiefst, dass es anscheinend zu diesen Vorfällen gekommen sei. "Aufgrund der erhobenen Vorwürfe gegen Wiesenhof hat Coop als erste Maßnahme unverzüglich einen Belieferungsstopp für Truthahn ausgelöst." Die PHW-Gruppe, zu der Wiesenhof gehört, erklärte im Schweizer Fernsehen, dass Wiesenhof aus den Fernsehbildern Konsequenzen gezogen habe. Die in der Reportage gezeigten Mitarbeiter einer externen Firma dürften nicht mehr für Wiesenhof tätig sein.

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Bereits 2010 wurden ähnliche Bilder veröffentlicht

Ähnliches war schon im Jahr 2010 der Fall: Bereits damals waren ähnliche Bilder aus einem  Wiesenhof-Betrieb veröffentlicht worden. Wiesenhof habe damals  glaubhaft versichert, "dass sie Maßnahmen ergreifen werden",  erklärte Migros-Sprecher Naef der "taz". Aber offensichtlich könne  das Unternehmen "unsere Anforderungen wie tiergerechten Umgang  nicht garantieren".

Die Konsequenzen könnten den deutschen Geflügelproduzenten hart treffen. "Das wird sicher sogar für Wiesenhof nicht  mehr aus der Portokasse zu begleichen sein", sagte Migros-Sprecher  Urs Peter Naef mit Blick auf den Boykott. Allein Migros  und Coop verbuchen dem Bericht zufolge ungefähr die Hälfte des  Schweizer Einzelhandelsumsatzes. dpa/afp

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