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Industrie

30.11.2020

Siemens-Chef Joe Kaeser sieht Zeit der Mischkonzerne vorbei

Die Digitalisierung verdränge die ineffizientesten Teile der wirtschaftlichen Wertschöpfungskette, sagt Kaeser.
Bild: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Exklusiv Die Zeit traditioneller Großkonzerne sei vorbei, sagt der scheidende Siemens-Chef Joe Kaeser. Grund sei unter anderem die Digitalisierung.

Der scheidende Siemens-Chef Joe Kaeser sieht die Zeit für traditionelle Großkonzerne mit branchenübergreifend gemischten Sparten unwiederbringlich vorbei. „Konglomerate alten Zuschnitts, also große und breit angelegte Konzerne, haben keine Zukunft mehr“, sagte der Vorstandsvorsitzende im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Diese Erkenntnis ist keine Modeerscheinung“, betonte Kaeser, der den Münchner Elektroriesen in seiner Amtszeit in drei Einzelkonzerne aufspaltete.

„Die Welt ist durch die Digitalisierung viel schneller geworden und viele Branchen haben sich stark vertikalisiert“, erklärte der Siemenschef. „Das ist wie im Sport: Wenn die besten in den Einzeldisziplinen gefragt sind, tut sich der Zehnkämpfer schwer“, sagte Kaeser. „Wer da überall Durchschnitt ist, wird abgehängt.“

Joe Kaeser: „Ich würde mich freuen, wenn es einmal drei Siemens-Unternehmen im Dax 40 gibt“

Die Digitalisierung verdränge die ineffizientesten Teile der wirtschaftlichen Wertschöpfungskette. Mit der Aufteilung auf drei Unternehmen habe Siemens dieser Entwicklung Rechnung getragen. „Allerdings werden schlechte Managementleistungen bei fokussierten Unternehmen eben schneller sichtbar und damit eher bestraft als bei einem Mischkonzern, wie Siemens es früher war“, betonte er.

„Ich würde mich freuen, wenn es einmal drei Siemens-Unternehmen im Dax 40 gibt“, sagte Kaeser. „Mit Infineon wären es dann ja vier, die aus der Siemens-Familie stammen.“ Die drei heutigen Siemens-Unternehmen für industrielle Automatisierung, Energietechnik und Medizintechnik seien stark für die Zukunft aufgestellt. „Alle drei Unternehmen sind wichtig für die Entwicklung der modernen Gesellschaft“, sagte Kaeser.

„Der Übergabeprozess, als ich das Amt des Siemens-Chefs von Peter Löscher übernahm, war meinem Vorgänger gegenüber unanständig“

Der Siemens-Vorstandsvorsitzende zeigte sich zufrieden, dass er sein Versprechen erfüllen könne, den Münchner Konzern geordnet an einen Nachfolger zu übergeben. „Der Übergabeprozess, als ich das Amt des Siemens-Chefs von Peter Löscher übernahm, war meinem Vorgänger gegenüber unanständig“, sagte Kaeser. „Der Stil war nicht in Ordnung.“ Der damalige Übergangsprozess an der Führungsspitze sei einem Unternehmen wie Siemens nicht würdig gewesen. Löscher hatte im Sommer 2013 nach einer Pannenserie und zwei Gewinnwarnungen den Posten in einem Machtkampf räumen müssen.

„Ähnlich verhielt es sich schon, als Peter Löscher Klaus Kleinfeld ablöste“, sagte Kaeser. „Ich habe mir damals vorgenommen, das besser zu machen.“ Dies sei mit seinem Nachfolger Roland Busch, der inzwischen die operative Führung übernommen hat, nun sehr gut gelungen. „Vor allem wollte ich aber Siemens in einem besseren Zustand übergeben, als ich den Konzern übernommen habe“, fügte Kaeser hinzu.

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