1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Sinkt nach der EEG-Umlage jetzt auch der Strompreis?

Energie

17.10.2017

Sinkt nach der EEG-Umlage jetzt auch der Strompreis?

Die EEG-Umlage gibt leicht nach. Doch der Strompreis hat noch weitere Bestandteile.
Bild: Frank Rumpenhorst, dpa

Die Kosten für die Ökostrom-Förderung fallen nächstes Jahr etwas geringer aus. Für eine Entwarnung beim Strompreis ist es aber wohl zu früh - und zwar aus diesen Gründen.

Mit der Ökostrom-Umlage wird in Deutschland der Ausbau an erneuerbaren Energien finanziert. Die Umlage gilt als wichtiger Grund, dass zum Beispiel Photovoltaik und Windkraft derart schnell in Fahrt kamen. Dieses Jahr hatte die Umlage eine Höhe von 6,88 Cent pro Kilowattstunde erreicht. Sie macht einen großen Teil der staatlichen Abgaben am Strompreis aus. Zum 1. Januar 2018 soll die Umlage leicht sinken. Wir erklären, was das für Privatkunden bedeutet. Sicher scheint eines: Für eine Entwarnung beim Strompreis ist es noch zu früh.

Wie stark geht die Ökostrom-Umlage zurück?

Die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sinkt minimal. Sie beträgt ab 1. Januar 2018 6,792 Cent pro Kilowattstunde. Das ist ein Rückgang um gerade einmal 0,088 Cent oder rund 1,3 Prozent. Mit ungefähr einer Kilowattstunde Strom kann man – je nach Gerät – zum Beispiel eine Ladung Wäsche waschen. Für einen Haushalt, der 3500 Kilowattstunden Strom im Jahr verbraucht, beträgt die Entlastung rechnerisch 3,08 Euro im Jahr, berichtet Johannes Gösling, Geschäftsführer bei dem Energiehandelsunternehmen Präg in Kempten, das auch Strom verkauft.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Was ist der Grund für den Rückgang der Ökostrom-Umlage?

Hier spielt der Preis eine Rolle, zu dem Strom an der Börse gehandelt wird. Dieser ist gering. Da Betreiber zum Beispiel von Photovoltaik-Anlagen oder Windrädern einen garantierten Preis für ihren Strom bekommen, wird die Differenz über die EEG-Umlage ausgeglichen. Der Börsenstrompreis ist über die Jahre stark gefallen, hat zuletzt aber wieder leicht zugelegt. Für das Jahr 2018 beträgt er im Schnitt rund 3,9 Cent pro Kilowattstunde, berichtet Präg-Geschäftsführer Gösling. Das sei rund ein Cent mehr als auf dem Tiefpunkt. Steigen die Börsenstrompreise, muss weniger über die EEG-Umlage ausgeglichen werden.

Geht 2018 der Strompreis in gleicher Höhe zurück?

Dies ist nicht sicher. Denn der Strompreis besteht aus einer weiteren Zahl an Abgaben. Einige davon stehen aber erst in den nächsten Tagen fest.

Ein großer Posten am Strompreis sind die Gebühren für das Netz. Wie sieht hier die Entwicklung aus?

Auch hier deutet sich eine leichte Entspannung an. Das Verbraucherportal Verivox berichtet für 2018 von einem Rückgang der Netzentgelte bundesweit von im Schnitt rund vier Prozent. Dies ist aber regional unterschiedlich: Die Lechwerke mit Sitz in Augsburg melden für Haushaltskunden sinkende Netzentgelte, für Industrie und andere Energieversorger dagegen steigen hier die Netzentgelte.

Wie könnten sich damit die Strompreise entwickeln?

Das Verbraucherportal Verivox geht im Jahr 2018 von eher stabilen Strompreisen aus: "Flächendeckende Strompreissenkungen erwarten wir nicht, doch die sinkenden Netzgebühren können den Wettbewerb unter den Stromanbietern beleben", sagt Energiefachmann Mathias Köster-Niechziol.

Wie sieht der Strompreis 2018 bei den regionalen Anbietern aus?

Hier halten sich die Energieanbieter mit Prognosen zurück, da noch nicht alle Bestandteile des Strompreises 2018 bekannt sind. "Eine seriöse Planung zur Höhe der Preise für die verschiedenen Angebote für Haushalts- und Gewerbekunden für 2018 ist erst nach Feststehen aller Kostenveränderungen möglich", berichten die Lechwerke in Augsburg. Auch der Stromhändler Präg in Kempten kann erst dann verlässliche Aussagen treffen, wenn alle Größen bekannt sind.

Wie wird sich der Strompreis über das Jahr 2018 hinaus entwickeln?

Präg-Geschäftsführer Gösling erwartet, dass die EEG-Umlage im übernächsten Jahr nach dem leichten Rückgang wieder kräftig steigt – auf über sieben Cent. Erst in den Folgejahren könnte sie Schritt für Schritt sinken, weil für viele Photovoltaik-Anlagen oder Windräder nach zwanzig Jahren die garantierte Vergütung endet. Auch bei den Netzentgelten sieht Gösling einen Aufwärtstrend: "Der Netzausbau wird aus unserer Sicht dazu führen, dass die Netzentgelte steigen müssen", sagt er. Ob dann auch der gesamte Strompreis zulegt, hänge aber davon ab, wie die neue Bundesregierung den Energiemarkt gestaltet und ob sie etwas zur Entlastung der Verbraucher unternimmt.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
«Auch die Elektroautos der Zukunft müssen hier gebaut werden, da haben die Autokonzerne unverständlich lange gezögert», sagt Altmaier. Foto: Wolfgang Kumm
Konjunktur

Wirtschaftsminister Altmaier: Der Aufschwung hält an

ad__web+mobil@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Zugang zu allen Inhalten, mtl. kündbar, 4 Jahre Abopreis-Garantie.
So attraktiv waren Heimatnachrichten noch nie!

Zum Web & Mobil Starterpaket