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Automesse IAA

24.11.2019

So buhlen Stuttgart und München um die Automesse IAA

Die IAA will sich runderneuern. Stuttgart und München wollen Standort für die Auto-Schau werden.
Foto: Andreas Arnold

Nach der diesjährigen Pleite müssen die Hersteller ihr Schaufenster erneuern. Der Stammstandort Frankfurt könnte die Schau verlieren. Andere laufen sich warm.

Die deutsche Autoindustrie macht schwere Jahre durch und auch ihr Aushängeschild hat hässliche Kratzer bekommen. Die Internationale Automobil-Ausstellung, kurz IAA, wurde für die Branche dieses Jahr zu einem Desaster. Proteste von Klimaschützern, blockierte Messehallen, viel weniger Besucher und Aussteller prägten das Bild der traditionsreichen PS-Schau.

Zeitweise wurde ernsthaft darüber nachgedacht, die IAA aufzugeben. Doch die Automobilwirtschaft hat sich dazu entschieden, ihr Aushängeschild aufzupolieren, statt es in den Müll zu werfen. Ein völlig neues Konzept soll her für die nächste Ausgabe 2021 und die im Zweijahresrhythmus folgenden Ausstellungen. Der bisherige Stammstandort Frankfurt am Main wackelt. Die Autostädte München und Stuttgart sehen ihre Chance, der IAA ein neues Zuhause zu geben.

Branchenverband VDA will die Messe auf die Straße holen

Der Branchenverband VDA will die Messe sprichwörtlich auf die Straße holen, um wieder zeitgemäß zu sein und ein anderes Publikum anzulocken. „Sie wird direkt zu den Menschen kommen, die außerhalb von Messehallen und -gelände neueste Fahrzeuge, neueste Technologie und Mobilitätskonzepte erleben und ausprobieren können“, sagte VDA-Präsident Bernhard Mattes am Freitag. Die Besucher sollen die Autos auf Teststrecken in den Städten fahren können oder das Gefühl spüren, wenn der Computer lenkt. Die neuesten Modelle werden nicht mehr nur aufpoliert in den Messehallen präsentiert, sondern in den Zentren.

Die Hersteller suchen sogar die Verknüpfung mit U-Bahnen, Bussen, Fahrrädern und Taxis, wie es die Stadtplaner vor ihrem geistigen Auge sehen. Rein aus Nächstenliebe stellen sich die mächtigen Autobauer nicht um. Die umgekrempelte Leistungsschau soll einerseits ihr Image aufhübschen und andererseits Kanäle für die Direktvermarktung der Autos bieten.

Stuttgarts grüner Oberbürgermeister Fritz Kuhn kann sich gut vorstellen, diese moderne IAA an den Neckar zu holen. „Die Autostadt Stuttgart steht grundsätzlich einer Messe, bei der es um die Transformation der Mobilität geht, sehr aufgeschlossen gegenüber“, erklärte Kuhn. Auch die Münchner Messe machte deutlich, dass sie sich die Generalüberholung zutraut. „Es geht darum, ein neues Konzept zu entwickeln, das an politische, gesellschaftliche und technologische Trends anknüpft“, teilte ein Sprecher mit.

Auch Berlin, Köln und Hamburg wollen IAA-Standort werden

Allerdings sind beide Landeshauptstädte im Süden nicht allein. Auch Berlin, Köln und Hamburg bemühen sich, die Neuauflage der Autoschau zu sich holen, die hunderttausende Besucher verspricht. Frankfurt hat noch nicht aufgegeben und ist bereit, alles zu ändern. Der weltgrößte Hersteller VW unterstützt die Neuausrichtung. „Wir wollen, dass sich die IAA von einer Autoshow auf einem abgeschlossenen Messegelände zu einem Ort entwickelt, an dem die Mobilität der Zukunft für alle erlebbar und anfassbar wird“, erklären die Wolfsburger.

Die Krise der IAA steht sinnbildlich für den großen Umbruch im wichtigsten deutschen Industriezweig. BMW, VW, Opel und Daimler verdienen das meiste Geld mit SUVs. Diese sind schwer, verbrauchen mächtig Sprit und nehmen in den Städten viel Platz weg. Umweltschützer und Klimaaktivisten greifen die Konzerne deshalb an und werfen ihnen Heuchelei vor. Es reiche nicht, dass die Manager zwar allesamt vom Klimaschutz reden, aber immer mehr Spritschlucker verkaufen. Der Zeitgeist tickt grün.

Das Problem der Hersteller ist, dass Elektroautos erst auf der Schwelle zum Massengeschäft sind. Hohe Gewinne lassen sich damit noch nicht erzielen, weshalb die Unternehmen die SUV-Profite dringend benötigen. Mit etwas mehr als einer halben Million Besucher waren im September so wenige Autofreunde wie lange nicht mehr in die Messehallen geströmt.

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