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Augsburg

09.10.2013

So kämpfen Weltbild-Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze

Rund 100 Beschäftigte befürchten, dass ihre Abteilung bald ausgelagert werden könnte. Sie haben dem Geschäftsführer einen offenen Brief übergeben.

Bei der rote Zahlen schreibenden Verlagsgruppe Weltbild bangen die Mitarbeiter zunehmend um ihre Arbeitsplätze. Rund 60 von 100 Beschäftigten aus dem Kundenservice trafen sich gestern vor der Zentrale in Augsburg-Lechhausen.

Offenen Brief an den Geschäftsführer übergeben

Sie übergaben Geschäftsführer Carel Halff einen offenen Brief. Im Gespräch mit Halff äußerten sie die Befürchtung, dass ihr Bereich verkleinert oder aufgegeben wird. Die Geschäftsführung habe kürzlich angekündigt, dass bei Weltbild im Bereich Kundenservice „umfangreiche Maßnahmen“ bevorstünden, teilte die Gewerkschaft Verdi mit. Carel Halff: Der Buchhändler führt den Weltbild-Verlag

Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes

Der Kundenservice umfasst das Call-Center und wickelt zum Beispiel Reklamationen ab. Die Mitarbeiter seien damit konfrontiert worden, dass sie dreimal so viel kosten würden wie der teuerste externe Dienstleister. „Vor diesem Hintergrund fürchten viele das komplette Outsourcing des Bereichs und damit den Verlust ihrer Arbeitsplätze“, schreibt Verdi.

So kämpfen Weltbild-Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze

Mitarbeiter plagen Existenzängste

„Ich habe Existenzängste“, sagt ganz offen eine Frau vor dem Weltbild-Gebäude. „Ich bin 54, da findet man nicht so leicht einen Job“, erklärt sie. Seit 13 Jahren arbeite sie bei Weltbild. Auch wenn sie offen sprechen, lesen die Betroffenen derzeit ungern ihre Namen in der Zeitung.

Für sie ist es wichtig, dass sie ihre Arbeit behalten: „Ich muss noch mein Haus abbezahlen“, berichtet zum Beispiel eine 59-jährige, schlanke Frau. Auch Betriebsseelsorger Hans Gilg ist vor Ort. „Unter den Beschäftigten herrscht viel Unsicherheit“, bestätigt er.

Weltbild rüstet sich für das Online-Zeitalter

Weltbild will sich fit machen für das Online-Zeitalter. Dabei sollen Stellen in einzelnen Bereichen abgebaut werden. Die kirchlichen Gesellschafter hatten zuletzt eine „Lösung für den Fortbestand des Unternehmens“ mit seinen 6800 Mitarbeitern angekündigt. Trotzdem stößt das Bemühen der Kirche auf Kritik: „Von der Kirche hätten wir uns mehr erwartet“, sagt eine 35-jährige Frau und Mutter zweier Kinder.

„Es kann doch nicht im Interesse der Kirche sein, dass der Kundendienst bald von einem externen Dienstleister bearbeitet wird, der Dumping-Löhne zahlt“, meint sie. Die Beschäftigten argumentieren, dass mit einer Auslagerung die Servicequalität schlechter würde und Weltbild sich selbst schade.

Gespräche zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat

Nächste Woche sollen Sondierungsgespräche zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat stattfinden. Betriebsrat und Mitarbeiter wollen Vorschläge für Einsparungen ausarbeiten, sodass keine Kündigungen nötig sind, erklärt Verdi-Betriebsgruppensprecher Timm Boßmann.

Weltbild-Geschäftsführung dementiert indes Berichte über Schieflage

Die Weltbild-Geschäftsführung dementiert indes Berichte über eine Schieflage. „Es kann keine Rede davon sein, dass Weltbild im Bestand gefährdet ist“, sagte Weltbild-Chef Halff dem Handelsblatt. Der Verlag verhandle derzeit mit den Banken über eine Refinanzierung. Weltbild-Mitarbeiter kämpfen um ihre Arbeitsplätze

Doch es gebe kein Anzeichen, dass die Kreditinstitute den Geldhahn zudrehen. Eine Finanzierung werde Anfang 2014 unter Dach sein. (mit dpa)

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