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Energieversorgung

06.04.2020

So wappnen sich die Lechwerke für die Corona-Krise

Der Strom im Allgäu und in Nordschwaben stammt bereits zu 70 Prozent aus grünen Quellen.
Bild: Heinz Budjarek

Plus Die Lechwerke treffen Vorkehrungen, um eine sichere Energieversorgung zu gewährleisten. Ein Krisenstab verfolgt die Corona-Pandemie kontinuierlich.

Hätte das Coronavirus Europa nicht erreicht, wäre der Klimaschutz derzeit gewiss das zentrale Thema für die Lechwerke. Jetzt stehen plötzlich andere Dinge im Vordergrund: Das Energieversorgungsunternehmen trifft Vorkehrungen, um eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten. Ein Krisenstab der Lechwerke verfolgt die Pandemie und die Empfehlungen der Behörden kontinuierlich. Wo es möglich ist, arbeiten die LEW-Mitarbeiter im Homeoffice. Und ihre Bilanz für das Jahr 2019 stellten die Lechwerke dieses Jahr aufgrund der Krise wie viele andere Unternehmen nur online vor statt vor Ort.

Zusätzliche Leitstelle sorgt für Sicherheit

Für die Instandhaltung und den Ausbau des Netzes sind die Mitarbeiter zwar trotz Corona weiterhin vor Ort im Einsatz, müssen aber Vorsichts- und Hygieneregeln beachten. Und für seine Mitarbeiter in Schlüsselfunktionen – also zum Beispiel in der Netzleitstelle – habe der schwäbische Stromversorger besondere Vorkehrungen getroffen, um die Stromversorgung zu sichern, berichtet LEW-Sprecher Ingo Butters. „Dazu zählen unter anderem die Aktivierung eines zusätzlichen Netzleitstellenstandorts und Schichtsysteme“, sagt er. Für die Kunden sei das Unternehmen weiter erreichbar. Die Energieversorgung hält man bei den Lechwerken letztlich für sicher.

Durch die Krise wird aber bereits weniger Strom nachgefragt. Die Lechwerke rechnen „zumindest zeitweise“ mit Rückgängen beim Stromabsatz, sagt Butters. Die Industrieproduktion ist gedrosselt, Bürogebäude sind leer, Restaurants und Geschäfts geschlossen – der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft hat einen deutlich sinkenden Stromverbrauch festgestellt. Anfang der Woche lag dieser in Deutschland 8,7 Prozent niedriger als in der ersten Märzwoche. In Italien sei der Stromverbrauch um 30 Prozent zurückgegangen, in Frankreich um 20 Prozent.

Dabei zeigten sich die Lechwerke-Vorstände Markus Litpher und Norbert Schürmann mit dem letzten Jahr noch sehr zufrieden: Der Stromabsatz der Lechwerke war 2019 um 5,5 Prozent gestiegen, der Gasabsatz legte 46,8 Prozent zu und der Gewinn vor Zinsen und Steuern lag mit 142,8 Millionen Euro ein Stück über dem Vorjahreswert. „Unsere Investitionen haben wir 2019 noch einmal erheblich gesteigert: Auf mehr als 130 Millionen Euro“, sagte Litpher. Die Lechwerke investieren dabei stärker in den Glasfaserausbau und positionieren sich immer mehr als Internet-Anbieter in Schwaben mit 64.000 angeschlossenen Haushalten oder Unternehmen.

70 Prozent des Stroms in Schwaben sind "grün"

Klimaschutz und Energiewende sind für den Energieversorger die prägenden langfristigen Entwicklungen: Immer mehr Strom kommt in unserer Region aus Sonne, Wind, Wasserkraft und Biomasse: „Mittlerweile speisen mehr als 77.000 Anlagen Strom aus erneuerbaren Energien in das regionale Verteilnetz von LEW ein“, berichtet das Unternehmen. Damit stammte rechnerisch rund 70 Prozent des Stroms in Schwaben aus grünen Quellen - ein Rekord. Im Bundesdurchschnitt seien es rund 43 Prozent.

Rund 2400 Photovoltaikanlagen kamen 2019 im LEW-Netz dazu, mehr als die Hälfte davon mit Batteriespeicher. „Selbst erzeugten Strom optimal zu nutzen, steht im Fokus der Kunden“, sagte LEW-Vorstand Norbert Schürmann. Die Lechwerke betreiben rund 300 E-Auto-Lademöglichkeiten und haben es sich für die Zukunft zum Ziel gesetzt, die Elektromobilität und das Ökostrom-Angebot auszubauen sowie Lösungen anzubieten, um Solarstrom zu speichern.

Helfen könnte dabei ein neuer Eigentümer: Seit September 2019 gehört die Muttergesellschaft Innogy nicht mehr dem Energiekonzern RWE, sondern Eon. Trotz des neuen Eigentümers sollen die Lechwerke bestehen bleiben. „Die Transaktion hat keine Auswirkungen auf die Struktur von LEW“, sagt Lechwerke-Sprecher Butters. Man wolle aber die „neue Aufstellung“ nutzen, um die LEW-Gruppe weiterzuentwickeln, auch bei den Produkten.

Derzeit sind keine Tariferhöhungen im Gespräch

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen mit seinen 1800 Mitarbeitern nun mit einem Ergebnis „etwas unter dem Niveau des Geschäftsjahres 2019“. Den Aktionären schlägt das Unternehmen eine stabile Dividende auf dem Niveau des Vorjahres vor.

Bei den Strompreisen sieht die Gruppe nach Anhebungen einiger Tarife zum Jahreswechsel derzeit keinen Grund für weitere Anpassungen. Auch der Gaspreis soll stabil bleiben.

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus informieren wir Sie ins unserem Live-Blog.

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06.04.2020

"Derzeit sind keine Tariferhöhungen im Gespräch" das wäre ja auch noch schöner... An der Strombörse wird Strom derzeit zum Spottpreis gehandelt, da machen sich die LEW jetzt schon die Taschen bis oben hin voll. Angesagt wäre jetzt eigentlich den Strompreis dem Einkaufspreis anzunähern und die TARIFE ZU SENKEN!
Vielleicht sollte hier mal die Politik tätig werden.

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