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Wirtschaft

19.06.2020

So will Kuka-Chef Peter Mohnen die Krise meistern

Vorstandsvorsitzender Peter Mohnen hat bei eine Schlüsselposition beim Augsburger Roboterbauer Kuka neu besetzt.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Plus Kuka-Chef Peter Mohnen versucht, „ohne größere personelle Einschnitte“ durch die Corona-Krise zu kommen - und besetzt einen Top-Posten im Unternehmen neu.

Für die Kuka-Aktionäre wird das eine Hauptversammlung der besonderen Art. Denn corona-bedingt können sie am Freitag nicht wie sonst vor Ort in Augsburg persönlich Vorstand und Aufsichtsrat mit Kritik und Lob konfrontieren. Sie mussten ihre Fragen vorab schriftlich einreichen. Nach der Rede von Vorstandschef Peter Mohnen werden die Kuka-Verantwortlichen dann aber den Wissensdurst der Anteilseigner zu stillen versuchen. Mohnen und Finanzvorstand Andreas Pabst sitzen in einem Raum des Unternehmens in Augsburg. Ihre Äußerungen werden per Video übertragen.

Augsburger Unternehmen Kuka hat mit Corona-Krise zu kämpfen

Dabei führt die weltweite Pandemie zu der kuriosen Situation, dass der Aufsichtsratsvorsitzende Andy Gu nicht in Augsburg an der Hauptversammlung teilnimmt und zugeschaltet wird. Der Vertreter des chinesischen Kuka-Eigentümers Midea erlebt also, wie das 12-köpfige Kontrollgremium physisch ausschließlich mit dem stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Leppek, dem Augsburger IG-Metall-Chef, präsent ist.  Der Gewerkschafter würdigt vorab gegenüber unserer Redaktion die Leistungen der Kuka-Mannschaft in harten Zeiten: „Wir haben auch unter erschwerten Bedingungen die ganze Zeit durchproduziert.“ Dabei sieht er die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Eigentümer Midea bei gemeinsamen Projekten als gut an. Der IG-Metall-Mann ist überzeugt: „Wir wollen unsere Kooperation zum Vorbild für die deutsch-chinesische Zusammenarbeit machen.“

Roboter des Roboterbauers Kuka bauen im Ford-Werk in Köln eine Karosserie zusammen.
Bild: Oliver Berg, dpa

Doch einstweilen muss der Konzern mit den Widrigkeiten der Rezession klarkommen. Leppek beobachtet: „Wir spüren die Zurückhaltung bei Kunden. Das Geld ist weltweit knapp. Viele betreiben Cash-Management statt größerer Investitionen.“ Dabei sieht der Gewerkschafter Kuka in den richtigen Führungshänden: „Vorstandschef Mohnen macht seinen Job gut. Er ist viel draußen bei den Kunden.“ Wächst der Manager in die Rolle des neuen „Mister Kuka“ hinein, wie sie sein Vorgänger Till Reuter für sich in Anspruch nahm? Der Augsburger Betriebsratsvorsitzende Armin Kolb beobachtet: „Es ist faszinierend, mit wie viel Herzblut Mohnen und Pabst um Kuka kämpfen. Für mich als Arbeitnehmervertreter zählt im Corona-Umfeld dabei Stabilität in der Beschäftigung.“

Kuka-Chef Peter Mohnen besetzt Top-Posten im Roboterbereich neu

Dabei gab es zunächst Bedenken, dass mit Mohnen und Pabst ausschließlich zwei Finanzexperten den Vorstand des Konzerns bilden. So kam auch auf Initiative der Arbeitnehmerseite die Idee auf, das Führungsgremium um einen technisch versierten Spezialisten, also einen Chief Technology Officer, kurz CTO, zu ergänzen. Doch der mit Vorschusslorbeeren geholte Digital- und Automatisierungsprofi Peter Hofmann blieb nicht lange an Bord. Es knirschte. Wie es heißt, passte kulturell nicht zusammen, was zusammenpassen sollte. Und es stellte sich bald heraus, dass es ein Fehler war, Hofmann mit einer Doppelfunktion zu betrauen, also ihm neben seiner CTO-Funktion auf Konzernebene auch noch die Rolle des Geschäftsführers für Forschung und Entwicklung in der wichtigen Robotik-Sparte zu übertragen.

Roboter stehen bei einer Messe am Stand von Kuka.
Bild: Julian Stratenschulte, dpa

Nun hat sich Kuka nach Informationen unserer Redaktion entschlossen, die Rolle des Chief Technology Officer zumindest im Roboterbereich nachzubesetzen. Hier fiel die Wahl auf das Eigengewächs Wolfgang Mayer, 47, einen Augsburger. Seit 1996 bekleidete er Führungsrollen im Bereich Forschung und Entwicklung bei Kuka. Mayer tritt sein Amt zum 1. Juli an. Damit ist aber auch klar: Der Kuka-Konzern-Vorstand wird bis auf Weiteres nur aus zwei Managern bestehen. Mohnen selbst zeigte sich vor der Hauptversammlung im Gespräch mit unserer Redaktion zuversichtlich, dass Kuka-Lösungen für Robotik-, Software-, Medizin- und Logistikanwendungen mittelfristig stärker gefragt sein werden. Klar sei aber auch: „Das ist eine mittelfristige Entwicklung. Die Auswirkungen von Corona auf die Wirtschaft sind massiv.“ Derzeit sei es nicht möglich, einen Ausblick auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung für das Unternehmen zu geben.

Dabei will der Unternehmenschef, obwohl Konjunktur-Experten mit erheblichen weltwirtschaftlichen Einbrüchen rechnen, „ohne größere personelle Einschnitte mit der Kuka-Mannschaft durch die Krise kommen“. Mohnen würdigt die Leistungen der Beschäftigten: „Sie waren in dieser Zeit unglaublich engagiert und haben mit vollem Einsatz dafür gesorgt, dass zum Beispiel die Produktion in Augsburg weiterlaufen konnte.“ Hier hilft dem Unternehmen das Instrument der Kurzarbeit. Kuka nennt auf Anfrage neue Zahlen: Nach dem letzten Stand befanden sich am Standort Augsburg 1423 Beschäftigte in unterschiedlichem Umfang in Kurzarbeit. Insgesamt arbeiten am Hauptsitz des Unternehmens noch rund 3500 Frauen und Männer.

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