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Wirecard-Skandal

30.10.2020

Spionierte Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek für Österreich?

Wo ist Jan Marsalek? Sogar auf Großplakaten fahndet in Deutschland die Polizei nach dem früheren Vorstand des Skandal-Unternehmens Wirecard.
Bild: dpa

Neue Entwicklung im Krimi um den verschwundenen Wirecard-Manager Jan Marsalek: Er soll als V-Mann für den österreichischen Geheimdienst gearbeitet haben.

Immer wieder Jan Marsalek. Im Skandal um den insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard führen alle Bemühungen um Aufklärung früher oder später wieder zu dem untergetauchten Ex-Vorstandsmitglied. Nun gibt es einen neuen Verdacht. „Dem Generalbundesanwalt liegen Anhaltspunkte dafür vor, dass der österreichische Staatsangehörige Jan Marsalek von einem Mitarbeiter des österreichischen Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) als Vertrauensperson geführt wurde“, heißt es in einer auf den 23. Oktober datierten Antwort des Berliner Bundesjustizministeriums auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Fabio De Masi (Linke). Die Süddeutschen Zeitung hatte zuerst darüber berichtet, das Dokument liegt unserer Redaktion ebenfalls vor.

Marsalek soll als V-Mann für den österreichischen Geheimdienst gearbeitet haben

Weiter heißt es in dem Schreiben, es bestehe der Verdacht, dass dieser Mitarbeiter des BVT Marsalek vier streng geheime Berichte der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) überlassen hat. Der deutsche Generalbundesanwalt prüfe nun, ob sich diese Kontakte Marsaleks den Tatbestand einer „gegen die Bundesrepublik Deutschland gerichteten geheimdienstlichen Agententätigkeit oder eines sonstigen in die Verfolgungszuständigkeit des Generalbundesanwalts fallenden Straftatbestands“ erfüllen könnte. Bislang hätten sich dafür keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte ergeben.

Tatsächlich ist der Vorwurf, Marsalek habe enge Kontakt zu einem früheren BVT-Mann unterhalten, nicht neu. Die Presse aus Österreich berichtete bereits im Sommer, Marsalek habe am Vorabend seines geheimnisumwitterten Verschwindens in München einen befreundeten, inzwischen pensionierten BVT-Mann getroffen. Über einen Mittelsmann soll Marsalek zudem Informationen des österreichischen Geheimdiensts an die FPÖ weitergegeben haben – dies ergebe sich aus der Durchsuchung des Handys eines FPÖ-Spitzenfunktionärs nach dem Skandal um das „Ibiza“-Video, so Die Presse – die FPÖ dementiert. Aber aus den tröpfchenweise bekanntwerdenden Informationen ergeben sich immer weitere Fragen.

Marsalek soll mit geheimen Papieren geprahlt haben

Denn schon im Sommer 2018 hat Marsalek bei seinem Bemühen, herauszufinden, wer hinter den Börsenspekulationen steckt, die den Wirecardkurs auf eine wahre Achterbahnfahrt geschickt hatten, in London mehrere Wertpapierhändler getroffen. So berichtete es im Juli die Financial Times, die in mehrerer Hinsicht eine Schlüsselrolle beim Aufdecken der mutmaßlich kriminellen Geschäfte gespielt hat. Um Eindruck zu schinden, habe Marsalek dabei mit streng geheimen Papieren der Organisation für das Verbot chemischer Waffen geprahlt, die er offen herumzeigte. Unter anderem sei darin die komplette chemische Formel des tödlichen Nervengifts Nowitschok zu finden gewesen, mit dem im März 2018 der Ex-Spion Sergej Skripal vergiftet wurde – und unlängst der russische Oppositionelle Alexej Nawalny. Dass es sich bei dem Gift, mit dem der Kreml-Kritiker in Kontakt kam, um Nowitschok handelte, bestätigte wieder eben jene Organisation für das Verbot chemischer Waffen – die von Russland daraufhin massiv diskreditiert wurde. Marsalek wiederum soll sich derzeit angeblich unter Bewachung eines russischen Geheimdienstes unweit von Moskau aufhalten. Beweise dafür gibt es aber nicht.

In Berlin sagte die FDP-Abgeordnete Katja Hessel (FDP), die Vorsitzende des Finanzausschusses ist, zu den neuen Vorwürfen: „Sollten die Medienberichte zutreffen, und Jan Marsalek tatsächlich für den österreichischen Geheimdienst in Deutschland spioniert haben, dann ist das nicht nur ein politischer Skandal, sondern wirft noch einmal ganz neue Fragen zu seinem Untertauchen auf. Ich hoffe, dass der Untersuchungsausschuss den geforderten Sonderermittler einsetzt, der Licht ins Dunkel bringen kann, vor allem: Welche brisanten Abrechnungsdaten wurden durch Marsalek weltweit eingesehen, und wurden sie weitergegeben?“

Im Untersuchungsausschuss haben Union und SPD in dieser Woche eine rasche öffentliche Zeugenaussage des Financial-Times-Journalisten Dan McCrum abgelehnt. McCrum wollte von sich aus aussagen, um Öffentlichkeit herzustellen, hieß es aus dem Ausschuss. Nun soll er zunächst als Sachverständigen hinter verschlossenen Türen gehört werden. (mit dpa)

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