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Technik
24.10.2017

Wie zwei schwäbische Unternehmen die Revolution in 3D planen

Kaum zu glauben, aber wahr: Auch diese Statue eines Gorillas geht letztlich auf den 3D-Druck zurück. Einzelteile der Gussform wurden mit einer Voxeljet-Maschine gedruckt.
Foto: Ken Lambert, Voxeljet

Das Friedberger Unternehmen Voxeljet hat nach Börsengang und Expansion ehrgeizige Pläne. Jetzt schließt sich die Firma mit einem gut vernetzten Partner zusammen.

Lokal und global müssen keine Gegensätze sein. In der Wirtschaftswelt geht die Globalisierung – eben die weltweite Ausweitung des Geschäfts – oft mit regionaler Verwurzelung einher. So entstand das Kunstwort der Glokalisierung. Ein derart glokales Unternehmen ist die Voxeljet AG aus Friedberg bei Augsburg. Der rasante Aufstieg des Spezialisten auf dem Gebiet des 3D-Drucks wäre ohne Bayern-Power nicht möglich gewesen.

Voxeljet hat selbst Stützpunkte in Indien

Dass die Firma inzwischen rund 300 Mitarbeiter hat und neben Friedberg über Stützpunkte in Großbritannien, den USA, China und Indien verfügt, hat auch mit regionaler Anschubhilfe zu tun. So haben im Jahr 2003 Bayern Kapital sowie der Startkapital-Fonds Augsburg in das Unternehmen investiert. Und Ingo Ederer, einer der Gründer der Firma und wesentlicher Erfinder der Voxeljet-Technologie, ist ein Kind der Technischen Universität München. Der promovierte Maschinenbauer bildet mit Rudolf Franz, der in Augsburg Volkswirtschaft und in München Wirtschaftsingenieurwesen studiert hat, den Vorstand der Firma. Die in Bayern verwurzelten Manager zog es aber weit weg. Sie wagten den Börsengang in den USA. Seit Oktober 2013 ist Voxeljet an der New York Stock Exchange notiert. Die Aktien wurden damals für je 13 Dollar ausgegeben. Gestern notierte das Papier bei rund fünf Dollar. Um das Niveau herum pendelte der Wert zuletzt stabil. Hohe und spekulative Werte der ersten Zeit an der Börse von in der Spitze gut 58 Euro sind längst Vergangenheit.

Was aber für die Voxeljet-Manager wichtig ist: Durch den Börsengang haben sie viel Geld eingenommen. Damit ließ sich das Geschäft global ausdehnen und die Technologie lokal, also in Friedberg, weiter entwickeln. In der Folge wurde das Unternehmen nach eigener Darstellung zu einem der weltweit führenden Anbieter von 3D-Drucksystemen für den industriellen Einsatz. BMW ist ein Kunde. Aber auch Vertreter der Luftfahrtbranche setzen auf die Technologie aus Friedberg. Die steigende Nachfrage geht auf die Vorzüge der Technologie zurück: Denn mit Voxeljet-Maschinen können schnell und kostengünstig Formen aus Sand oder Kunststoff hergestellt werden, mit denen sich dann in einer Gießerei ein bestimmtes Produkt produzieren lässt.

Gerade wenn nur wenige Bauteile bestellt werden, ist der 3D-Druck deutlich billiger als die Herstellung einer konventionellen Abgussform, bei der reichlich und natürlich teurer Feinschliff durch Spezialisten erforderlich ist. Das dreidimensionale Drucken ist also eine Form der Automatisierung. In den von Voxeljet hergestellten Maschinen wird Quarzsand aufgetragen, mit Infrarotlicht bestrahlt und an Stellen, an denen das Bauteil entstehen soll, mit einem Binder aus einem speziellen Harz verklebt. Dadurch entsteht die dreidimensionale Struktur. Der Sandkern eines Turbinenrades in herkömmlicher Herstellung kostet etwa 3600 Euro, beim Einsatz von 3D-Druckern fallen nur 900 Euro an. Der enorme Preisvorteil hat die Verantwortlichen beim Unternehmen Andreas Schmid Logistik aus Gersthofen bei Augsburg bewogen, in die Zukunft zu denken und sich zu überlegen, welche Konsequenzen die technologische 3D-Drucker-Revolution für die eigene Branche hat. Die Logistik-Firma ist einer der großen Player des stark wachsenden Wirtschaftszweigs. Andreas Schmid Logistik mit rund 2000 Mitarbeitern ist unter anderem Partner von Airbus, Bosch, MAN, Siemens und SGL Carbon. Unternehmens-Vorstand Gianluca Crestani glaubt, dass Firmen künftig bestimmte Ersatzteile und damit Abgussformen nicht mehr in dem Maße wie heute einlagern. Stattdessen würden sie die nötigen Datensätze abspeichern und an 3D-Druck-Zentren schicken, um nach Bedarf in wenigen Tagen eine neue Form zur Produktion eines Teils zu bekommen. Die Digitalisierung zieht stärker in den Werkzeugbau ein. Wenn sich der 3D-Druck weiter rasend schnell entwickelt, werden auch immer mehr Teile – gerade aus Kunststoff – direkt, also ohne Abgussform, gedruckt.

Andreas Schmid Logistik setzt auf 3-Drucker-Revolution

Weil die Entwicklung nicht aufzuhalten ist und die Logistikbranche verändern wird, haben Andreas Schmid Logistik und Voxeljet das Gemeinschaftsunternehmen DSCS gegründet. Sie wollen gerade mittelständische Unternehmen beraten, wie sie die Vorteile des 3D-Drucks für sich und ihre Lagerhaltung nutzen können. Schneidet sich damit die Firma aus Gersthofen aber nicht ins eigene Fleisch? Schließlich könnten dank 3D-Druck die Ersatzteillager und Logistikzentren künftig kleiner werden.

Logistik-Experte Crestani will vorausschauend auf den Veränderungsprozess reagieren und sich dank des 3D-Drucker-Bündnisses an die Spitze des Fortschritts stellen. Mit einer „proaktiven Strategie“ hat Andreas Schmid Logistik gute Erfahrungen gesammelt. Das Unternehmen erkannte frühzeitig, wie wichtig die elektronische Datenverarbeitung für Logistiker ist. So wurde ein eigenes IT-Unternehmen gegründet, das heute rund 100 Mitarbeiter beschäftigt. Jetzt folgt das Gemeinschaftsunternehmen mit Voxeljet. Damit ist künftig denkbar, dass Maschinenbauer auf beide Partner setzen und bestimmte Teile nicht mehr in Deutschland auf lange Zeit einlagern, sondern die Formen dafür etwa in Indien ausdrucken, gießen und dort produzieren lassen.

Das spart auch noch Transportkosten. Und das Erzielen von Kostenvorteilen ist die Königsdisziplin der Globalisierung.

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