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Tierschutz
20.01.2021

Regierung bringt Ende des Kükentötens auf den Weg

Mit dem massenhaften Töten männlicher Küken in der Legehennenzucht in Deutschland soll bald Schluss sein.
Foto: Bernd Wüstneck, dpa

Seit Jahren protestieren Tierschützer gegen massenhaftes Töten von Küken. Das Ende der umstrittenen Praxis kommt jetzt konkret auf den Weg.

Das millionenfache Töten männlicher Küken in der Legehennenhaltung in Deutschland soll ab Anfang 2022 verboten sein. Das sehen Gesetzespläne von Agrarministerin Julia Klöckner vor, die das Bundeskabinett am Mittwoch auf den Weg gebracht hat. Es sei ein "bedeutender Fortschritt für mehr Tierschutz", wenn diese unethische Praxis dann der Vergangenheit angehöre, sagte die CDU-Politikerin. 

Stattdessen sollen Verfahren auf breiter Front einsetzbar sein, um das Geschlecht im Ei zu erkennen und männliche Küken gar nicht erst schlüpfen zu lassen. In einem zweiten Schritt ab Anfang 2024 sollen dafür nur noch Methoden erlaubt sein, die zu einem früheren Zeitpunkt beim Brüten funktionieren. Das soll Schmerz für das Embryo vermeiden.

In Deutschland werden jährlich rund 45 Millionen männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen routinemäßig getötet, weil sie keine Eier legen und nicht so viel Fleisch ansetzen. Tierschützer kritisieren das seit Jahren. Das Bundesverwaltungsgericht hatte 2019 entschieden, dass Tierschutzbelange schwerer wiegen als wirtschaftliche Interessen, und es erklärte die Praxis nur noch für eine Übergangszeit für zulässig.

Die Zukunft der Tierhaltung ist auch ein Thema des digitalen Konferenzprogramms zur Agrarmesse Grüne Woche in Berlin, das am Mittwoch beginnt - der traditionelle Branchentreff in den Hallen unter dem Funkturm fällt wegen der Corona-Pandemie diesmal aus.

Das Kükentöten soll aber dem 1. Januar 2022 verboten werden

Tierschützer kritisieren die umstrittene Praxis in Geflügelbetrieben seit Jahren. In Deutschland werden jährlich 45 Millionen männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen routinemäßig getötet, weil sie für Brütereien wirtschaftlich nicht lohnend sind: Sie legen keine Eier und setzen nicht so viel Fleisch an. Teils ist von "Schreddern" die Rede, die Küken werden meist aber mit Gas getötet. Das Bundesverwaltungsgericht entschied 2019, dass Tierschutzbelange schwerer wiegen als wirtschaftliche Interessen der Hennenzüchter und erklärte die Praxis nur noch für eine Übergangszeit für zulässig.

Von einem "Meilenstein für den Tierschutz" spricht Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner.
Foto: Francisco Seco, dpa

Klöckner sagte bei der Vorstellung der konkreten Gesetzespläne im vergangenen September: "Das Töten von Eintagsküken, weil sie ein bestimmtes Geschlecht haben, ist ethisch nicht vertretbar." Das nun vorgesehene Verbot sei ein "Meilenstein für den Tierschutz", der auch eine Signalwirkung für andere Staaten haben solle. 

Konkret soll ab 1. Januar 2022 verboten werden, männliche Küken zu töten, "die aus Zuchtlinien stammen, die auf die Legeleistung ausgerichtet sind". Ausgenommen sind Maßnahmen bei Tierseuchen. Zum 1. Januar 2024 tabu sein sollen dann auch "Eingriffe an einem Hühnerei" ab dem 7. Tag des Brütens, um das Geschlecht vor dem Schlüpfen zu bestimmen.

Grüne Woche in Berlin ohne Tierschauen oder Blasmusik

Hintergrund ist, dass Embryos vor dem 7. Tag kein Schmerzempfinden haben, wie das Ministerium erläutert. Gegenwärtig seien Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei zwischen dem 9. und 14. Tag marktreif. Insgesamt dauert es 21 Tage, bis Küken schlüpfen. Als nächstes befasst sich nun der Bundestag mit dem Gesetzentwurf.

Bei der Grünen Woche in Berlin gibt es diesmal keine Tierschauen, keine Blasmusik und keine Bauern aus ganz Deutschland: Die Messe präsentiert sich bei ihrer 86. Ausgabe anders - online und als Fachveranstaltung. Zwei Tage mit Konferenzen im Internet sind geplant. Zum Auftakt am Mittwoch (9.00) wollen Landwirtschaft und Ernährungsindustrie die Lage der Branche schildern.

 

Lebensmittel haben zwar im Einzelhandel in der Corona-Krise mehr Umsatz gebracht. Die Lage vieler Bauern ist aber angespannt. Mit den großen Supermarktketten gibt es Streit wegen ständiger Preiskämpfe. Nach dem Auftauchen der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen sind wichtige Exportmärkte in Asien für deutsches Schweinefleisch weggebrochen.

In normalen Jahren kommen an zehn Messetagen rund 400.000 Besucher, um sich über Landwirtschaft, Ernährungsindustrie und Gartenbau zu informieren. Themen im Online-Format der Messe sind auch Wege zu mehr Bio-Lebensmitteln und mehr Klimaschutz. (dpa)

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