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04.10.2009

Trauer um Herbert Dischinger

Zusmarshausen "Die ganze Welt war neu", erinnerte sich Herbert Dischinger im Mai anlässlich einer Beilage unserer Zeitung zum 60. Geburtstag der Bundesrepublik. Sie war neu für ihn, weil der Einmarsch der Amerikaner das Ende der Nazi-Diktatur markierte.

"Die Welt ist ärmer" - dieser Gedanke wird der Familie des Gründers der Firma Sortimo aus Zusmarshausen (Landkreis Augsburg), aber auch seinen Beschäftigten in den Sinn kommen. Der 74-Jährige starb in der Nacht auf Donnerstag nach kurzer, schwerer Krankheit.

Herbert Dischinger gelang es, Menschen schnell zu begeistern. In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen - der Vater kehrte nicht aus dem Krieg zurück -, ergriff er seine Chance nach dem Zusammenbruch Deutschlands - und zwar als "Selfmademan": Zunächst chauffierte Dischinger junge US-Offiziere per Taxi durch das zerbombte Augsburg, mit 25 wagte er den Sprung in die Selbstständigkeit. "Ich hatte kein Startkapital, keine Ahnung von kaufmännischen Dingen", blickte er vor wenigen Monaten auf seine Anfänge als Unternehmer zurück. Pathos lag ihm nie, aber etwas anderes: "Ich merkte, dass ich Talent hatte, Menschen für mich zu gewinnen." Ein Talent, das ihn - gepaart mit dem Gespür für die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt - zu einem innovativen Firmenlenker machte.

Der Erfolg spricht für sich: Sortimo International erwirtschaftete 2008 im Landkreis Augsburg, aber auch im europäischen Ausland, mit fast 500 Mitarbeitern einen Umsatz von 77 Millionen Euro. Weitere 11,5 Millionen setzte die Tochterfirma Speedwave, ein Lieferant der Automobilindustrie, um.

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Der Firmengründer war beliebt. Seine Mitarbeiter begegneten ihm mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Sympathie. Sortimo ist europaweit für ausgeklügelte Behältnisse bekannt, in denen Werkzeug und vieles sicher transportiert werden kann. Am Anfang stand jedoch der legendäre Metallkoffer mit Boxen für Schrauben und Dübel, der 1980 unter "abenteuerlichen Bedingungen" in Eigenproduktion hergestellt wurde. Dischinger sah sein Unternehmen als Familie, die Gründung einer Aktiengesellschaft wies er wie viele Inhaber-Unternehmer stets weit von sich.

Großzügig zeigte sich Dischinger immer, wenn es um den FC Augsburg ging. Er half dem Verein in guten, aber auch schlechten Zeiten.

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