Newsticker
EMA gibt grünes Licht für Johnson-Impfstoff
  1. Startseite
  2. Wirtschaft
  3. Trotz Corona-Krise: Die Türkei plant die Reisesaison 2021

Tourismus

19.01.2021

Trotz Corona-Krise: Die Türkei plant die Reisesaison 2021

Sehnsuchtsziel vieler Deutscher: Der Sandstrand bei Antalya. Doch noch hat die Türkei den Corona-Status Risikogebiet.
Foto: Nikolai Sorokin, Adobe Stock

Weil die Wirtschaft stark vom Geschäft mit den Urlaubern abhängig ist, soll in der Türkei ab April alles so sein wie vor Corona. Doch nun rächt sich eine Trickserei aus dem Sommer.

Die Türkei will trotz der Corona-Pandemie im April den Tourismus wieder hochfahren. Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy sagte jetzt voraus, die Zahl der Neuinfektionen in der Türkei werde im März auf unter 1000 pro Tag fallen. Außenminister Mevlüt Cavusoglu rief seinen deutschen Amtskollegen Heiko Maas am Montag in Ankara auf, schon jetzt mit der gemeinsamen Planung für die neue Tourismus-Saison zu beginnen. Doch es gibt Zweifel an den Voraussagen der Regierung, die bereits im vergangenen Jahr die Corona-Zahlen manipulierte, um dem Fremdenverkehr zu helfen.

Ankara fordert Außenminister Maas auf, in die Planung der Tourismus-Saison einzusteigen

Der Tourismus, einer der wichtigsten Devisenbringer der Türkei, war im vergangenen Jahr wegen der Pandemie eingebrochen. Die Zahl der ausländischen Besucher sank nach Angaben von Ersoys Ministerium in den ersten elf Monaten 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 72 Prozent. Zeitweise betrug der Rückgang sogar um die 99 Prozent. Nun setzt Ersoy auf einen steilen Wiederanstieg der Besucherzahlen – und zwar ab den Osterferien Anfang April, die traditionell den Beginn der Touristensaison in Antalya und anderen Ferienorten markieren.

Ende der Sprachlosigkeit? Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu empfängt den deutschen Amtskollegen Heiko Maas zu einem Treffen in Ankara.
Foto: Uncredited, Turkish Foreign Ministry, dpa

Tatsächlich verzeichnet die Türkei seit Wochen einen Rückgang der Infektionszahlen. Grund für den Erfolg sind Ausgangssperren in der Nacht und an den Wochenenden, die seit Anfang Dezember in Kraft sind. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen ist in dieser Zeit nach amtlichen Angaben von mehr als 30000 auf derzeit knapp 6000 gefallen. Schulen, Universitäten, Kinos, Restaurants und Bars sind geschlossen.

In der vergangenen Woche begann die Türkei mit Massenimpfungen, die bisher mehr als 800000 Menschen erreicht haben. Wenn die positiven Trends anhalten, könnten die Ausgangssperren laut der Zeitung Hürriyet in der zweiten Märzhälfte gelockert werden. Dann könnten auch Lokale wieder öffnen. Cavusoglu sagte, sein Land habe 35000 Impfstellen aufgebaut und könne bis zu zwei Millionen Menschen an einem Tag impfen.

Die Türkei setzt auf Impfdosen aus China für die Reise-Saison 2021

Allerdings hat die Türkei bisher erst drei Millionen Impfdosen des chinesischen Präparats Sinovac erhalten. Bis Ende März sollen es insgesamt 50 Millionen werden, doch auch das würde bei zwei Impfdosen pro Person nur für 25 Millionen Menschen reichen. Es gebe von der Regierung keine verlässlichen Informationen darüber, wie es mit dem Impfen weitergehen solle, sagte die Vorsitzende der türkischen Ärztekammer, Sebnem Korur Financi, der Online-Plattform 1+1.

Auch Financi beobachtet einen Rückgang der Neuinfektionen, doch sie glaubt den regierungsamtlichen Zahlen nicht. Allein die Metropole Istanbul verzeichne jeden Tag so viele Corona-Tote, wie die Regierungsstatistik für das ganze Land ausweise, sagte sie. Auch im Ausland werden die Angaben aus Ankara mit Skepsis betrachtet. Im vergangenen Sommer änderte die türkische Regierung ihre Zählmethode, um die Fallzahlen künstlich niedrig zu halten. Damals wurde die Türkei zu einem Hotspot für Reiserückkehrer, die das Virus mit nach Deutschland zurückbrachten. Die Bundesregierung erklärte daraufhin auch die Feriengegenden der Türkei, die bis dahin als sicher galten, zu Risikogebieten.

Türkei ist sich sicher, nicht mehr lange Corona-Risikogebiet zu sein

Nun werde die Türkei nicht mehr lange Risikogebiet bleiben, sagte Tourismusminister Ersoy. Zwar könne das Land dieses Jahr bei weitem nicht die 34,5 Milliarden Dollar verdienen, die der Fremdenverkehr 2019 einbrachte. Aber gut 23 Milliarden müssten drin sein, meint der Minister. Dagegen rät der Oppositionsabgeordnete Cetin Osman Budak seinen Landsleuten, nicht auf die Versprechen des Ministers zu setzen. Bisher habe Ersoy noch mit jeder Voraussage danebengelegen, sagte Budak nach einer Meldung des Branchendienstes Turizmgazetesi. Ohne Transparenz in der Corona-Politik und ohne effektives Impfprogramm seien die Ziele des Ministers nur ein „Hirngespinst“.

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren