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Umwelt
22.07.2021

WWF-Studie: Weltweit landen 40 Prozent aller Lebensmittel im Müll

Ab in den Müll: Auf der ganzen Welt werden Milliarden Tonnen an Lebensmitteln verschwendet, die eigentlich zum Essen gedacht waren.
Foto: Patrick Pleul, dpa (Symbolbild)

Deutlich mehr Lebensmittel als bisher bekannt werden jährlich verschwendet, wie eine aktuelle WWF-Studie zeigt. Welchen Einfluss die Landwirtschaft hat und wie die EU reagiert.

Das Ausmaß der Lebensmittelverschwendung ist umfangreicher als vermutet: Im Müll anstatt auf dem Teller landen nicht wie bisher geschätzt 33 Prozent, sondern 40 Prozent der produzierten Lebensmittel. Um diese zu produzieren, wird eine Fläche von rund viereinhalb Millionen Quadratkilometern, was der gesamten Europäischen Union entspricht, genutzt – der Ertrag wird jedoch einfach weggeworfen. Zu diesen Ergebnissen kommt die Umweltschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) in ihrer neuen Studie „Drive to Waste“ in Zusammenarbeit mit dem britischen Lebensmittelhändler Tesco.

WWF-Studie: 2,5 Milliarden Tonnen an Lebensmittel werden verschwendet

Dieser Anstieg gründet auf neuen Zahlen aus der Landwirtschaft. Vor, während und nach der Ernte gehen demnach jährlich geschätzte 1,2 Milliarden Tonnen an Nahrung verloren. Dazu kommen 931 Millionen Tonnen, die im Einzelhandel, in der Gastronomie und in Privathaushalten der Welternährungsorganisation (FAO) zufolge verschwendet werden.

Sowie geschätzte 400 Millionen Tonnen, die während der Lieferkette verloren gehen. Insgesamt sind das 2,5 Milliarden Tonnen an Lebensmitteln, die eigentlich zum Verzehr gedacht waren. Bislang schätzte die FAO die Lebensmittelverschwendung auf 1,2 Milliarden Tonnen.

Produktion von Lebensmitteln verursacht zehn Prozent der Treibhausgase

Um Lebensmittel herzustellen, wird viel Land genutzt und werden große Mengen an Wasser und Energie verbraucht. Die Studie zeigt, dass Lebensmittel nicht anstatt der geschätzt acht, sondern zehn Prozent aller Treibhausgase verursachen. Das sind doppelt so viele Emissionen, wie alle Autos in Europa und den USA jährlich erzeugen.

Am häufigsten auf dem Müll landen Obst und Gemüse, Rüben, Knollengewächse sowie Getreide und Hülsenfrüchte. Verschwendete Fleisch- und Tierprodukte sind der Umweltschutzorganisation zufolge für 40 Prozent der Klimagase verantwortlich. Den größten Anteil haben Milch und Rinderfleisch. Im Vergleich machen Obst und Gemüse, das am meisten weggeworfen wird, acht Prozent der Treibhausgase aus.

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In Deutschland werden zwölf Millionen Tonnen an Nahrung weggeworfen

Entlang der Lebensmittelversorgungskette landen auch in Deutschland viele Nahrungsmittel im Abfall: Es sind etwa zwölf Millionen Tonnen jährlich, wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft berichtet. Doch es gibt nur lückenhaft Daten, welche die Verluste im Bereich der Herstellung von Lebens- und Futtermitteln erklären. Unklar bleibt, wie hoch der Anteil ist, der auf dem Feld liegen bleibt, als Tierfutter eingesetzt oder als Energielieferant in der Biogasanlage genutzt wird.

Die WWF-Ernährungsexpertin Tanja Dräger de Teran fordert deshalb von der Politik: „Unser gemeinsamer Anspruch im Kampf gegen die Klimakrise und für den besseren Schutz von Boden und Gewässern muss sein, jede Ernte optimal zu nutzen.“ Dazu brauche es nach der Bundestagswahl dringend bundesweit eine systematische, regelmäßige und vergleichbare Erfassung der Lebensmittelabfälle entlang der gesamten Nahrungsmittelversorgungskette.

EU beschließt: Bis 2030 ein Viertel der Flächen für Bio-Landwirtschaft nutzen

Einen Schritt in Richtung grüner Agrarwirtschaft in der Zukunft hat jüngst die EU gemacht: Die Agrarminister der Länder haben sich darauf geeinigt, dass bis 2030 ein Viertel der Agrarflächen in der EU für Bio-Landwirtschaft genutzt werden soll. Damit bestätigte sich ein Plan, den die EU-Kommission bereits im März vorgeschlagen hatte.

Von diesem 25-Prozent-Ziel ist Deutschland aktuell weit entfernt. Bisher ist der Plan der Bundesregierung, dass bis 2030 nur 20 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen nach Biostandards bewirtschaftet werden. Die Bundesrepublik müsste also ihre nationalen Ziele nachbessern. Staatssekretärin Beate Kasch, die Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) bei dem Ministertreffen vertrat, erklärte, dass es „zusätzliche Impulse“ für den nationalen Aktionsplan bedürfe. Großes Potenzial für den Ausbau sieht sie in Bereichen wie Kitas, Schulen Krankenhäuser. Dort könnten mehr Bio-Produkte verwendet werden.

Deutschland liegt mit Bio-Betrieben nur im Mittelfeld im EU-Vergleich

In Deutschland wirtschaftet dem Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) zufolge 13,4 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe ökologisch, was 35400 Höfen entspricht und mehr als 8000 als fünf Jahre zuvor sind. Jeder achte Hof setzt mittlerweile auf Bioqualität. Und das obwohl die Biobranche boomt. Seit Jahren wächst der Absatz von Biolebensmitteln in Deutschland.

Damit liegt Deutschland aktuell mit einem Bio-Anteil der landwirtschaftlichen Betriebe von 7,7 Prozent in der EU im unteren Mittelfeld. Schlusslichter sind der Statistikbehörde Eurostat zufolge Malta (0,5 Prozent), gefolgt von Irland (1,6 Prozent) und Bulgarien (2,3 Prozent). Österreich erfüllt mit 26 Prozent Bio-Anteil bereits das vorgegebene EU-Ziel. (mit dpa)

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