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VW-Tochter
23.09.2016

So tief steckt Audi im Abgasskandal

Ein Dieselmotor TDI in einem Audi. Der Autohersteller gerät in dem Abgas-Skandal weiter unter Druck.
Foto: Julian Stratenschulte (dpa)

Hintergrund Bislang fuhren die Ingolstädter Autobauer im Windschatten von Volkswagen. Eine brisante Mail verrät nun, dass bei der VW-Tochter auch an den Motoren getrickst wurde

Der Satz ist nicht in Amtsdeutsch gehalten, könnte sich aber gerade aufgrund seiner entwaffnenden Klarheit zu einem echten Problem für Audi entwickeln: „Ganz ohne Bescheißen“ seien die US-Grenzwerte nicht einzuhalten, hieß es im Jahr 2007 in einer E-Mail eines Ingolstädter Ingenieurs. Das melden Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR unter Berufung auf Erkenntnisse der US-Anwaltskanzlei Jones Day, die im Auftrag des VW-Aufsichtsrats die Dieselaffäre aufklären soll. Die Nachricht klingt seriös.

Thema ist die Ausrüstung der 3,0-Liter-Motoren mit drei verbotenen Software-Programmen zum Austricksen von Abgastests bei Stickoxiden. Demnach schaltet sich die Abgasreinigung bei Fahrzeugen mit dem großen Turbodiesel-Motor nach etwa 22 Minuten einfach ab. Testverfahren zur Ermittlung der Werte dauern in der Regel knapp 20 Minuten.

Audi und VW wollten mit einer einfacheren Technik offenbar Geld sparen. Der Einsatz eines umweltschonenderen Systems wäre deutlich teurer gewesen. Das Computerschreiben des Ingenieurs war an einen Kreis von Managern im Unternehmen adressiert. An welche, dürfte den Ermittlern bekannt sein.

Für Audi wird die Sache ungemütlicher

Das neue Problem der Ingolstädter: Bislang konnten sie sozusagen im Windschatten von Volkswagen vergleichsweise unbeachtet durch die Affäre rollen. Jetzt wird die Sache ungemütlicher.

Denn die US-Behörden haben, so scheint es, inzwischen diverse Informationen zulasten von Audi zusammengetragen. Demnach haben Manager und Ingenieure bei der Entwicklung und der Einführung der Schummel-Software nicht nur beide Augen zugedrückt, sondern sie sollen auch selbst aktiv beteiligt gewesen sein.

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Wie und ob Vorstandschef Rupert Stadler von den Vorgängen wusste, ist noch nicht bekannt. Doch er muss in diesen Tagen als Zeuge bei der US-Anwaltskanzlei aussagen, wann er von der Software erfahren hat (wir berichteten). Ein Zeuge hatte ihn belastet, er solle bereits seit 2010 von den Vorgängen gewusst haben. Audi kommentiert dies und andere Vorwürfe nicht.

Tatsache aber ist: Volkswagen hat bereits vor einem Jahr die Trickserei zugegeben. Audi dagegen hat abgestritten, selbst manipuliert zu haben. Anderslautende Gerüchte, die nun auch schon seit Monaten kursieren, wurden nicht bestätigt. Stattdessen wurde gesagt, dass man lediglich ein Detail der Motorsteuerung bei den US-Behörden nicht offengelegt habe. Das aber hätte nichts mit Betrug zu tun gehabt. Diese Darstellung wird vermutlich nicht mehr zu halten sein.

Zudem drängt langsam auch die Zeit, eine Lösung mit den US-Behörden zu finden. Etwa 85000 Dieselmodelle aus dem VW-Konzern mit 3,0-Liter-Motoren, die von Audi stammen, wurden in den USA mit der verbotenen Abgastechnik ausgestattet. Schon vor Monaten hieß es, man sei kurz vor einer Einigung, doch noch immer gibt es darauf keine Hinweise. Im Gegenteil: Jeden Tag, so bekommt man den Eindruck, fährt Audi tiefer in die Dieselkrise. Trotz nach wie vor guter Verkaufszahlen geht in Ingolstadt bei den Mitarbeitern die Angst um, dass die goldenen Zeiten vorerst vorbei sein könnten.

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