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Handel

26.05.2020

Verdi kritisiert Galeria Karstadt Kaufhof massiv und fordert Hilfe vom Staat

Wie sieht die Zukunft von Galeria Karstadt Kaufhof aus? Das Sanierungskonzept spaltet Management und Gewerkschaft.
Bild: Martin Gerten, dpa

Die bisherigen Pläne der Sanierungsexperten sowie des Managements, die kriselnde Warenhauskette zu retten, seien laut Gewerkschaft Verdi nicht zukunftsfähig.

Die Verdi-Bundestarifkommission Galeria Karstadt Kaufhof hat „ein sofortiges Umdenken“ bei der Erstellung des Sanierungskonzeptes für die Warenhauskette verlangt. Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, hätte auch die Information des Generalbevollmächtigten sowie des Managements vom Montag keinerlei neue Ideen für ein tragfähiges, nachhaltiges Zukunftskonzept gebracht. „Vom Eigentümer und den Gesellschaftern erwarten wir Investitionen in die Zukunft der Warenhäuser sowie eine detaillierte Investitionsplanung. Weitere massive Eingriffe in die bestehenden Löhne und Gehälter sind keine Lösung“, heißt es in einer Erklärung der Kommission. Dennoch ist die Gewerkschaft für weitere Gespräche offen.

Zur Rettung fordert Verdi ein Eingreifen des Staates. „Es ist jetzt Zeit für eine politische und finanzielle Unterstützung für die Beschäftigten durch die Politik in den Kommunen, Gemeinden sowie Landesregierungen und der Bundesregierung“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Orhan Akman. Das beinhalte auch die Unterstützung in Form von Staatshilfen.

Bei Galeria Karstadt Kaufhof drohen Entlassungen und Schließungen

Der Hintergrund: Die Coronakrise hat den deutschen Einzelhandel durch die erzwungenen Schließungen stark getroffen. So auch die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof. Mit bis zu einer Milliarde Euro Umsatzverlust rechnet Frank Kebekus. Das sagte er vergangene Woche der Wirtschaftswoche in einem gemeinsamen Interview mit Arndt Geiwitz. Kebekus und Geiwitz führen als Sanierungsexperten bei Galeria Karstadt Kaufhof den Warenhauskonzern durch das Schutzschirmverfahren – eine Variante des Insolvenzrechts, die auf die Sanierung des Unternehmens zielt. Geiwitz, der geschäftsführender Gesellschafter der Kanzlei SGP Schneider Geiwitz & Partner aus Neu-Ulm ist, fügte im Interview hinzu, dass die Umsatzeinbußen bis 2022 sogar auf etwa 1,4 Milliarden Euro steigen könnten. Denn er rechne nicht damit, dass die Kunden im kommenden Jahr wieder so einkaufen werden wie vor Corona.

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Um rentabel zu bleiben, hatte es Mitte Mai geheißen, dass wohl 5000 Vollzeitstellen bei dem Unternehmen, das knapp 35.000 Beschäftigte hat, gestrichen sowie bis zu 80 von den etwa 170 Filialen dichtgemacht werden sollen. Das Unternehmen hatte dies nicht kommentiert. Welche Häuser genau von einer Schließung bedroht sein könnten, ist noch unklar. Fünf Filialen gibt es in unserer Region: Augsburg mit etwa 100 Mitarbeitern (seit 1978), Ulm mit knapp 120 Mitarbeitern (seit 1999), Ingolstadt mit etwa 70 Mitarbeitern (seit 1996), Memmingen mit etwa 70 Mitarbeitern (seit 1976) und Kempten mit knapp 60 Mitarbeitern (seit 1994).

Schon vor Corona kämpfte Galeria Karstadt Kaufhof mit roten Zahlen

Die Zahl der bedrohten Filialen könne sich noch reduzieren, sodass im Idealfall vielleicht fast zwei Drittel der Warenhäuser weitermachen könnten. Allerdings nur dann, wenn Vermieter und andere Beteiligte zu Zugeständnissen bereit seien, sagte Kebekus der Wirtschaftswoche außerdem. Für die wohl ebenfalls betroffene Karstadt-Tochter Karstadt Sports zumindest, hat nun die private Loitz Stiftung mit Sitz in Essen ihr Interesse bekundet, die Filialen zu übernehmen.

Schon vor der Coronakrise kämpfte Galeria Karstadt Kaufhof mit roten Zahlen. Der österreichische Immobilieninvestor René Benko übernahm mit seiner 1999 gegründeten Signa Holding 2014 in mehreren Schritten die angeschlagene Warenhauskette Karstadt. 2018 erfolgte die mehrheitliche Übernahme von Galeria Kaufhof. Seit März 2019 treten Kaufhof und Karstadt unter dem Namen Galeria Karstadt Kaufhof auf. Im Juni 2019 übernahm die Signa Holding dann den Minderheitsanteil des kanadischen Einzelhandelskonzerns Hudson‘s Bay Company (HBC) am Gemeinschaftsunternehmen für über eine Milliarde Euro und wurde somit Alleineigentümerin von Galeria Karstadt Kaufhof.

Auch ohne Corona wären Schließungen nicht ausgeschlossen gewesen

Thomas Roeb ist Professor für Handelsbetriebslehre an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Er sagt, dass sich Karstadt vor der Übernahme von Galeria Kaufhof finanziell einigermaßen stabilisiert zu haben schien. Doch für die Übernahme von Galeria Kaufhof, das schon zum Kaufzeitpunkt große wirtschaftliche Probleme gehabt habe, sei einfach zu viel Geld bezahlt worden. Diese finanziellen Probleme in den Griff zu bekommen, sei dann nicht so schnell erfolgt, wie es eigentlich nötig gewesen wäre.

„Zu diesem Pech kam dann das Unglück in Form von Corona hinzu“, sagt der Handelsexperte. „Wenn Corona in ein bis zwei Jahren gekommen wäre, wäre die Sanierung möglicherweise schon abgeschlossen gewesen.“ Dennoch schließt Roeb nicht aus, dass es auch ohne Corona künftig zu Filialschließungen gekommen wäre. Allerdings zu deutlich weniger. (mit dpa)

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