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VW-Hauptversammlung

14.05.2019

Verkaufsgerüchte: Haben MAN Energy Solutions und Renk eine Zukunft bei VW?

Volkswagen-Chef Herbert Diess baut den Konzern radikal um, wird VW doch zu einem Elektroauto-Konzern. Der Manager beschäftigt sich aber auch mit der Zukunft der beiden Augsburger Volkswagen-Standorte.  
Bild: Michael Kappeler, dpa

Plus Diess will eine Lösung für die Maschinenbau-Firmen MAN Energy Solutions und Renk finden. Selbst einen vollständigen Verkauf schließt er nicht aus.

Volkswagen-Chef Herbert Diess und seine Kollegen packen ein heißes Eisen an. Auf der Hauptversammlung des Konzerns am Dienstag in Berlin machten sie deutlich, nun zu klären, wie es mit den beiden Augsburger Unternehmen des Konzerns weitergehen soll. Ein Verkauf ist nicht ausgeschlossen. Insgesamt geht es um rund 5100 Jobs, ein Pfund für den krisengeschüttelten Industriestandort.

Für MAN Energy Solutions arbeiten am Stammsitz Augsburg rund 4000 der insgesamt etwa 14.000 Beschäftigten. Das Unternehmen ist ein weltweit führender Anbieter von Großdieselmotoren, Gasmotoren und Turbomaschinen. Zum VW-Imperium gehört auch der Augsburger Getriebehersteller Renk. Am Heimatstandort sind rund 1100 der mehr als 2200 Angestellten tätig. Beide Firmen sind durch die Übernahme der Münchner MAN AG in die Hände von Volkswagen geraten.

Ferdinand Piëch hielt seine Hand über MAN in Augsburg

Der einstige VW-Patriarch Ferdinand Piëch, der sich aus dem Konzern zurückgezogen hat, erfüllte sich mit dem Kauf des Lastwagen- und Maschinenbauers MAN einen weiteren Traum. Solange er noch Aufsichtsrats-Chef des Wolfsburger Riesen war, gab er gegenüber unserer Redaktion Bekenntnisse zu Renk und MAN Diesel & Turbo ab, wie MAN Energy Solutions früher hieß. So konnten sich die Mitarbeiter in Sicherheit wiegen, waren sie doch dank des Machtwortes von Piëch Teil der VW-Familie. Als sich der „Alte“, wie der heute 82-Jährige in Volkswagen-Kreisen genannt wird, ins Privatleben zurückzog, geriet ein Schutzwall für die Augsburger Beschäftigten ins Wanken.

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Doch Piëchs Rolle als Schwaben-Schützer übernahmen dann der mächtige Volkswagen-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh und sein aus Augsburg stammender Gewerkschaftskollege Jürgen Kerner, Vorstandsmitglied der IG Metall. VW-Chef Diess, der dem Konzern eine radikale Elektroauto-Offensive verschrieben hat, geht aber gerne neue Wege. So startet er „die Eröffnung einer Zukunfts- und Wachstumsperspektive für den Maschinenbau im Konzern“. Übersetzt bedeutet das Management-Deutsch des 60-Jährigen: VW hat sich nun durchgerungen, MAN Energy Solutions und Renk nicht einfach als Beteiligungen im Autokonzern weiter mitlaufen zu lassen, sondern sie neu aufzustellen. Dabei lautet die Augsburger Diess-Devise: Alles ist möglich. Denkbar scheint, dass VW die beiden Firmen in Gemeinschaftsunternehmen einbringt, Partnerschaften für sie schließt oder die Betriebe teilweise oder vollständig verkauft. Vor allem Letzteres hatte Piëch immer ausgeschlossen, war er doch gerade als Technikfreund vom Schiffsmotorenbau in Augsburg begeistert. Doch ehe „Lösungen“ für MAN Energy Solutions und Renk gefunden werden, kann reichlich Zeit vergehen.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Schade, dass Piëch MAN und Renk in Augsburg nicht mehr schützt

Betriebsratschef Osterloh: „Mit uns keine faulen Kompromisse“

Denn die beiden Augsburger VW-Diamanten, wie der örtliche IG-Metall-Chef Michael Leppek die Firmen nennt, haben nach wie vor einen mächtigen Freund, der es versteht, selbst Diess immer wieder seine Grenzen aufzuzeigen: Der oberste VW-Arbeitnehmer Osterloh ließ nämlich in einem Statement im VW-Intranet, von dem unsere Redaktion Kenntnis hat, in gewohnt klarer Ansage an die betroffenen Beschäftigten verlauten: „Ihr könnt euch darauf verlassen, dass es mit uns hier keine faulen Kompromisse geben wird.“ Endgültige Entscheidungen zu MAN Energy Solutions und Renk stünden im Aufsichtsrat außerdem noch unter Zustimmungsvorbehalt. Unserer Redaktion sagte Osterloh dann am Rande der Hauptversammlung noch: „Meine Position hat weiter Bestand, dass die Interessen der Beschäftigten im Vordergrund stehen müssen.“

Demnach können die rund 5100 Mitarbeiter in Augsburg auf den Rückhalt der IG Metall setzen. In wohl wenig anderen deutschen Konzernen verfügt die Gewerkschaft über so viel Einfluss wie bei VW. Osterloh ist jedenfalls nur dann zu Änderungen für die Augsburger Firmen bereit, falls Verschlechterungen für die Beschäftigten ausgeschlossen sind. So macht er deutlich: „Für mögliche Verkäufe haben wir klare Leitplanken vorgegeben.“ Osterlohs Augsburger IG-Metall-Kollege Leppek machte jedoch deutlich: „Wir lehnen einen vollständigen Verkauf ab.“ Über sinnvolle Partnerschaften, welche die Unternehmen voranbringen, könne man jedoch reden. Und Uwe Lauber, Chef von MAN Energy Solutions, erklärte auf Anfrage: „Wir begrüßen und unterstützen ausdrücklich, dass der VW-Aufsichtsrat einen Prozess angestoßen hat, mit dem Ziel, MAN Energy Solutions zukunftsweisend aufzustellen.“

Mögliche Interessenten: Wärtsilä, Cummins und andere

Zuletzt hatte es heftige Spekulationen gegeben, MAN Energy Solutions könne verkauft werden. Das Handelsblatt hatte unter anderem den Namen des US-Diesel- und Gasmotorenherstellers Cummins ins Spiel gebracht. Dazu gibt es offiziell von VW-Seite keine Erklärungen. Schon in den vergangenen Jahren wurde immer wieder über Interessenten berichtet. Zudem wurden der finnische Spezialist für Kraftwerke und Schiffsmotoren Wärtsilä, Innio Jenbacher aus Tirol oder Mitsubishi Heavy Industries, aber auch Finanzinvestoren wie EQT oder Bain genannt. Während die Zukunft der Augsburger VW-Firmen noch offen ist, steht fest, dass die Traton getaufte Lastwagensparte noch dieses Jahr vor der Sommerpause an die Börse gebracht werden soll. In Traton steckt natürlich jede Menge MAN. Die Entscheidung des Aufsichtsrates hat die Belegschaftsseite um Osterloh nicht verhindert.

Bei so viel Entgegenkommen bekommt der Gewerkschafter aber auch ein wohlschmeckendes Bonbon vom VW-Boss: Diess will im niedersächsischen Salzgitter eine Batteriezellen-Fabrik bauen. Eine Einschränkung macht er aber: Für so eine Entscheidung müssten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen passen. Auf alle Fälle investiert VW knapp eine Milliarde Euro in die neue Fabrik. Bis Jahresende wollen sich Diess und seine Kollegen entscheiden, ob Salzgitter zum Zug kommt. Hier muss das Land Niedersachsen als VW-Großaktionär noch seine Hausaufgaben machen und optimale Standort-Bedingungen für die Batteriezellen-Fabrik schaffen. VW stellt sich etwa vor, dass dem Unternehmen die ausreichende Versorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien garantiert wird. Diess setzt derweil nach dem Diesel-Skandal seinen E-Auto-Kurs fort. Er verspricht, dass der VW-Konzern spätestens 2050 CO2-neutral arbeiten will. Bosch peilt das schon ab 2020 an.

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