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Rohstoffe

05.12.2018

Verliert die Opec an Bedeutung?

Zusammen fördern die Opec-Staaten bisher über 32 Millionen Barrel Rohöl am Tag. Doch das könnte sich mit dem Treffen ändern.
Bild: Rodger Bosch, afp

Die Opec will den Rohölmarkt stabilisieren und die Preise kontrollieren. Vor ihrem Treffen in Wien zeigt sich: Das gelingt ihr nur noch bedingt.

Es sind die 70er Jahre und Deutschland ist in einer Krise: Sonntags werden die Autobahnen zu Spazierwegen. Tankstellen hängen Schilder mit der Aufschrift „Sprit ausverkauft“ auf. Der Grund: Die ölexportierenden Länder – kurz Opec – haben ihre Öl-Fördermengen gesenkt. Rohöl ist auf einmal so knapp und so teuer wie noch nie.

Opec-Staaten produzieren 40 Prozent des weltweiten Öls

Die Ölkrise hat sich bis heute ins Gedächtnis vieler Menschen eingebrannt. Seither werden die Entscheidungen der Opec-Länder ganz genau beobachtet. Gegründet wurde das Kartell 1960 von fünf Ländern: Iran, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela. Heute gehören ihr 15 Staaten an. Über die Jahre sind unter anderem Katar, Indonesien, Libyen, die Vereinigten Arabischen Emirate, Algerien, und Nigeria hinzugekommen. Die Mitgliedsstaaten produzieren etwa 40 Prozent des weltweit verfügbaren Erdöls. Ziel der Opec ist es, sich in wirtschaftlichen Entscheidungen abzusprechen und den Ölmarkt zu stabilisieren. Aus Sicht der Verbraucher heißt das: Die Opec versucht, den Ölpreis zu steuern. Die Frage ist: Gelingt ihr das noch? Hat die Opec überhaupt noch Einfluss?

Denn wie sich zeigt, wird es schwieriger, die Interessen der 15 Mitgliedstaaten auf einen Nenner zu bringen. Zu Beginn der Woche hat etwa Katar angekündigt, die Organisation zu verlassen. Die offizielle Begründung: Katar will sich mehr auf die Förderung von Gas konzentrieren. Auf dem Gebiet ist das Emirat Weltmarktführer. Für den Ölmarkt spielt das Land eine untergeordnete Rolle. Zuletzt förderten die Opec-Länder zusammen 32,9 Millionen Barrel Erdöl am Tag – der Anteil von Katar lag mit 610000 Barrel bei nicht einmal zwei Prozent. Hinter der Ankündigung stecken auch politische Spannungen, vermuten Beobachter. Schon lange liegen Katar und sein Nachbar Saudi-Arabien im Clinch. Und die Saudis dominieren in der Opec. „Zuletzt bekam man häufig den Eindruck, dass die Saudis mit Russland eine Vereinbarung getroffen haben und die anderen Opec-Länder am Ende nur noch zustimmen durften“, sagt der Commerzbank Rohstoff-Analyst Carsten Frisch. Das ist die eine Seite des Opec-Problems.

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Auf der anderen geht es um die Frage, ob die Werkzeuge der Opec noch greifen. Denn momentan fördern die Opec-Länder viel zu viel Öl. Deshalb sinkt der Ölpreis. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet etwa 60 Dollar. Und auch wenn die Opec-Länder das nicht so sagen, sind sie daran interessiert, dass der Preis steigt. „Damit Saudi-Arabien seinen Staatshaushalt vollständig mit den Öleinnahmen finanzieren kann, müsste der Ölpreis laut Schätzung des IWF bei etwa 88 Dollar pro Barrel liegen“, sagt Fritsch.

Opec-Treffen: Wird Öl wieder teurer?

Deshalb ist schon vor dem Treffen der Opec-Länder am Donnerstag spekuliert worden, dass die Öl-Fördermenge gedrosselt wird. Ein Mittel, auf das die Öl-Länder immer wieder gesetzt haben. Nicht nur in der Ölkrise der 70er Jahre. David Wech von der Energieanalyseagentur JBC geht davon aus, dass die Fördermenge ab dem kommenden Jahr um etwa 1,3 Millionen Barrel pro Tag im Vergleich zum November 2018 sinken wird. „Aber man muss auch sehen, dass die Opec-Länder gerade eine bis zwei Millionen Barrel am Tag zu viel produzieren“, sagt er. Die Frage ist: Greift dieses Mittel? Kann die Opec Einfluss auf die Rohölmenge nehmen?

Es wird schwieriger. Denn längst nicht alle Länder, die Öl fördern, sind Mitglieder in der Organisation. Und während sich Russland zumindest mit den Saudis abspricht und sich an den Maßnahmen der Opec-Länder orientiert, machen die USA das nicht. Am Mittwochnachmittag mahnt US-Präsident Donald Trump die Opec per Twitter die Fördermenge nicht zu drosseln: „Die Welt will keine höheren Ölpreise sehen und braucht auch keine!“, schreibt er. Und gerade die großen Ölmengen aus den USA tragen dazu bei, dass der Preis so niedrig ist. Dort wird mithilfe von Fracking viel mehr Schieferöl gefördert als lange angenommen. Inzwischen sind die Vereinigten Staaten mit 11, 7 Millionen Barrel pro Tag der größte Ölproduzent der Welt. „Und die Förderer in den USA können inzwischen mit einem Ölpreis von 50 Dollar pro Barrel wirtschaftlich arbeiten“, sagt der Analyst Fritsch.

Auch wenn es schwieriger wird, unterschätzen sollte man die Opec nicht. Sie ist nach wie vor relevant. Das sind sich die Analysten einig. „Alleine schon, dass sich Russland an die Entscheidungen hält, zeigt wie wichtig die Opec ist“, sagt Wech. Fritsch ergänzt: „Wenn die Opec 40 Prozent des Öls beherrscht, ist das schon ein großer Hebel.“

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