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Luftfahrtbranche

30.07.2020

Verlust bei Airbus: So viele Stellen stehen auf der Kippe

Airbus hat im zweiten Quartel 2020 einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro gemacht. Jetzt sind Arbeitsplätze in Gefahr.
Bild: Loic Venance/AFP, dpa (Symbol)

Plus Nachdem Boeing Milliardenverluste bekannt geben musste, legt nun Airbus rote Zahlen vor. Vom Sparpaket samt Stellenabbau ist auch Augsburg betroffen.

Dass es schlimm kommen würde, stand vorher schon fest. Denn wenn niemand mehr fliegt, brauchen Airlines keine Flieger. Jetzt ist klar, wie groß das Loch ist, das die Corona-Krise bislang in die Airbus-Finanzen gerissen hat: Der weltgrößte Flugzeugbauer hat im zweiten Quartal einen Verlust von mehr als 1,4 Milliarden Euro gemacht. Das hat Unternehmenschef Guillaume Faury am Donnerstag in Toulouse verkündet.

Die Airbus-Führung hat auf die größte Krise in der Geschichte der Branche längst reagiert. Ein Sparpaket samt Abbau von 15.000 Stellen ist bereits beschlossen. Direkt davon betroffen ist auch Augsburg, wo mit Premium Aerotec ein wichtiger Zulieferbetrieb sitzt. Rund 1000 Stellen stehen allein hier auf der Kippe. Die Modalitäten sind noch zu klären. Mit Rückendeckung aus der Politik könnten die Zahlen auch noch etwas sinken. Doch der 52-jährige Franzose hatte noch weitere bittere Nachrichten.

So soll die Produktion des eigentlich erfolgreichen Langstreckenjets A350 nun noch stärker zurückgefahren werden als geplant. Statt sechs sollen nur noch fünf Maschinen pro Monat gebaut werden. Das ist nur noch rund die Hälfte wie vor der Krise. Schon bislang hieß es, Produktion und Auslieferungen sollen für zwei Jahre um 40 Prozent sinken. Aktuell parkt Airbus massenhaft neue Maschinen auf Flughäfen, weil die Kunden sie gar nicht mehr oder erst später wollen.

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Schwacher Trost für Airbus in der Corona-Krise: Boeing geht es noch schlechter

Faury rechnet auch nicht damit, dass sich die Lage schnell bessert: „Wir glauben an eine lange und langsame Genesung“, sagte er mit Blick auf die gesamte Branche. Ein Vergleich mit dem ersten Halbjahr 2019 wirkt da wie ein Blick in längst vergangene Zeiten: 1,2 Milliarden Euro Gewinn machte Airbus – damals. Nun soll das Geld zusammengehalten werden. Übernahmen und Finanzierungen für Kunden herausgerechnet, solle im zweiten Halbjahr unter dem Strich kein Geld mehr aus dem Konzern abfließen, kündigte der Manager an. Eine neue Prognose für Umsatz und Ergebnis im laufenden Jahr wagte er nicht.

Einen schwachen Trost für Faury und die Airbus-Beschäftigten liefert der Blick über den Atlantik. Dem ewigen Rivalen Boeing geht es noch schlechter. Nach zwei Abstürzen mit vielen Toten erhielt die mit Milliardenaufwand entwickelte Maschine 737 weltweit Flugverbot. Der Ruf des einstigen Vorzeigekonzerns ist seit dem Bekanntwerden von Schlampereien und Mauscheleien bei der Zulassung des Modells nachhaltig ramponiert. Nun könnte die Corona-Krise dem wankenden Riesen den K.-o.-Schlag verpassen. Für das zweite Quartal musste Boeing-Chef Dave Calhoun am Mittwoch einen Verlust von rund 2,4 Milliarden Dollar (gut 2 Milliarden Euro) bekannt geben – nach dem Rekordminus von 2,9 Milliarden Dollar von vor einem Jahr, das dem 737-Debakel zuzuschreiben war.

Calhoun kündigte an, dass der Konzern „die Anzahl seiner Mitarbeiter überdenken müsse“. Übersetzt heißt dies nichts anderes als die Streichung von rund 19.000 Stellen. Laut Finanzchef Greg Smith seien davon Ende Juni bereits 6000 weg gewesen. Zudem baue man in der Rüstungs- und Raumfahrtsparte weiter auf, weswegen sich der Gesamtabbau auf 16.000 Stellen begrenze. Das sind aber immerhin zehn Prozent der Belegschaft.

Zuletzt wurden wegen der Corona-Pandemie nur noch sechs 747-Jumbojets im Jahr gebaut

Neben den sozialen Härten für die Mitarbeiter fordert die Krise noch ein anderes Opfer. Nachdem die Airbus-Führung bereits Anfang 2019 beschlossen hatte, den einstmals als Zukunftsmodell gefeierten A380 mangels Nachfrage auslaufen zu lassen, zog Boeing nun nach. Nach über 50 Jahren und vielen Varianten soll die Produktion des als Jumbojet bekannten Großraumjets 747 im Jahr 2022 eingestellt werden. Zuletzt seien nur noch sechs Maschinen im Jahr gebaut worden, die meisten davon als Frachtflieger.

Für die Airlines war es bereits vor der aktuellen Krise schwer, die Superflieger mit einer Kapazität von bis zu 853 Passagieren voll zu bekommen. Die 747 galt mit ihren vier Triebwerken zudem als ineffizienter als moderne Maschinen. Zumindest ein Exemplar der „Königin der Lüfte“, wie die 747 von Luftfahrtfans genannt wird, dürfte noch länger abheben: US-Präsident Donald Trump bestellte im Herbst 2017 nach langem Feilschen eine neue Air Force One als Regierungsmaschine – wieder auf Basis der 747. (mit dpa)

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01.08.2020

Hm. In nem Bericht über Airbus... so traurig das mit den Stellenstreichungen ist, eine Boing 747 abzubilden... ich weiß ja nicht.

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01.08.2020

In dem Artikel geht es auch um die Probleme bei Boeing und den Jumbojet.
Um jedoch weitere Missverständnisse auszuschließen, haben wir das Bild ausgewechselt.
Viele Grüße!

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31.07.2020

Das einzig Positive an einer Wirtschaftskrise ist, dass weniger Dreck in die Luft geblasen wird. Der Strukturwandel kann meiner Meinung nach nur in Richtung Umwelttechnologien und regenerative Energien gehen. Premium Aerotec muss ggf. dazu übergehen, z.B. Leichtbauteile für Windräder und Elektrofahrzeuge herzustellen.

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