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Familienbetrieb

06.05.2011

Verschweißt mit der Region

Vom Schiebegitter für Milchvieh bis zur „Energiehalle“: Wie das Buchloer Unternehmen Hörmann groß wurde und warum es auch Anlagen für Kanada im Allgäu herstellt

Buchloe Mit den Solaranlagen auf seinen Produktionshallen könnte das Unternehmen Hörmann ein kleines Dorf mit Strom versorgen. Dennoch gewinnt Firmenchef Rolf Hörmann (48) dem aufgeheizten Markt rund um die Kraft der Sonne wenig ab. Die Einspeisevergütung des Bundes hat in den vergangenen Jahren viele Bauherren animiert, sich eine Photovoltaikanlage auf das Dach zu setzen. „Irgendwann bricht so ein Markt aber zusammen“, ist der Unternehmer überzeugt. Die geplante Senkung der Vergütung und eine „konstante Entwicklung“ hält er für richtig. „Letztlich profitiert unser Unternehmen davon, denn wir setzen auf gesundes Wachstum.“

Was sich das Unternehmen Hörmann am Stammsitz im Ostallgäuer Buchloe selbst gebaut hat, bietet es auch seinen Kunden: die Planung und die Errichtung von Hallen, Ställen und Energietechnik wie Dachsolaranlagen. Aus der kleinen Werkstatt des Gründers Rudolf Hörmann ist ein Unternehmen mit 500 Beschäftigten und mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz geworden. Weil die weltweite Wirtschaftskrise weitgehend spurlos an dem Betrieb vorbeigegangen ist und die geplante Kürzung bei der staatlichen Solarförderung für Dachanlagen noch eine wahre Auftragsflut ausgelöst hat, konnte das Unternehmen im vergangenen Jahr nicht mal seinen 50. Geburtstag gebührend feiern.

Trotz der Unternehmensentwicklung ist alles ganz normal geblieben im unscheinbaren Verwaltungsgebäude zwischen den zahlreichen Produktionshallen. In der Vitrine am Empfang stehen Pokale von Betriebssportveranstaltungen. Es gibt ein Rudolf-Hörmann-Gedächtnisturnier mit dem Charakter einer Stiftung. Örtliche Vereine erhalten Sach- und Geldspenden. Das bescheidene Geschäftsführerbüro befindet sich vis-à-vis dem Pausenraum für das Personal. Und Seniorchefin Centa Hörmann (73) radelt bei trockener Witterung in die Arbeit.

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Die Bodenständigkeit hat wohl auch etwas mit der Kundschaft, früher vor allem aus der Landwirtschaft, zu tun. Das Unternehmen ging jeden Trend mit den Auftraggebern: hin zu immer größeren Einheiten, zur Kosteneffizienz und zu automatisierten Roboterställen. Selbst macht der Betrieb aber nicht alle Entwicklungen mit. Outsourcing, also das Auslagern bestimmter Tätigkeiten, bleibt für Hörmann ein Fremdwort. Produziert wird in den hauseigenen Werken. Selbst für Auftraggeber in Kanada werden die Stahlträger und Giebelkonstruktionen in Buchloe gefertigt, dann verschifft und in Übersee montiert. Dass es bei solchen Gebäuden aus Stahl und Holz nicht mehr nur mit vier Wänden und einem Dach getan ist, zeigt die Bandbreite der Aufträge: Gewerbe- und Reithallen, Rinder-, Schweine- und Pferdeställe – „jedes Objekt hat andere Anforderungen“, sagt Hörmann.

Ebenso spielen die energetischen Erfordernisse eine immer größere Rolle. Das Unternehmen hat deshalb aus dem Gebäude und der Photovoltaik gleich ein einziges Produkt gemacht und den Begriff „Energiehalle“ geprägt. In diesem Geschäftsbereich werden die unterschiedlichsten Gewerke miteinander verbunden. „Wir liefern von der Planung bis zur Fertigstellung alles aus einer Hand“, sagt Hörmann.

Die saubere Energiegewinnung bleibt aber eine Herzensangelegenheit des Firmenchefs. Wer Fragen zu seiner Geschäftsphilosophie hat, den führt er einfach über das weitläufige Betriebsgelände. Das gesamte Unternehmen wird – rein rechnerisch – mit dem Strom aus den Photovoltaikanlagen auf den eigenen Hallendächern versorgt. Wärme liefert eine Hackschnitzelheizung, befeuert mit den Holzabfällen der eigenen Zimmerei. Seit dem Jahr 2003 wurden nach Unternehmensangaben mehr als 1400 Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 50 Megawatt gebaut. Trotz seiner leisen Kritik an der bisherigen Förderpolitik zeigt sich Hörmann sicher: Lediglich in Einzelfällen seien Hallen von seiner Kundschaft deshalb gebaut worden, um ausschließlich lukrativ Energie zu produzieren.

„Die Anlage auf dem Dach ist in aller Regel nur ein Zusatz für den Bauherrn, damit sich die Investition schneller amortisiert“, sagt er. Unabhängig von der aktuellen Kernkraftdebatte sieht Hörmann in dieser dezentralen Energieversorgung – ob mit Miniblockheizkraftwerken im Keller oder Solaranlagen auf dem Dach – noch viel Potenzial.

„Danach“, sagt der Chef des Unternehmens, „kann man sich immer noch Gedanken machen, wie die Energie von den Windkraftanlagen in der Nordsee ins Allgäu transportiert wird.“

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